Afrikas Süden

Südafrika

_TH44983_©Thomas_und_Marius_Herrmann

© Thomas und Marius Herrmann

Das Land der großen Gegensätze

Südafrika ist ein multikulturelles Land, das wegen seiner ethnischen, landschaftlichen, sprachlichen und kulturellen Vielfalt auch als Regenbogennation bezeichnet wird. Hier treffen so viele gesellschaftliche Strömungen aufeinander, die Geschichte ist so wechselhaft, dass in einer Zusammenfassung nicht die gesamte Vielfältigkeit darstellbar ist. Lassen Sie sich überraschen, was es im Süden des südlichen Afrika alles zu entdecken gibt.
Südafrika ist der südlichste Staat des afrikanischen Kontinents. Er ist auf drei Seiten von Wasser umgeben: auf einer Küstenlänge von mehr als 2.500 Kilometern umspülen sowohl der Atlantik als auch der Indische Ozean das Land. Dort, wo die beiden Ozeane aufeinandertreffen, an der südlichsten Spitze des Staates, liegt nicht etwa das „Kap der guten Hoffnung“ – wie man vielleicht erwartet – sondern das „Kap Agulhas“. Es existieren zwei Theorien, woher diese portugiesische Bezeichnung für „Nadelkap“ ursprünglich stammt: Der einen zufolge wurde der Name dem Kap vermutlich wegen seiner spitzen Felsen gegeben, nach der anderen haben portugiesische Seefahrer an diesem Ort festgestellt, dass ihre Kompassnadeln ohne Abweichung genau nach Norden zeigten.
Das sehr viel bekanntere „Kap der guten Hoffnung“ liegt etwa 150 Kilometer weiter nordwestlich und bekam seinen Namen wohl, weil es auf den gefährlichen Seereisen nach Asien in der frühen Neuzeit die Nähe der südlichsten Spitze Afrikas ankündigte und die Umrundung des afrikanischen Kontinents damit beinahe geschafft war. Eine andere Erzählung geht davon aus, dass dieser Name von der grundsätzlichen Entdeckung des Seeweges nach Indien herrührt.
Im Norden grenzt Südafrika an Namibia, Botswana, Simbabwe, Swasiland und Mosambik. Das Königreich Lesotho ist als Enklave vollständig von Südafrika eingeschlossen. Die Nachbarschaft war nicht immer freundschaftlich, weil die Staaten im südlichen Afrika sehr unterschiedliche historische Hintergründe haben, die von Kolonialismus und Fremdbestimmung geprägt sind. Heute ist Südafrika als demokratischer Staat weltweit anerkannt und geachtet und zugleich ist es die stabilste Demokratie in dieser Region.
Die Hauptstadt des 1.220.000 km2 großen Landes, das damit etwa 3,4-mal so groß ist wie Deutschland, ist Pretoria. Doch nur die Exekutive und der Regierungssitz befinden sich in dieser Stadt mit ungefähr einer Million Einwohnern. Die Legislative hat ihren Sitz in Kapstadt und die Judikative in Bloemfontein. 50 Millionen Menschen leben heute in Südafrika, etwa 60 Prozent von ihnen in einer der zahlreichen Großstädte.

Die Landschaft

Das als Highveld bezeichnete Zentralplateau Südafrikas liegt in einer Höhe von etwa 600 bis 2.000 Metern. Nach Norden fällt es leicht ab, zur Küste hin befindet sich die Groot Randkant, die große Randkante, ein 20 bis 250 Kilometer breiter Landgürtel. Die Drakensberge erstrecken sich vom Nord­osten Südafrikas bis in den Südosten des Landes und durchqueren dabei das Königreich Lesotho, wo sich auch der Thabana Ntlenyana, als höchste Erhebung des Gebirges, befindet.
Im Nordwesten des Landes befindet sich ein Teil der Kalahari-Wüste, die sich bis Namibia, Botswana, Angola und Sambia erstreckt. Der rote Sand dieser Wüste ist weit über die afrikanischen Grenzen hinaus bekannt.
Ein weiteres riesiges Wüstengebiet ist die Karoo. Mit 500.000 Quadratkilometern, hauptsächlich in der Kap-Region gelegen, bedeckt sie etwa ein Drittel des Staatsgebietes von Südafrika.
Über 1.860 Kilometer durchfließt der Oranje, der längste Fluss Südafrikas, das Land. Er entspringt den Drakensbergen und mündet, im Gegensatz zu den meisten anderen Flüssen des Landes, nicht im Indischen Ozean, sondern im Atlantik.

