©Heike und Norbert ZachenhuberBengalische Tiger sind nach dem Sibirischen Tiger die größten Raubkatzen der Erde. Sie werden auch Königstiger oder Indische Tiger genannt. Einst waren sie von Südosteuropa bis in den Mittleren und Nahen Osten beheimatet. Heute leben die letzten freilebenden ca. 2.100 Tiere in verschiedenen Nationalparks in Indien. Hier werden sie streng geschützt und Touristen haben für einige Wochen im Jahr die Möglichkeit, die imposanten Großkatzen wild und natürlich zu erleben. Bis 1930 lebten 40.000 Tiger in Britisch-Indien – durch die organisierte Tigerjagd wurden mehr als 30.000 Exemplare in nur drei Jahrzehnten getötet. Von ursprünglich neun Tiger-Unterarten sind drei bereits ausgestorben und alle anderen extrem bedroht.

Tiger sind optimal getarnt und vor dem Dschungelhintergrund sowie in der Bodenvegetation nahezu unsichtbar, ihre Streifenzeichnung ist im Tierreich unverwechselbar. Nur wenn sie sich bewegen, sind sie aus kurzer Entfernung von der Landschaft zu unterscheiden. Schwarze, breite Querstreifen ziehen sich vom Kopf bis zum Schwanz und sind bei jedem Tier individuell. Acht bis neun, meist doppelte, schwarze Ringe zieren den Schwanz. Tiger haben schwarze Ohren mit einer auffälligen weißen Markierung.
Männliche Bengalische Tiger werden bis zu 300 Kilo schwer, bei einer Körperlänge von 270-310 cm. Weibchen können bis 180 kg schwer werden. Die Schulterhöhe erreicht 90-100 cm. Tiger sind Einzelgänger und bevorzugen als Lebensraum dichte Vegetation und Wassernähe. Sie können gut schwimmen und kühlen sich gerne im Wasser ab. Männchen beanspruchen zwei bis sieben Weibchen in ihrem Revier, die jeweils in getrennten Gebieten leben und dulden dort keinen Rivalen. Sie markieren mit Urin und zusätzlich mit Kratzspuren an Bäumen regelmäßig ihr Revier. Ein Tigerpaar findet sich meist nur für zwei Tage zusammen und sie vollziehen die jeweils kurze Paarung bis zu 52 Mal pro Tag.
Damit ausgewachsene Tiger satt werden, brauchen sie mindestens 8 Kilo Fleisch am Tag. Sie jagen hauptsächlich große Säugetiere wie Rinder, Rehwild oder andere Huftiere sowie Wildschweine und ab und zu auch kleinere Säugetiere wie Affen und Kaninchen. Tiger schleichen sich meist gegen den Wind bis auf zehn Meter an ihre Beute heran oder lauern ihr in der Dämmerung oder Dunkelheit auf. Sie springen bis zu sechs Meter weit, die Gejagten können nur durch Schnelligkeit entkommen, denn Tiger brechen eine Verfolgung meist schon nach 100 bis 200 Metern ab. Beim Verzehr der Beute trinken Tiger sehr viel und bevorzugen einen Riss in Wassernähe.
Ein Tigerweibchen kann zwei bis sechs Junge gebären. Tigerbabys kommen blind zur Welt und können erst nach rund zwei Wochen sehen. Danach verlassen sie mit ihrer Mutter das sichere Versteck. Nach 18 Monaten verlieren junge Tiger ihre Milchzähne, erst dann lernen sie die
Jagdtechniken und bleiben noch bis zu drei Jahre lang bei ihrer Mutter, bevor sie sich ein eigenes Revier suchen müssen. Die Sterblichkeit junger Tiger ist sehr hoch – ein Weibchen kann in seinem Leben oft nur vier bis fünf Jungtiere bis zur Selbstständigkeit aufziehen. Tiger erreichen mit fünf Jahren ihre größte Kraft und Geschicklichkeit und werden in freier Natur etwa 18 Jahre alt.
Erst seit 1970 sind das Töten und der Tigerfellhandel verboten. In den letzten zwei Jahrzehnten haben die Tiger trotzdem weitere 40 % ihres Lebensraums durch die starke Ausbreitung des Menschen verloren, ihre Existenz im Dschungel ist akut gefährdet.