Botswana
Land der Savannen und des Okawangodeltas

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© Peter Scheufler

Im Herzen des südlichen Afrika befinden sich unendliche Savannen, riesige Halbwüsten und – abgeschlossen von jedem direkten Zugang zum Meer – Botswana. Khoisan-Völker leben hier seit ewigen Zeiten im trocken-heißen Klima in Harmonie mit ihrer Umwelt. Elefanten und Giraffen, Antilopen und Löwen, Leoparden, Geparden und Zebras bevölkern noch heute die weiten Landschaften, obwohl der Mensch in die Natur eingegriffen und sie nach seinen Vorstellungen verändert hat.
Die Republik Botswana liegt ohne direkte Meeranbindung mitten im südlichen Afrika. Nordöstlich des Landes schließt sich Simbabwe an, im Norden befindet sich der lang gestreckte Caprivizipfel Namibias, im Westen verläuft die schnurgerade Grenze zu Namibia und südlich und südöstlich breitet sich Südafrika aus. Eine winzige Ecke des Landes grenzt an den Fluss Sambesi, der an dieser Stelle vier Länder voneinander trennt: Botswana, Namibia, Simbabwe und Sambia. Landschaftlich ist Botswana sehr unterschiedlich, der Nordwesten ist zu großen Teilen von dem riesigen und fruchtbaren Delta des Okavango geprägt, während sich im Süden die trockene Kalahari-Wüste mit ihren Salzpfannen erstreckt.

Die Tswana – das größte Volk des Landes

Als Namensgeber des Landes gilt das Volk der Tswana oder auch Batswana. Die Tswana sind eine Bantu-Ethnie, die über mehrere Staaten des südlichen Afrika verstreut lebt und auf etwa 4,5 Millionen Menschen geschätzt wird. Die meisten von ihnen leben allerdings in Südafrika. In Botswana selber leben heute etwa eine Million Tswana, die damit den größten Bevölkerungsanteil stellen.

Abwechslungsreiches Klima in einem großen Land

Auf einer Gesamtfläche von 582.000 Quadratkilometern – das entspricht etwas mehr als der Fläche Frankreichs – siedeln nur etwa zwei Millionen Menschen. Botswana gehört somit zu den Staaten mit der dünnsten Besiedlung weltweit. Hinzu kommen noch etwa 250.000 Simbabwer, die zumeist illegal nach Botswana geflohen sind.
Botswanas Klima ist überwiegend von heißem, trockenem Wetter geprägt. Es ist ein Savannen- und Halbwüstenklima mit Temperaturen um 35° C. Im Winter bewegen sich die Temperaturen tagsüber im Bereich von 20° C und sinken nachts zeitweise unter den Gefrierpunkt ab.
Das Staatsgebiet Botswanas ist beinahe identisch mit dem Gebiet der Kalahari-Wüste, die im strengeren Sinne gar keine richtige Wüste, sondern eine Savanne ist. Als David Livingstone 1849 dieses Gebiet als Erster durchquerte, stieß er auf einen See, den Lake Ngami, der bei späteren Durchquerungen von seinen Nachfolgern nicht mehr gefunden werden konnte. Erst viel später hat man herausgefunden, dass dieser See nur in Zeiten starker Niederschläge mit Wasser gefüllt ist und ansonsten trocken fällt.

Botswana wird unabhängig

Bereits 1961 wurde den Bewohnern Betschuanalands eine eingeschränkte Autonomie zugesprochen, unter der sie politische Parteien ins Leben rufen konnten. Nachdem die Entscheidung gefallen war, das Land in die Unabhängigkeit zu entlassen, wurde der Regierungssitz in das Territorium des Landes verlegt und im September 1966 erfolgte schließlich die Unabhängigkeit. Zeitgleich wurde dem Land der neue Name gegeben, unter dem es heute bekannt ist: Botswana. Die neu gegründete Hauptstadt Gabarone direkt an der Grenze zu Südafrika war seinerzeit ein Ort mit gerade einmal 1.000 Einwohnern. Die Stadt am Fluss Notwane entwickelte sich in den folgenden Jahren zu einer Großstadt mit heute 220.000 Einwohnern und ist weiterhin Sitz der botswanischen Regierung.
Schon im Jahr nach der Unabhängigkeit kam der entscheidende Durchbruch für die Wirtschaft des Landes: Die Entdeckung der ersten Diamanten. Unbestätigten Berichten zufolge sollen diese zwar schon erheblich früher entdeckt worden sein, wurden jedoch geheim gehalten, damit die Unabhängigkeit nicht gefährdet wurde. Denn wenn die Briten gewusst hätten, welcher Reichtum in der unfruchtbaren Erde lagerte, dann hätten sie das Land wohl nie oder erst sehr viel später verlassen.
eine nicht zu unterschätzende Bedeutung.