Große klimatische Gegensätze

Das Klima Südafrikas hat viele Facetten. Die trockene Kalahari-Wüste im Nordwesten ist sehr dünn, zum Teil gar nicht besiedelt. Dünen- und Wüstengräser bestimmen das Landschaftsbild. Tagsüber liegen die Temperaturen meist über 30° C, nachts sinken sie nicht selten unter den Gefrierpunkt ab. Dennoch wachsen in dieser Region auch Akazien, die mit ihren tiefen Wurzeln an versteckte Wasseradern heranreichen. Das Landesinnere dominieren weite Graslandschaften mit niedrigen Sträuchern und auch hier wieder mächtige Akazien. Östlich der Kalahari-Wüste geht der Bewuchs nach und nach in eine Feuchtsavanne über, die eine deutlich größere Artenvielfalt beheimatet.
Die Grenzregion zu Mosambik und die Küstenstreifen im Osten sind hingegen subtropisch. Die hier ausgewiesenen Nationalparks wie der Kruger Nationalpark beherbergen eine Vielzahl an Pflanzen und Tieren, wie zum Beispiel die Big Five der Säugetiere: Löwen, Leoparden, Büffel, Elefanten und Nashörner. Sie sind es, die diese Landstriche zum beliebtesten Touristenziel des Landes gemacht haben. Aber auch Antilopen und Strauße, Flamingos und Zebras ziehen viele Besucher an, die auf zahlreichen Safaris die Savannen erkunden. Den Tourismus hat Südafrika dringend nötig, da das Land mit einer Reihe von großen Problemen zu kämpfen hat.

Attraktionen für jeden Besuchertyp

So hat man sich von offizieller Seite für den Slogan „Eine Welt in einem Land“ als Botschaft entschieden. Damit wird Südafrika als kulturell und landschaftlich vielseitiges Land angepriesen: An den Küsten locken Badeorte und Sandstrände zum Sonnenbaden, Tauchen und Segeln. Im Inland kann man das ursprüngliche Afrika kennenlernen oder auf Safaris die faszinierenden Wildtiere der riesigen Parks hautnah erleben.
Schneebedeckte Berge findet man genauso wie unendlich weite Savannen, trockene Wüsten und Regenwälder. Golfbegeisterte stoßen hier auf weitläufige Golfplätze und Surfer werden ideale Bedingungen zum Wellenreiten vorfinden. Eine weitere Möglichkeit, das Land kennenzulernen, ist die Fahrt mit einem der nostalgischen Züge, die teilweise zu rollenden Luxushotels umgebaut wurden. Doch über allem steht immer wieder die Natur des Landes.

Überwältigende Naturschutzgebiete

Weltweit bekannte Nationalparks fungieren neben ihrer Aufgabe, Flora und Fauna zu schützen, auch als Naherholungsgebiete für die einheimische Bevölkerung. Vor allem die überwältigende Artenvielfalt der Säugetiere und Vögel lockt jedes Jahr Tausende von Touristen in die Parks.
Die staatlichen Übernachtungscamps sind zumeist sehr einfach, dabei aber auch praktisch und preisgünstig. Oft schließen sich an die offiziellen Parks private Gelände an, auf denen in exklusiven Lodges ein luxuriöseres Ambiente mit einem Rundum-Sorglos-Paket geboten wird, das dann natürlich deutlich teurer ist. Die einzelnen Parks unterscheiden sich zum Teil erheblich in ihrer Lage, dem Tier- und Pflanzenbestand und den klimatischen und landschaftlichen Gegebenheiten.
Im Osten, nahe der Grenze zu Namibia, liegt der relativ kleine Augrabies Falls Nationalpark entlang des Oranje-Ufers. In seinem Zentrum stürzt der Fluss beinahe 150 Meter in die Tiefe. Im Laufe der Zeit hat er sein Bett hier bis zu 260 Meter in den roten Granit gegraben. Aber der Oranje ist es auch, der in dieser Halbwüste überhaupt erst Leben möglich macht.

