Kraniche Europas

Mit einer Flügelspannweite von ca. 220 bis 245 Zentimetern und einer Körpergröße von bis zu 130 Zentimetern ist der Kranich der größte Vogel Europas. Laut EU-Vogelschutzrichtlinie gehört der Zugvogel jedoch zu den besonders gefährdeten und schutzwürdigen Arten.

Kraniche über dem Hornborgasee Schweden © Winfried Wisniewski

Das hellgraue Gefieder, die schwarz-weiße Kopf- und Halszeichnung und die federlose rote Kopfplatte sind charakteristische Merkmale. Ein beeindruckendes Schauspiel ist der Tanz der Kraniche, der besonders häufig zur Balzzeit zu sehen ist. Dabei umkreisen sich die Partner mit imposant aufgestellten Flügeln, verbeugen sich andächtig voreinander, springen in die Luft, werfen Zweige von sich und lassen ihren markanten Trompetenruf erklingen.

Europäische Kraniche sind Zugvögel. Ihre Brutgebiete liegen hauptsächlich in Skandinavien, im Baltikum und im nördlichen Russland. Aufgrund verbesserter Schutzmaßnahmen hat sich das Brutgebiet vereinzelt auf Nord- und Ostdeutschland ausgedehnt. Den Winter verbringen Kraniche im Süden. Wichtig für die Bewältigung dieses langen Zugweges ist, dass die Vögel in regelmäßigen Abständen sichere Rastplätze mit ausreichendem Nahrungsangebot anfliegen können. Sie müssen sich dort ausruhen und neue Kräfte sammeln. In vielen Teilen Europas ist es mittlerweile gelungen, die Zugrouten der Kraniche durch anerkannte Schutzgebiete abzusichern und somit einen sicheren Flug der Tiere von und zu ihren Winterquartieren zu gewährleisten.

Anders stellt sich die Situation jedoch auf dem sogenannten Adria-Zugweg dar. Diese Route führt von Ungarn über den Balkan und die Adria nach Tunesien. Südlich der Save in Kroatien klafft ein großes Loch im Netz der sicheren Rastplätze. Zum einen hat die großflächige Entwässerung von Feuchtgebieten einen Teil der Kranich-Lebensräume vernichtet. Zum anderen lauern in vorhandenen Schutzgebieten Wilderer auf die Zugvögel und schießen die erschöpften Kraniche gnadenlos ab. Dies führt dazu, dass die Tiere oftmals ohne Zwischenstopp den Weg über das Dinarische Gebirge und das Mittelmeer nehmen. Für Jungvögel und für erschöpfte Altvögel ist dieses Unternehmen jedoch tödlich. Wind und Regen über dem Mittelmeer werden zum unüberwindlichen Hindernis und die Vögel stürzen entkräftet ins Meer.

Ziel ist es, den Adria-Zugweg für die Kraniche ebenso sicher zu machen, wie es bereits für die anderen Routen (Östlicher Zugweg und Atlantikzugweg) gelungen ist. Für dieses Ziel setzt sich EuroNatur ein. Die Organisation hat aufgrund umfangreicher Forschungsergebnisse belastbare Daten zum Zug der Kraniche über die Balkanhalbinsel und bestehende Gefahren gewonnen. Diese Daten sind Grundlage einer Resolution, die Regierungen und Jagdverbände von Albanien, Bosnien, Kroatien und Montenegro auffordert, sichere Rastplätze auf dem Zugweg zwischen der ungarischen Tiefebene und Afrika einzurichten.

EuroNatur setzt sich für die Ausweitung intakter Rastplätze für Kraniche entlang des Zugweges ein. Die Organisation entwickelt ein wirksames Schutzkonzept für ein grenzübergreifendes Netz sicherer Rastplätze, wie es beispielsweise bereits erfolgreich in Slano Kopovo in Serbien und Livanjsko Polje in Bosnien existiert.

Die zur Sicherung des Überlebens der Kraniche erforderlichen Maßnahmen werden durch mondberge.com unterstützt. Ein fester Anteil aus den Verkaufserlösen des Fotobildbandes „Nordische Momente“ der bekannten Naturfotografen Werner Bollmann und Winfried Wisniewski fließt an EuroNatur zur Unterstützung von Projekten zum Kranichschutz in Europa.