Wale in der Ostsee

Schweinswale sind die einzigen heimischen Wale in deutschen Gewässern. Sie sind stark vom Aussterben bedroht. Hauptproblem für das Überleben der Schweinswale ist Beifang in der Fischerei. Häufigste Todesursache ist die Kollision mit Netzen.

Schweinswal © Boris Culik
Schweinswal © Boris Culik

Schweinswale haben einen eleganten spindelförmigen Körper von ca. zwei Metern Länge, einen runden Kopf und Schnauze. Sie tauchen pro Minute bis zu viermal zum Luftholen auf. Dabei springen sie im Gegensatz zu Delfinen nicht aus dem Wasser. Das Besondere ist die Kommunikation zwischen den Tieren: Sie geben Klicklaute von sich, die sie zur Erkundung, Orientierung, Werbung um Partner, der Hilfeleistung und Warnung vor Gefahren einsetzen. Für den Menschen sind diese hohen Töne nur mit Hilfe technischer Geräte hörbar. Die Echoortung der Tiere ist darauf ausgerichtet, kleine Beute auf kurze Entfernung aufzuspüren. Da die Schweinswale jedoch nicht pausenlos klicken, ist eine rechtzeitige Ortung von Fischernetzen über die Klicklaute zumeist nicht möglich.

Um Schweinswale vor dieser Gefahr des Verhedderns in Netzen und dem Ertrinken zu bewahren, kommen derzeit akustische Geräte (Pinger) zum Einsatz, welche jedoch erheblich zur ohnehin schon viel zu hohen Lärmemission in Nord- und Ostsee beitragen. Zudem hat der Einsatz dieser Pinger-Systeme oft eine vollständige Vertreibung der Schweinswale zur Folge. Schweinswale werden dadurch mitunter sogar von ihren natürlichen Fress- und Brutgebieten ferngehalten.

Eine Alternative bietet „PAL“ (Porpoise Alarm), ein neuartiges akustisches Warngerät, das die Kommunikationslaute von Schweinswalen nutzt, um die Tiere vor tödlichen Netzen zu warnen. Dieser Klickgenerator wurde vom Meeresbiologen Prof. Dr. Boris Culik gemeinsam mit einem Hersteller hydroakustischer Systeme entwickelt und so programmiert, dass er entsprechende Warn-Klicks mit zunehmender Frequenz erzeugt. Die ersten Tests mit vier Versuchstieren im Fjord & Baelt Center im dänischen Kerteminde zeigten, dass die Wale das PAL-Signal richtig verstehen und entsprechend reagieren. So steigerten die Tiere bei näherer Prüfung der Geräuschquelle die Anzahl ihrer Klicks um ca. 40%, damit andere Wale gewarnt werden und dem Gebiet fernbleiben.

Schweinswal © Florian Graner/naturepl.com

In einer Testphase außerhalb des Aquariums im kleinen Belt vor der dänischen Stadt Fredericia wurden diese positiven Ergebnisse an frei lebenden Schweinswalen überprüft. Sobald Schweinswale gesichtet wurden, startete PAL die Signalabfolge. Dabei wurden die Tiere weder verscheucht oder angelockt, sondern sie untersuchten interessiert mit Hilfe ihres Biosonars die Umgebung der Geräuschquelle.

Diese erfolgreiche erste Testphase des Forschungsprojektes zur Entwicklung eines neuartigen Warngerätes für Schweinswale wurde durch den Verein Friends of CMS / Freunde der Bonner Konvention mit bisher 24.000 Euro gefördert und von mondberge.com aus den Erlösen des Artenschutz-Kalenders 2012 unterstützt. Die Friends of CMS / Freunde der Bonner Konvention, fördern Projekte zur Erhaltung wandernder wild lebender Tierarten (UNEP/CMS) und werden auch die zweite, entscheidende Forschungsphase unterstützen. Dabei soll gemeinsam mit Fischern getestet werden, ob sich das neue Warngerät in der täglichen Praxis zum Schutz der Kleinwale bewährt.
Ziel ist es, diese bedrohten Tiere vor einem Tod als Beifang in der Fischerei zu schützen, indem für die Wale natürlich erkennbare und nicht störende Geräusche erzeugt werden.

Wir werden hier an dieser Stelle regelmäßig darüber berichten.