Diamanten tragen die Wirtschaft

Durch die Entdeckung der Diamantenvorkommen nur ein Jahr nach der Unabhängigkeit veränderte sich die wirtschaftlich dramatische Situation des Landes, das bis dato zu den ärmsten Ländern der Welt gehörte. Devisen strömten fortan ins Land, bald war die Schuldenrate die Geringste in ganz Afrika und die Währung die Härteste des Kontinents. Der Export von Diamanten macht heute über 70 % des botswanischen Exports aus und die Minen werden von einer halbstaatlichen Gesellschaft betrieben.
Doch dieser Aufschwung wird nicht ewig anhalten, denn Mitte dieses Jahrhunderts werden die Minen erschöpft sein. Ein Ausbau der Landwirtschaft ist wegen des Klimas nicht möglich und die Errichtung von Industrie aufgrund der geringen Bevölkerungsdichte vollkommen unrentabel. Schon heute klafft die Schere zwischen einer kleinen reichen Oberschicht und der großen, sehr armen Unterschicht weit auseinander.

Die Touristen suchen die unangetastete Natur

Einen weiteren wichtigen Wirtschaftszweig stellt mittlerweile der Tourismus dar. Fast ein Fünftel des Staatsgebietes stehen unter Schutz und sind als Nationalparks ausgewiesen. Die meisten Touristen kommen vor allem aus den benachbarten Ländern, doch auch europäische, amerikanische und asiatische Gäste reisen mehr und mehr in dieses afrikanische Land. Einen besonderen Schwerpunkt setzt die botswanische Regierung dabei auf besonders exklusive Reisen und Safaris.
Weltberühmt ist das Flussdelta des Okavango, der sich in die Kalahari ergießt. Der Okavango beginnt seinen Weg als Cubango im Zentrum von Angola auf dem Hochland von Bié. Von dort aus fließt er nicht in Richtung eines der beiden Ozeane, sondern setzt seine Reise in die Kalahari fort. Hier fächert er sich zu dem 15.000 Quadratkilometer großen und sehr fruchtbaren Delta auf. Fauna und Flora profitieren von den Wassermassen, die sich periodenweise über das Land ergießen.
Insbesondere das geringe Gefälle, das der Okavango durchfließt, führt zu einer äußerst günstigen Konstellation für diese Region: Während die Wassermassen zur Regenzeit in Angola stetig anwachsen, brauchen sie etwa vier Monate, bis sie das Delta in Botswana erreicht haben. Sie kommen hier also genau in der Trockenzeit an. Abertausende von Vögeln, Reptilien und Säugetieren strömen deshalb aus den verdorrten Regionen der Kalahari in die üppig wuchernden Gebiete des Deltas und ziehen Touristen mit sich, die sich dieses Naturschauspiel nicht entgehen lassen wollen.

Ein riesiger Fluss versandet einfach in der Wüste

Zehn Milliarden Kubikmeter Wasser durchfließen jedes Jahr den Okavango. Fast die gesamte Menge des Wassers verdunstet im Okavango-Delta unter der heißen afrikanischen Sonne. Der Fluss endet somit einfach in der Wüste und genau dieser Vorgang hat das Delta berühmt gemacht. Ökologisch ist hierbei besonders bedeutsam, dass der Salzgehalt des Wassers verhältnismäßig gering ist, was man zunächst nicht erwartet, transportiert der Okavango doch jährlich etwa 500.000 Tonnen gelöste Salze ins Land und hat dabei Trinkwasserqualität. Zwei Gründe gibt es für dieses Phänomen: Zum einen verdunstet der größte Teil des Wassers über die Pflanzen selber und nicht über die Wasserflächen; die Salze werden also von den Pflanzen gebunden und sammeln sich schließlich auf den vielen kleinen Inseln im Delta. Zum anderen können sich die Böden durch den regelmäßig wechselnden Wasserspiegel besser von der Salzkonzentration erholen.
Bei besonders hohen Fluten strömt ein Teil des Wassers aus dem Delta in den Thamalakane-River, der quer zum Delta im Süden verläuft, das Delta schwappt also genau genommen über. Der Thamalakane-River speist im weiteren Verlauf den Boteti, der in Richtung Kalahari fließt und dann in den Lake Ngami mündet. Der Fluss funktioniert hier demnach wie eine Drainage, die eine weitere Ausbreitung des Okavango-Deltas in Richtung Süden verhindert.

