Umwelt- und Naturschutzbildung in Grundschulen nahe des Bwindi Nationalparks

Max-Planck-Institut für evolutionäre Anthropologie, Leipzig, Deutschland

Die Dorfbewohner am Rande des Bwindi Nationalparks wissen üblicherweise bemerkenswert wenig über Umwelt, Naturschutz und die vom Aussterben bedrohten, in unmittelbarer Nähe lebenden Berggorillas. Eine Möglichkeit, dieses Problem anzugehen ist ein entsprechendes Unterrichtsprogramm für Grundschulkinder. 2008 begann das Max-Planck-Institut für evolutionäre Anthropologie im Rahmen des Bwindi Gorilla Projekts genau diese Arbeit an den ersten Grundschulen, die dem Forschungszentrum in Ruhija am nächsten liegen – der Ruhija Primary School und der Bitanwa Primary School. Im November 2009 besuchten Mitarbeiter des Mondberge-Projekts eine dieser Schulen und unterstützten das Programm in den Jahren 2010-2012 durch finanzielle Hilfe. In den beiden Schulen werden rund 350 Schüler (1. bis 7. Klasse) unterrichtet, während lediglich sechs Lehrer zur Verfügung stehen. Es ist unbedingt notwendig, den Bildungsstandard und die Infrastruktur dieser Schulen zu verbessern – es gibt weder Elektrizität, noch fließend Wasser und grundlegende Mittel wie Papier, Stifte und Kreide sind immer knapp.

Ziele des Projekts sind:

  • – Monatlicher Bildungsunterricht für Umwelterhaltung in beiden Schulen. Angeboten wird eine Mischung aus traditionellem Unterricht, interaktiven Aufgaben wie Spielen sowie Natur- und Tierfilmen.
  • – Entwicklung eines Lehrplans, der sowohl grundlegende Themen wie Wasser, Luft und Erdreich berücksichtigt, als auch den Konflikt zwischen Menschen und wilder Tierwelt bzw. vom Aussterben bedrohter Arten – und letztendlich eine Unterrichtsreihe, die sich konkret auf Berggorillas bezieht. Schließlich soll ein Handbuch erstellt werden, das den Lehrplan in Form von 15 Unterrichtsblöcken darlegt.
  • – Unterstützung der Lehrer vor Ort durch Schulungen im Bereich des nachhaltigen Umwelt- und Naturschutzunterrichts und interaktiven Lehrmethoden.
  • – Zusätzliche Aktivitäten, bei denen Schüler sowie Lehrer mehr praktische Erfahrung sammeln und somit den theoretischen Unterricht vertiefen können

Dieses Projekt wird von Emily Turinawe, unter der Aufsicht von Dr. Martha Robbins geleitet. Emily Turinawe beschäftigt sich seit langem mit den Bereichen Umweltwissenschaft und Gemeinwesen.

Da sie aus der Gegend stammt und die Sprache der Einwohner, Rukiga, beherrscht, kann sie die Kommunikation mit Schülern übernehmen, deren Englischkenntnisse begrenzt sind. So wird sichergestellt, dass Schülern sowie Lehrern die Unterrichtsinhalte vollständig vermittelt werden.

Bislang ist das Projekt sowohl von den Schülern als auch von den Lehrern sehr gut angenommen worden. Sie wollen lernen und wissen, was den Naturschutz mit ihrem täglichen Leben verbindet. Wir glauben, dass die Schüler durch dieses Projekt mehr über die Bedeutung der Berggorillas, den Bwindi Nationalpark und Umweltschutz im Allgemeinen lernen. Anfang 2012 erhielten wir zusätzliche Gelder, durch die wir jeden Monat in 6 weiteren Schulen nahe Ruhija unterrichten können.

Aktuelle Aktivitäten:

Waldrundgänge:
Im November 2011 verbrachten etwa 100 Grundschüler aus der 5., 6. und 7. Klasse einen Tag im Bwindi Nationalpark. Begleitet wurden sie von ihren Lehrern, Park-Rangern der Uganda Wildlife Authority und wissenschaftlichen Mitarbeitern des Institute of Tropical Forest Conservation. Bei dieser Exkursion lernen die Schüler mehr über Bwindis Tier- und Pflanzenwelt, die Bedeutung eines Nationalparks und die Arbeit, die die Mitarbeiter in Bwindi leisten. Wir beabsichtigen, diese Aktivität regelmäßig, jedes Jahr durchzuführen.

