Die Falklandinseln
Schroffe Küsten, kalter Wind und überwältigende Artenvielfalt

HCO_20091116_0571_©Heike_Odermatt
© Heike Odermatt

Abgeschieden – dieser Begriff umschreibt recht gut die Lage der Falklandinseln im südlichen Atlantik. Der südlichste Zipfel Argentiniens ist 350 Kilometer vom Festland entfernt. Bis nach London, der Hauptstadt des Mutterlandes Großbritannien, sind es über 12.000 Kilometer. Menschen verschlägt es hierhin kaum – umso mehr ist die Inselgruppe ein Paradies für die einheimische Tierwelt an den schroffen Küsten, im südlichen Atlantik und in den meist flachen Moorlandschaften. Stetiger Wind, ein langer kalter Winter, Böden, die sich nicht für die intensive Landwirtschaft eignen, und keinerlei Bewuchs über einen Meter Höhe – menschenfeindlicher kann eine Landschaft kaum sein. Pinguine, See-Elefanten und unzählige Vogelarten hingegen lieben diese Bedingungen.

Viel Fläche, wenig Menschen

Knapp 3.000 Kelper – so nennen sich die Bewohner der Falklandinseln selber – leben auf etwa 200 Inseln mit einer Gesamtfläche von ca. 12.000 Quadratkilometern. Sie bewohnen somit eine Fläche von der Größe Nordirlands, die durch einen 20 Kilometer breiten Sund in die beiden Hauptinseln Westfalkland (Isla Soledad) und Ostfalkland (Isla Gran Malvina) geteilt ist. Die Hauptstadt Stanley mit ihrem Binnenhafen und dem zentralen Flughafen und die britische Militärbasis Mount Pleasant befinden sich auf der östlichen Hauptinsel, auf der auch die meisten der Einwohner leben.
Die Falklandinseln waren bis zur Fertigstellung des Panamakanals 1914 ein gern angelaufenes Ziel für Seefahrer, die Kap Hoorn umschifften, und im Laufe der Jahrhunderte sind die schroffen Küsten auf diese Weise unzähligen Schiffen zum Verhängnis geworden. Bis zu 300 Wracks kennt man heute, und die eigens eingerichteten Wracktouren in der Bucht der Hauptstadt haben mittlerweile die Stadtführungen abgelöst.

Ein Paradies für Kälte liebende Tiere und Pflanzen

Heide und Gräser – das ist der häufigste Bewuchs auf den Falklandinseln, denn die Temperaturen erreichen im Sommer selten 20° C und der Wind weht beständig. Wälder konnten sich wegen des sumpfigen Bodens gar nicht erst entwickeln, und die kleinen Birken, die in der Landschaft nach Halt suchen, werden meist nur einen knappen Meter hoch. Der Grund dafür ist in den 9.000 Jahre alten Mooren zu finden, die den größten Teil der Inseln bedecken und lange zum Abbau von Torf genutzt wurden. So war die erste Kirche der Inselgruppe aus Torf errichtet, und das getrocknete Material wurde zum Heizen der Häuser genutzt.
Interessanterweise gab es auf den Falklandinseln ursprünglich nur ein einziges Land-säugetier: den Falklandfuchs oder Falklandwolf. Vor allem der zweite Name wurde ihm bei der Einführung der Schafzucht zum Verhängnis, denn die Menschen sahen in ihm eine Bedrohung für ihre Tiere. In der Folge wurde er innerhalb weniger Jahrzehnte ausgerottet, und 1876 erschossen Farmer den Letzten seiner Art.
Heute leben etwa 600.000 Schafe auf den Inseln, die diesen einen weiteren Namen einbrachten: Schafstall der Nation. Die natürlichen Bewohner sind jedoch die 300.000 Magellangänse, 150.000 Albatrosse, 4.000 Seelöwen, unterschiedlichste Pinguinarten und über 140 Vogelarten, Orcas und andere Wale, See-Elefanten und Robben.
Besonders die unterschiedlichen Pinguine, die beinahe schon zu einem Wahrzeichen für die Falklandinseln geworden sind, ziehen immer wieder Fotografen auf die Inseln.
Im Wasser leben die Südlichen See-Elefanten ebenso wie Mähnenrobben und die nicht ungefährlichen Orcas. Etwa 15.000 Südamerikanische Seebären besiedeln zudem die seichteren Küstengewässer, und mit ein wenig Glück entdeckt der Besucher die gemächlich vorbeiziehenden Wale: Pilotwale, Pottwale, Minkwale, Finnwale, Buckelwale, Blauwale und viele andere Arten durchstreifen die Gewässer rund um die Falklandinseln.