Ein gigantischer See ist ausgetrocknet

In weit zurückliegenden Zeiten waren große Gebiete der heutigen Fläche Botswanas von einem riesigen See bedeckt. Der Lake Makgadikgadi (auch Lake Kalahari genannt) wurde im Norden von den Flüssen Sambesi, Kwando und Okavango, im Süden vom Limpopo gespeist. Der daraus erwachsene See war etwa 60.000 Quadratkilometer groß und bis zu 30 Metern tief. Er hatte, so wie heute das Okavango-Delta, keinen Abfluss in Richtung Ozean. Dadurch konzentrierten sich die Salze mehr und mehr. Das Ostufer des gewaltigen Sees bildete eine Bergkette entlang der heutigen Grenze zu Simbabwe. Vor etwa 10.000 Jahren fand jedoch eine tektonische Verschiebung der Erdplatten statt, die im Zusammenspiel mit einer Klimaveränderung das Austrocknen des Sees zur Folge hatte. Die heute sichtbaren Salzkrusten der Makgadikgadi-Salzpfannen sind auf aktuellen Luftbildern sehr gut zu erkennen. Sie sind an den tiefsten Stellen bis zu fünf Meter dick und zeugen von den Ausmaßen des Gewässers.
Diese riesigen Salzpfannen, die eine Ausdehnung haben, die der Größe Belgiens entspricht, sind die größten ihrer Art weltweit. Die weiten, beinahe völlig vegetationslosen Ebenen wirken eigenartig lebensfeindlich. Doch wenn sich die kleineren Salzpfannen im Norden während der Regenzeit allmählich mit Wasser füllen, werden sie zum Brutgebiet für riesige Flamingoschwärme und sie werden von Antilopenherden heimgesucht, die hier Nahrung finden und ihren Nachwuchs zur Welt bringen. Die Antilopen ziehen in den folgenden Monaten durch die Schwemmlandschaften der Makgadikgadi-Pans weiter nach Westen an den Boteti und dann wieder in den Norden – immer dem Wasser nach. Aufgrund dieser Wanderungen wurden 1993 die Flächen mehrerer Schutzgebiete zu einem großen Naturschutzgebiet zusammengelegt.

Ein Fluss fließt in zwei Richtungen

Die für die Austrocknung des Lake Makgadikgadi verantwortlichen tektonischen Plattenverschiebungen führen heute noch zu einer Verbindung zwischen Okavango-Delta und dem Kwando-Linyanti-Flusssystem. Nur sehr selten führt dieser Überlauf aus dem Delta Wasser. Zuletzt fand dieses Schauspiel 2009 zum ersten Mal nach 30 Jahren statt. Das Besondere an diesem Selinda-Spillway genannten Verbindungsfluss ist, dass er je nach Lage der tektonischen Platten seine Fließrichtung ändert. Das gleiche Phänomen tritt bei dem Savuti-Kanal an der nördlichen Grenze zum Caprivi-Zipfel auf, der noch in den 1980er-Jahren Wasser aus dem Linyanti führte.
Im Nordosten Botswanas befindet sich der Chobe-Nationalpark, in dem große Elefantenherden beheimatet sind. Über viele Jahrzehnte wurde hier kommerziell der Wald abgeholzt und intensiv Jagd auf Tiere gemacht. Bereits seit den 1930er-Jahren gab es Forderungen nach einem besonderen Schutzstatus für diese Region, denen jedoch erst 1968 mit der Errichtung des Nationalparks nachgegeben wurde. Heute leben in dieser Region die meisten der etwa 80.000 Elefanten Botswanas. Da der Park nicht eingezäunt ist, können die Tiere die Grenzen des Parks bis in die benachbarten Länder überschreiten und frei umherziehen.

Die berauschende Artenvielfalt

Das Moremi-Naturschutzgebiet, das an den Süden des Chobe-Nationalparks angrenzt, ist ein Teil des Okavango-Deltas und bekannt für seine ausgedehnten und abwechslungsreichen Parklandschaften. Lagunen und Waldinseln beherbergen einen bemerkenswerten Artenreichtum und machen diesen Park zu einem der Schönsten in Afrika. Weite Landstriche werden ganzjährig durch Wasserläufe gespeist, andere sind nur saisonal überflutet. Große Bäume, weite Grasflächen und einsame Kanäle wechseln sich mit Mopanewäldern, Akaziensavannen und Sandfeldern zum Rand des Gebietes hin ab. Sitatungas, Moorantilopen und Zebras, Gnus, Warzenschweine und Wasserböcke, Giraffen, Elefanten und Paviane leben hier gemeinsam mit großen Löwenrudeln. Und auch Leoparden, Geparde und Hyänen streifen durch die weite Landschaft.
Der Central-Kalahari-Nationalpark im Zentrum des Landes erstreckt sich über weite Teile der gleichnamigen Savanne und war lange nicht öffentlich zugänglich. Dieser Park mit einer Fläche von über 52.000 Quadratkilometern ist das größte und einsamste Schutzgebiet des südlichen Afrika. Ursprünglich war der Park zum Schutz der hier umherziehenden Nomaden eingerichtet worden und beherbergt heute Abertausende wild lebender Tiere. Nach der Entdeckung von Diamantenfeldern bleibt zu hoffen, dass dieser Lebensraum in seiner jetzigen Form erhalten bleibt.

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