Teil 2 (Ruanda)

Unser Besuch bei den Grauer Gorillas im Kahuzi-Biega-Nationalpark (Reisebericht Teil 1) war ein voller Erfolg. Wir mussten nicht weit Laufen (gerade mal 10 Minuten), das Gelände war flach, das Wetter gut (es regnete erst hinterher), wir hatten tolles Fotolicht und abwechslungsreiche Motive – ich hatte noch nie zuvor die Gelegenheit so viele Gorillas zusammen auf ein einziges Foto zu bekommen wie dort. Konnte das noch besser werden? Ich habe nichts unversucht gelassen meine Mitreisenden „mental und seelisch“ darauf vorzubereiten, dass das nicht noch mal alles so perfekt klappen kann – so viel vorweg: ich wurde in Ruanda eines besseren belehrt!

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Unterwegs in Ruanda. Selbstverständlich wussten wir – also Stefan (rechts) und ich (links) natürlich nicht – aber doch bestimmt Helmut (2. v. links) – oder wenigstens unser ugandischer Fahrer und Freund Jason – wo genau wir lang fahren müssen … (Foto: Thomas Weinhold).

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Zum Glück hatten wir Dieter dabei … (Foto: Thomas Weinhold).

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Am besten erst mal wieder ein kleines Picknick machen. (Foto: Thomas Weinhold).

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Die Stunden zogen sich dahin, mehrmals sahen wir solche Hügel, die über und über mit weißen Zelten/Hütten bedeckt waren. Was war das? Unsere erste Vermutung waren Gewächshäuser – doch leider stimmte der zweite Gedanke … (Foto: Thomas Weinhold).

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… es handelte sich um riesige Flüchtlingslager der Vereinten Nationen. Hier werden Flüchtlinge aus dem Ostkongo untergebracht. Einerseits natürlich gut, andererseits aber auch sehr erschreckend. (Foto: Thomas Weinhold).

Genau in den Tagen als wir in Ruanda und später noch in Uganda unterwegs waren – vor allem aber in den zwei Wochen danach – sind auf der anderen Seite der Grenze im Kongo die Konflikte zwischen den M23-Rebellen und den Regierungstruppen wieder aufgeflammt. Sogar in deutsche Zeitungen hatten sie es geschafft, was kein gutes Zeichen ist. Der Mikeno-Sektor im kongolesischen Virunga-Nationalpark, quasi die gegenüberliegende Seite der Virunga-Vulkane von Ruanda aus gesehen, war schon länger von Rebellen besetzt gewesen. Kurz nachdem wir wieder zuhause ankamen, sind die Rebellen in Goma einmarschiert, haben die Stadt allerdings bald schon nach Verhandlungen wieder verlassen. Für die einheimische Bevölkerung hat sich jedoch immer noch nichts geändert, die Menschen dort leben in einem Krisengebiet wo es jederzeit wieder zu Kämpfen kommen kann. Während der zwei Tage, die wir in Ruanda waren, waren wir näher an dieser Region als während der Tage, die wir vorher im Kongo waren. In Ruanda hat man jedoch absolut nichts davon mitbekommen, der Gorillatourismus lief ganz normal.

Wir übernachteten zwei Nächte in einem Stadthotel der Gorilla Hotels Kette in Musanze (ehemals Ruhengeri) mit Pool. Dieser war jedoch leer. Dafür gab es im Restaurant leckeren Kakao und für die Smartphone-Junkies WLAN, dass wir dann am zweiten Tag an genau einem einzigen Tisch auch tatsächlich nutzen konnten.

Ruanda_2012-6 Foto: Andreas Klotz
In Ruanda treffen sich alle (absolut alle) Gorilla-Touristen morgens um 7 Uhr an einer zentralen Stelle: dem Rangerposten in Kinigi nahe der Grenze des Vulkanoes Mountain National Parks. Hier werden alle willkommen geheißen, gebrieft, auf die Gorillagruppen verteilt, und von hier aus fahren danach die Safari-Fahrzeuge in alle Richtungen gleichzeitig weg. Das hatte was von Rush Hour. Mir hat es dort überhaupt nicht gefallen! Ich empfand es als zu professionell durchorganisiert. So gar nicht typisch afrikanisch. Allein der Parkplatz für bis zu 100 Autos – wie vor einem Supermarkt. Seltsam.

Ruanda_2012-8 Foto: Thomas Weinhold
Um die Wartezeit der Touristen zu verkürzen gab es Kaffee und Tee – und ein Unterhaltungsprogramm mit Musik und Tanz. Alles hochprofessionell auf der einen Seite, aber ein irgendwie geartetes „ursprüngliches“ Afrika bleibt hier auf der Strecke. Den Ruandern kann man es gar nicht verübeln – der Gorillatourismus ist ihre größte Einnahmequelle. (Foto: Thomas Weinhold).