Patagonien
Kalte Landschaft zwischen Pazifik und Atlantik

DSC09550_©Frank_Hanel
© Frank Hanel

Der äußerste Süden Südamerikas zeichnet sich durch eine deutlich kargere Landschaft und ein erheblich raueres Klima, als die nördlichen und mittleren Regionen des Kontinents aus. Wie eine natürliche Grenze teilen die Anden Patagonien in zwei Teile, den westlichen, der auf chilenischem Territorium liegt und an den Pazifik grenzt, und den östlichen, der sich in Argentinien und am Atlantik befindet. In Feuerland an der Südspitze Patagoniens werden die Anden flacher, und so treffen die niedrigeren Landstriche hier aufeinander. Atlantik und Pazifik begegnen sich, und die eisige Kälte der Antarktis wird spürbar. Wer hier überleben will, muss auf die klimatischen Bedingungen besonders gut eingestellt sein.
Westpatagonien und Patagonia Argentina
Nach Norden grenzt sich das chilenische Patagonien durch den Río Bío Bío und die Stadt Conceptión ab, nach Süden reicht es bis in die frostigen Gebiete Feuerlands. Die sich dazwischen erstreckende Kulturlandschaft könnte unterschiedlicher kaum sein: üppiger Regenwald, die gezackten Spitzen der Anden, unzählige große und kleine Inseln im Pazifik, karge Steppen, faszinierende Gletscher gigantischen Ausmaßes und schließlich das ewige Eis an der Südspitze des Kontinents.
Ab dem 38. Breitengrad, südlich des Rio Colorado, erstreckt sich in Argentinien auf einer Fläche von fast 800.000 Quadratkilometern und 2.000 Kilometern Länge ein Landstrich von der doppelten Größe Deutschlands, der unter dem Namen Patagonia Argentina zusammengefasst wird, aber doch sehr unterschiedliche Naturräume in sich vereint.
Während die Anden im Norden Höhen von fast 7.000 Metern erreichen, sinken sie in Richtung Süden allmählich ab und sind hier auch schmaler. Dennoch bilden sie eine klimatische Grenze, da die vom Pazifik mit Feuchtigkeit voll gesogene Luft an ihnen aufsteigt, sich abkühlt und in der Folge Wolken bildet, die sehr viel Regen in diese Region bringen. Üppiger, wenn auch kalter Regenwald wuchert in Araukanien, dem Norden Westpatagoniens. Flechten und Farne, Bambus und Fuchsien treiben in alle Himmelsrichtungen aus. Weiter im Süden, im chilenischen Seengebiet, das auch die chilenische Schweiz genannt wird, erscheint die Landschaft fast wie ein überdimensionierter Park. Ein See liegt neben dem anderen, zwei Vulkane – der Osorno und der Villarica, die durch ihre klassische Form beinahe künstlich aussehen – erheben sich darüber und sind weithin sichtbar.

Tiere und Pflanzen, die sich der Kälte angepasst haben

Entlang der chilenischen Küste Patagoniens beherrscht Regenwald die Landschaft. Trotz der niedrigen Temperaturen und des eisigen Windes, der vom Pazifik her darüberzieht, ist an dieser Küste die größte Konzentration an Biomasse weltweit zu finden. Die von den Regenwäldern anderer Kontinente völlig abgeschnittene Lage bringt ein besonderes Phänomen mit sich: Etwa 90 Prozent aller Pflanzenarten des chilenischen Regenwaldes sind endemisch, das bedeutet, dass sie nur hier vorkommen.
Durch die Nähe zum Südpolarmeer sinkt die Baumgrenze in Patagonien mit jedem Kilometer weiter ab. Während sie in Araukanien noch bei 1.500 Metern liegt, wachsen in Feuerland schon oberhalb von 600 Metern keine Bäume mehr.
Der Norden wird von den archaisch anmutenden Araukarien dominiert, die ihre Zweige wie einen Regenschirm über den kalten Boden ausbreiten. Seit 200 Millionen Jahren existieren diese faszinierenden Bäume schon in der jetzigen Form und bringen es auf ein Alter von bis zu 1.500 Jahren. Noch älter wird die Alerce oder Patagonische Zypresse, für die ein Alter von 3.600 Jahren dokumentiert ist. Dabei schiebt sie sich unendlich langsam bis auf 50 Meter Höhe nach oben und erreicht zuweilen einen Durchmesser von fünf Metern. Und sie hat eine weitere, wenn auch traurigere Besonderheit aufzuweisen: Sie steht als eine von zwei Baumarten im Anhang I des Washingtoner Artenschutzabkommens und zählt somit zu den unmittelbar vom Aussterben bedrohten Arten – so wie unter den Tieren der Grönlandwal, die Berggorillas oder der Braunbär.
Fuchsien und Wasserfallblumen, die Chilenische Wachsglocke und Nalcas – vor allem der bekannteste Nationalpark Chiles, die Torres del Paine, hat eine unvergleichliche Artenvielfalt zu bieten. Hier und in den Arealen weiter südlich ist der Bewuchs meist nicht mehr so dicht wie im Norden. Flechten und Moose bedecken die Bäume und lassen die Landschaft wie aus einem Fantasy-Film entsprungen erscheinen.
Auch in Patagonien streifen noch Pumas durch die Landschaft, wenn sie dem Besucher auch nur selten vor die Augen oder Kameras kommen. Alle Befürchtungen, diese Raubkatzen könnten dem Menschen gefährlich werden, sind unbegründet, denn sie greifen nur dann an, wenn sie verletzt sind oder sich in die Enge gedrängt fühlen.
Der Andenkondor, der lange Zeit gejagt wurde, da man in ihm eine Bedrohung für das Vieh sah und nicht wusste, dass die majestätischen Vögel hauptsächlich Aasfresser sind, lebt hier genauso wie die ebenfalls bedrohten Andenhirsche. Die Huemuls, wie die Hirsche auch genannt werden, werden jedoch nach und nach durch den in Chile nicht heimischen Rothirsch aus ihrem Lebensraum verdrängt.
Guanakos kann der Besucher hier ebenfalls entdecken, auch wenn die Bestände seit der Ankunft der Spanier von geschätzten 50 Millionen auf heute 600.000 Tiere zurückgegangen sind. Doch am auffälligsten sind die zahlreichen Papageien, die in großen Schwärmen in den Bäumen sitzen, und die winzigen Kolibris, die sich vom Nektar der Blütenpflanzen ernähren.