Gesundheits-Song-Contest: 
Im März 2012 gab es eine besondere Lektion in Sachen Hygiene und Gesundheitspflege – Schüler aus zwei Schulen stellten sich einem Wettbewerb. Die drei Kategorien: traditioneller Tanz / Gesang, moderner Gesang und Schauspiel. Von jeder Schule nahmen mehr als 50 Schüler an der Aktivität teil (insgesamt waren bei dieser Veranstaltung über 400 Schüler und Lehrer anwesend), und Lehrer einer dritten Schule übernahmen die Rolle der Jury. Diese Aktivität lehrt die Kinder, stolz zu sein auf ihre traditionellen Tänze und Lieder. Sie erleben außerdem einen Wettbewerb in freundschaftlicher Atmosphäre und wie viel Arbeit hinter einer guten Leistung steckt.

Baumschulen:
Im Februar 2012 pflanzten wir Samen zweier Baumarten in die Gärten der Ruhija- und der Bitanwa-Grundschule. Im September 2012 wurden ca. 4.000 Setzlinge an die Familien der Schüler der 5., 6. und 7. Klassen verteilt (einige wurden auch auf dem Schulgelände eingepflanzt). Diese Aktivität lehrt die Kinder Verantwortung zu übernehmen und die Pflanzen zu pflegen, dass aus gesäten Samen Bäume entstehen und wie man die Wiederaufforstung im Umfeld des Parks unterstützen kann.

Pickdienst:
Im Juni 2012 haben Schüler aufgeräumt und als Zeichen der Wertschätzung an der Straße durch Bwindi den Müll eingesammelt. Wir planen Poster zu gestalten, um Fußgänger und Autofahrer im Park davon abzubringen, ihren Müll einfach liegen zu lassen. Es soll außerdem darauf hingewiesen werden, dass dies eine Aktivität der Kinder war.

Grundlegender Bedarf:
Textbücher:
Zurzeit hat die Schule nur Bücher für weniger als die Hälfte der Schüler. In den letzten vier Jahren sind der Schule zwar einige Bücher gespendet worden, aber alle paar Jahre müssen sie ausgetauscht werden. Lehrer der Ruhija Grundschule sagten uns, dass die Bücher eine große Hilfe waren. 2011 haben zum ersten Mal Schüler das Examen bestanden, das sie für die weiterführende Schule qualifiziert. Textbücher für die Hauptthemen Mathematik, Sozialwissenschaften und Englisch kosten etwa 50 € pro Schüler.

Toilettenhäuschen:
Beide Schulen brauchen neue Toiletten für die Schüler. Derzeit gibt es in der Ruhija Grundschule für alle 350 Schüler nur zwei Hocktoiletten (s. Foto recht): Mädchen ist es oft peinlich, sie zu benutzen, so dass sie vielleicht lieber zu Hause bleiben als zur Schule zu gehen. Der Bau eines Blocks mit vier Toiletten (für Mädchen und Jungen getrennt) kostet voraussichtlich 2.000 €.

Dächer und Türen:
Die Ruhija Grundschule, die bisher aus nur sechs Klassenräumen bestand, wurde um einen Anbau mit drei Klassenzimmern erweitert. Das Geld für den neuen Gebäudeteil kommt von den Eltern aller Schüler, aber es reicht nicht aus, um vernünftige Fenster und Türen (diese würden ungefähr weitere 2.000 € kosten).

Basisausstattung:
Die meisten Schüler können sich elementare Schulartikel wie Schreibhefte und (Blei-)Stifte nicht leisten. Hin und wieder können wir diese Dinge zur Verfügung stellen (ebenso wie Kreide für die Lehrer), aber sie brauchen mehr.

Mondberge-Beiträge
Aufgrund einer durch das Mondberge-Projekt angeregten, privaten Spende im November 2012 kann der Schulanbau nun kurzfristig fertig gestellt werden. Wir werden darüber berichten. Ebenso stellt Mondberge neues Geld zur Verfügung, damit Schulmaterial gekauft und die Toiletten gebaut werden können. Die Finanzierung der Koordinatorin Emily haben wir für ein weiteres Jahr übernommen.