Grenzüberschreitende Parks

Einige der Parks liegen in den Grenzregionen zu den benachbarten Staaten. Teilweise reichen sie über die Grenzen hinaus und orientieren sich dabei an den natürlichen Lebensräumen der Wildtiere. Das bekannteste Beispiel dafür ist der Kgalagadi Transfrontier Nationalpark, der sich über die Grenze bis nach Botswana erstreckt.
An der Nordgrenze zu Namibia befindet sich das Richtersveld, ein bergiges Trockengebiet in einer Wildnis, die ihresgleichen im südlichen Afrika sucht. Der Nationalpark liegt in seiner größten Ausdehnung in Namibia, wenn er auf der anderen Seite des Oranje, der den Park von Ost nach West durchfließt und zugleich die Staatsgrenze darstellt, auch anders heißt. Der größte Teil der Feuchtigkeit in dieser Landschaft kommt nicht mit dem Regen, sondern vor allem mit dem allmorgendlichen Nebel, der vom kalten Benguelastrom aufsteigt. Hier gedeihen deshalb auch in erster Linie Pflanzen, die die Feuchtigkeit in ihren dicken Blättern speichern können. Leoparden, Bergzebras und Paviane kann der Besucher in diesen Gefilden intensiv beobachten.
Der bereits erwähnte Kgalagadi Transfrontier Nationalpark ist erheblich größer und beherbergt große Herden von Springböcken, Oryxantilopen, Gnus und Straußen. Durch den Fluss Nassob wird er in den botswanischen und den südafrikanischen Teil getrennt. Er ist für die unglaublichen Farbenspiele des roten Kalaharisandes und der blass-grünen Akazien unter blauem Himmel mit seinen weißen Wattewolken bekannt.

Große Wildkatzen und graue Dickhäuter

Das wohl bekannteste und größte Wildschutzgebiet Südafrikas ist ohne Frage der Kruger Nationalpark ganz im Nordosten an der Grenze zu Mosambik. Auf einer Fläche, die dem Staatsgebiet Belgiens entspricht, tummeln sich hier Tausende von Tieren – aber in der Folge auch Tausende von Touristen, die sich so nah wie möglich an die Tiere heranpirschen wollen. Löwen, Elefanten, Zebras und Geparden laufen den gezückten Kameras hier regelmäßig vor die Linsen. Um Leoparden zu sichten braucht man großes Glück – es ist nicht an der Tagesordnung – doch möglich. Auch Giraffen, Flusspferde und eine große Zahl von Vögeln bereiten jedem Afrikaurlauber besondere, unvergessliche Momente.
Im Mountain Zebra Nationalpark findet man, wie der Name schon verrät, vor allem Bergzebras, die hier unter besonderen Schutz gestellt wurden. Dieses Zebra ist eines der seltensten Wirbeltiere überhaupt und lebt ausschließlich in den hochgelegenen Regionen südlich des Oranje. In den 1950er-Jahren war es in dieser Gegend beinahe ausgerottet, doch heute gibt es wieder einen Gesamtbestand von etwa 600 Tieren. Ähnlich erging es den Elefanten, die im Addo Elephant Nationalpark heute wieder eine akzeptable Populationsgröße erreicht haben. Da die Elefanten die Felder der ersten Siedler immer wieder zerstörten, waren sie seinerzeit kurzerhand zum Abschuss freigegeben worden.

Landschaftlich attraktive Gegenden laden zum Wandern ein

Der Golden Gate Highlands Nationalpark in der Nähe zu Lesotho ist weniger für seine Tierwelt bekannt, sondern besticht in erster Linie durch seine einzigartigen geologischen Sehenswürdigkeiten. Durch Sedimentationsprozesse haben sich sehr farbenprächtige Gesteinsschichten herausgebildet, die sich wie Bänder um die Felsen ziehen.
Weitere Weltberühmtheiten Südafrikas sind selbstverständlich der Tafelberg bei Kapstadt und die Gardenroute an der südlichen Küste. Wunderschöne Buchten und sich hoch auftürmende Felsen und Kliffs begeistern die Besucher ebenso wie die einsamen Strände und uralten Wälder. Kurz hinter der Küste schließen sich bald die fantastischen Hügelketten an, an denen die vom Meer ins Land driftenden Wolken oft hängen bleiben und für hohe Niederschläge sorgen. Dennoch ist dies eine beliebte Region zum Wandern, vielleicht auch, weil man unterwegs Austern zu einem trockenen Sauvignon Blanc schlürfen kann.
In der Provinz KwaZulu/Natal an der Küste des Indischen Ozeans befinden sich in den Drakensbergen einige weitere Parks wie Giants Castle und der Royal Natal Nationalpark. In diesen Hochgebirgsparks bieten sich Wanderungen und intensive Vogelbeobachtungen an. Und auch das oft mit Nebel angefüllte „Amphitheater“ ist einen Besuch wert: Wenn man auf das „Dach Südafrikas“ hinaufsteigt, erblickt man von oben einen sehr weiten Felsbogen, dessen Hänge steil nach unten abfallen. In diesem Kessel sammelt sich der Nebel, auf den der Besucher von oben hinunter schaut.

weiterlesen