Eis und Schnee dominieren den Süden

Je südlicher der Besucher vordringt, desto mehr Magellanpinguine wird er in riesigen Kolonien auf den zerfurchten Felsen der patagonischen Küsten zu Gesicht bekommen. Die Felsen und Strände werden aber auch von Mähnenrobben und See-Elefanten bevölkert, die eine Länge von sechseinhalb Metern erreichen können und dann dreieinhalb Tonnen Gewicht auf die Waage bringen. Delfine, Bartenwale und Buckelwale durchstreifen die Gewässer vor Patagonien und ziehen immer mehr Besucher an, die mit ihren Kameras darauf warten, die Tiere abtauchen oder miteinander balzen zu sehen.
An den Küsten Westpatagoniens fallen die Berge besonders ins Auge. Steil und zerklüftet, mit Schnee und Eis bedeckt ragen sie schroff in den Himmel. Unterhalb von ihnen schieben sich eisige Gletscher, die viele tausend Jahre alt sein können, Zentimeter um Zentimeter in den Pazifik. Da diese gewaltigen Eismassen permanent in Bewegung sind, stürzen immer wieder haushohe Stücke aus ihnen ins Meer – die Gletscher kalben. An der Atlantikküste präsentiert sich die Landschaft vollkommen anders: Hier stürzen Felsen steil in den Ozean ab, der gefährlich an ihnen leckt. An dieser Küste schlängelt sich auch die einzige Nord-Süd-Verbindung Patagoniens über 2.000 Kilometer entlang.
Der Nordosten des argentinischen Patagonien, die Pampas mit ihren trockenen Steppen und kontinentalem Klima, präsentiert sich trocken und mit immer währendem Wind. Die Anden hindern die Regenwolken daran, von Westen bis hierher vorzudringen. Weiter im Süden, in Richtung Feuerland werden die Berge jedoch immer niedriger und das Klima feuchter und kühler.

Riesige Nationalparks

Die globale Klimaerwärmung hinterlässt ihre Spuren auch in diesem Land, das in den unendlichen Steppen schon von je her mit starker Trockenheit zu kämpfen hatte. Durch die Klimaerwärmung der letzten Jahrzehnte haben sich die Gletscher und Eisflächen in Patagonien unverhältnismäßig schnell reduziert. Schätzungen zufolge, werden einige der Gletscher und Eiskappen Patagoniens 2030 verschwunden sein.

Die Halbinsel Valdés, deren Salzseen teilweise unterhalb des Meeresspiegels liegen, steht unter dem Schutz der UNESCO. Hier kann man mit etwas Glück den bis zu 18 Meter langen Südkaper beim Liebesspiel beobachten. Diese Wale wandern in den Wintermonaten hierher, um sich im Sommer wieder in den Süden zurückzuziehen.
Südlich der Halbinsel Valdés befindet sich an der argentinischen Atlantikküste das Naturreservat Cabo dos Bahias, wo wiederum tausende Magellanpinguine in Erdhöhlen nisten. Vor allem im März und April, wenn die Tiere in der Mauser sind und das Wasser einige Wochen meiden, sind sie sehr gut zu beobachten, da sie in dieser Zeit die Neubildung ihres Federkleides abwarten müssen und keine Nahrung zu sich nehmen. Mitten in diesem Naturschutzgebiet liegt ein interessanter Campingplatz, auf dem der Besucher nachts Gürteltieren, Füchsen und Guanakos begegnet. Und auch Nandus, Flamingos und zahlreiche Wasservögel haben dieses Areal zu ihrer Heimat erkoren.

weiterlesen