Ruanda_2012-7 Foto: Andreas Klotz
Ich bin allein etwas umhergewandert und habe versucht die Morgenstimmung einzufangen. Bloß keine Autos oder Touristen durften auf meine Bilder – und das war schwer genug. Ich weiß, ich bin selbst ein Teil davon, vielleicht sieht man es mit anderen Augen, wenn man Uganda nicht kennt und nicht weiß, wie es dort gemacht wird.

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Trotz allem ist die Vorfreude auf den nächsten Gorillabesuch immer noch das Schönste! Also ab in den Wald. (Foto: Nancy Weinhold).

Ruanda_2012-10 Foto: Andreas Klotz
Diesmal dauerte es etwa eine Stunde – was auch noch sehr kurz ist – bis wir die Berggorillas nach einem lockeren Spaziergang gefunden hatten. Was nun folgt ist eine Mini-Auswahl meiner Bilder, die alle auf einer einzigen kleinen Lichtung entstanden sind. Teilweise schien die Sonne fast schon zu intensiv – eine unvergessliche Stunde.

Ruanda_2012-11 Foto: Andreas Klotz
Dieser kleine Kerl war noch nass vom Morgentau.

Ruanda_2012-12 Foto: Andreas Klotz
Die beiden (Mutter und Kind) betrachteten intensiv die bunt gekleideten Touristen – besser als Fernsehen.

Ruanda_2012-13 Foto: Andreas Klotz
Mir wollte er wohl zeigen wer hier der Chef ist – ganz wie ein großer Silberrücken trommelte er auf seine Brust und schaute grimmig.

Ruanda_2012-14 Foto: Andreas Klotz
Überall wuchsen große Brennesseln – die Gorillas stört das gar nicht, mich pieksten sie ständig durch den Stoff der Hose – aber egal, das kann man für solche Momente ertragen.

Ruanda_2012-15 Foto: Andreas Klotz
Der Silberrücken hielt sich etwas im Hintergrund.

Ruanda_2012-16 Foto: Thomas Weinhold
Über dieses Bild freue ich mich immer wieder. Danke Thomas! (Foto: Thomas Weinhold).

Ruanda_2012-17 Foto: Andreas Klotz
Plötzlich änderte sich schlagartig die friedliche Stimmung. Der Silberrücken startete einen Scheinangriff – zum Glück stoppte er ein paar Meter vor mir, er meinte nicht mich, sondern eins der zwischen uns sitzenden Weibchen – aber in dem Moment verriss ich die Kamera doch ein bißchen …

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Puh – alles wieder ganz entspannt.

Ruanda_2012-19 Foto: Andreas Klotz
Dieses Weibchen pflückte Brennesseln, drehte sie geschickt zu einer kleinen Kugel …

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… und verspeiste sie anschließend genüsslich.

Ruanda_2012-21 Foto: Andreas Klotz
Das Highlight des Tages: Der Silberrücken schnappte sich das Weibchen, dass er kurz vorher noch so heftig „angemacht“ hatte – und wir hatten tatsächlich die seltene Gelegenheit einer Berggorilla-Kopulation zuzuschauen.

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Das ganze dauerte genau exakt 2 ½ Minuten.

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Danach schaute er uns an, ganz im Sinne von „So macht man das, Jungs …“.

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Beide gingen entspannt Ihrer Wege.

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Unserer jungen weiblichen Begleitung war es ziemlich peinlich, aber so ist das Leben.

Ruanda_2012-25 Foto: Andreas Klotz
Die Stunde war gerade mal halb vorbei – andere Mitglieder der Gorillafamilie hat die Aktion gar nicht tangiert.

Ruanda_2012-27 Foto: Andreas Klotz
So nah war ich Berggorillas in all meinen Trackings vorher noch nie gekommen. Die Lichtung war sehr klein, wir konnten manchmal gar nicht weiter zurück und so gingen die Tiere teilweise in zwei, drei Meter Entfernung an uns vorbei. An dieser Stelle hier noch mal ein Wort zu Ruanda: auch wenn es eine extrem intensive Erfahrung für die Besucher ist – die Ranger sollten mehr darauf achten, dass der vorgeschriebene Mindestabstand eingehalten wird. Wir sind immer wieder mal einen Schritt zurückgewichen, dazu aufgefordert wurden wir aber leider nicht. Laut mehrerer Aussagen ist das hier wohl eher die Regel als die Ausnahme – in Uganda erlebte ich es oft schon anders.

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Na gut, es ist bald Mittagszeit – legen wir uns doch alle einfach hin.

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Oder wir knuddeln noch ein bißchen.

Ruanda_2012-30 Foto: Andreas Klotz
Am Ende siegt die Müdigkeit.

Ruanda_2012-32 Foto: Nancy Weinhold
Die Zivilisation hat uns wieder. (Foto: Nancy Weinhold).

Ruanda_2012-33 Foto: Nancy Weinhold
Und natürlich sind in Ruanda auch die Urkunden schöner … (Foto: Nancy Weinhold).

Auf nach Uganda: Weiter geht es in Teil 3