Lange Zeit hörte man über „gewaltige Affenmonster, die Menschen anfallen und Frauen rauben“ nur Geschichten und Legenden, die Forscher und Entdecker im 19. Jahrhundert mitbrachten. Noch heute ist oft King Kong das erste, was manchem zu den größten aller Gorillas einfällt. Die Realität kann gegensätzlicher kaum sein! Es sind sanfte und scheue Tiere, die versteckt im Wald ein friedliches Familienleben führen. Entdeckt wurden sie erst im Oktober 1902 – vom deutschen Hauptmann Robert von Beringe, der am Vulkan Sabinyo zwei Berggorillas erschoss. Zu dieser Zeit war das keineswegs ungewöhnlich, selbst auf wissenschaftlichen Expeditionen. Der Gipfel des 3.645 Meter hohen Sabinyo bildet heute genau die Dreiländereck-Grenze Uganda/Ruanda/Kongo. Die mit Abstand meisten Forschungen, Fotos und Erkenntnisse stammen aus dieser Region. Auch Dian Fossey hat in den 70er Jahren des 20. Jahrhunderts zuerst im Kongo, später in Ruanda, bei den „Gorillas im Nebel“ gelebt.

Doch ungefähr die Hälfte der Weltbevölkerung an Berggorillas lebt getrennt davon etwas weiter nördlich im Bwindi Impenetrable Forest in Uganda, was so viel heißt wie „undurchdringlicher“ Wald. Heutzutage geht man davon aus, dass der Bwindi-Berggorilla eine eigene Unterart ist – es gibt noch ungefähr 400 Individuen.

Da die beiden Gebiete, auf die sich das Vorkommen aller Berggorillas beschränkt (das Dreiländereck und der Bwindi Impentrable Forest) durch Kulturland komplett voneinander getrennt sind, ist heute ein Austausch zwischen Virunga- Berggorillas und Bwindi-Berggorillas nicht mehr möglich. Nicht zuletzt aufgrund der geringen Gesamtpopulationsgröße von knapp 900 Individuen gelten die Tiere als besonders stark vom Aussterben bedroht.

Berggorillas sind in ihrerm Lebensraum und in ihrer Lebensweise einzigartig. Keine anderen Gorillas steigen so hoch in die Berge hinauf und leben in so kühlem Klima. Sie haben daher sehr lange, seidige Haare, vor allem an den Armen. Außerdem sind sie am stärksten von allen Gorillas an das Bodenleben angepasst. Ihre Füße sind den unseren deshalb sehr ähnlich.

Gorillas sind nahe Verwandte des Menschen. Untersuchungen der Kern-DNS haben gezeigt, dass sich das Genmaterial der Gorillas nur zu 1,6 % von dem des Menschen unterscheidet. Einzig Schimpansen stehen uns Menschen genetisch noch näher, dort betragen die Differenzen lediglich 1,2 %. Allerdings ist die genetische Unterscheidung zwischen Gorillas und Schimpansen größer – sie liegt bei 1,8 % – als zwischen Gorillas und Menschen. Sie stehen uns damit genetisch näher als ihren tierischen Vettern.

Gorillas haben keine natürlichen Feinde – ein erwachsener Gorilla hat nichts und niemanden zu fürchten – außer seine nächsten Verwandten: Uns. Die Menschen. Menschen zerstören den Lebensraum der Gorillas durch Abholzung des Waldes und Brandrodung. Menschen töten Gorillas, um sie als Trophäe oder Fetisch zu verkaufen, oder jagen sie als – in manchen Gegenden im Kochtopf geschätztes – „Bushmeat“. Gorillas tappen in Schlingen, mit denen einheimische Jäger Ducker-Antilopen nachstellen – und verenden an Wundbrand. Sie sind permanent gefährdet durch immer neue Kriege, Bürgerkriege und Revolten in den Staaten, auf deren Gebieten ihre Lebensräume liegen.

Bedroht ist ihr Fortbestand schließlich auch noch durch Krankheiten. Dabei ist nicht nur an spezifische afrikanische Krankheiten wie das Ebola-Virus zu denken. Gorillas können sich auch von Menschen – etwa von Gorilla-Touristen – mit Infektionskrankheiten, wie beispielsweise Grippe, anstecken und daran zugrunde gehen. Eine der wichtigsten Regeln für Gorilla-Trackings ist somit die, keinesfalls dorthin zu gehen, wenn man krank ist.