Bildungsprogramm für nachhaltige Entwicklung in Ruhija

Ein Projekt des Max Planck Institut für evolutionäre Anthropologie unterstützt durch Mondberge.com

2008 – 2011: Emily Turinawe, Agnes Farkes, Savannah Schulz, Nicole Seller, Peter Kabano, Joel Glick, Alex Tumakunde, Martha Robbins

Vorwort

Die Dorfbewohner am Rande des Bwindi Nationalparks wissen üblicherweise bemerkenswert wenig über Umwelt, Naturschutz und die vom Aussterben bedrohten, in unmittelbarer Nähe lebenden Berggorillas. Eine Möglichkeit, dieses Problem anzugehen ist ein entsprechendes Unterrichtsprogramm für Grundschulkinder. 2008 begann das Max Planck Institut für evolutionäre Anthropologie im Rahmen des Bwindi Gorilla Projekts genau diese Arbeit an den ersten Grundschulen, die dem Forschungszentrum in Ruhija am nächsten liegen – der Ruhija Primary School und der Bitanwa Primary School. Im November 2009 besuchten Mitarbeiter des Mondberge-Projekts eine dieser Schulen und unterstützten das Programm in den Jahren 2010-2011 durch finanzielle Hilfe. In den beiden Schulen werden rund 450 Schüler (1. bis 7. Klasse) unterrichtet, während lediglich sechs Lehrer zur Verfügung stehen. Es ist unbedingt notwendig, den Bildungsstandard und die Infrastruktur dieser Schulen zu verbessern – es gibt weder Elektrizität, noch fließend Wasser und grundlegende Mittel wie Papier, Stifte und Kreide sind immer knapp.

Ziele des Projekts sind:

  • – Monatlicher Bildungsunterricht für Umwelterhaltung in beiden Schulen. Angeboten wird eine Mischung aus traditionellem Unterricht, interaktiven Aufgaben wie Spielen sowie Natur- und Tierfilmen.
  • – Entwicklung eines Lehrplans, der sowohl grundlegende Themen wie Wasser, Luft und Erdreich berücksichtigt, als auch den Konflikt zwischen Mensch und wilder Tierwelt bzw. vom Aussterben bedrohter Arten – und letztendlich eine Unterrichtsreihe, die sich konkret auf Berggorillas bezieht.
  • – Unterstützung der Lehrer vor Ort durch Schulungen im Bereich des nachhaltigen Umwelt- und Naturschutzunterrichts und interaktiven Lehrmethoden. Wir hoffen, Ihnen durch geführte Exkursionen in den Wald auch anschauliche, praktische Erfahrung bieten zu können.
  • – Bewertung der Effektivität des Projekts.; Kontrolle des Bildungsstands der Kinder anhand von kurzen schriftlichen Prüfungen, die im September 2010 gehalten und ein Jahr später wiederholt werden.

Das Programm wird seit 2008 in folgenden Schulen realisiert:

  1. 1. Bitanwa Primary School (5., 6. und 7. Klasse) mit 320 Schülern
  2. 2. Ruhija Primary School (5., 6. und 7. Klasse) mit 305 Schülern

Der vorgesehene Lehrplan für die Schulen beinhaltet die folgenden Themen:

  1. 1. Die Erde (Schwerpunkt Afrika und Uganda) – wo liegen Afrika, Uganda und Ruhija
  2. 2. Erdreich (vergl. Bildungsprogramm der Schule)
  3. 3. Wasser (vergl. Bildungsprogramm der Schule)
  4. 4. Luft (vergl. Bildungsprogramm der Schule)
  5. 5. Lebensräume ( Schwerpunkt Wald)
  6. 6. Pflanzen
  7. 7. Tiere – Nahrungskette & Rolle der Tiere im Wald
  8. 8. Exkursion in den Wald
  9. 9. Geschützte Gegenden, Erhalt der Artenvielfalt und Park-Verwaltung, am Beispiel des Bwindi Nationalparks
  10. 10. Einwirken des Menschen auf die wilde Tierwelt – Wilderei & Krankheiten
  11. 11. Gesundheitspflege und Hygiene
  12. 12. Gefährdete Tierarten; der Kurs endet mit einer Einführung in das Fachgebiet Gorillas
  13. 13. Gorillas (Futterverhalten)
  14. 14. Gorillas (Sozialverhalten)
  15. 15. Ökotourismus


Schüler der Bitanwa Primary School zeichnen Pflanzen in ihre Hefte.

Unterricht in Pflanzenkunde auf dem Schulgelände.

Verteilung neuer Schulbücher an die Schüler in der Ruhija Primary School.

In den Schulen gibt es jeweils eine etwa 2-stündigeUnterrichtsstunde pro Monat, Im vergangenen Jahr wurden folgende Themen behandelt:

  • – Luft
  • – Erde
  • – Umwelterhaltung
  • – Lebensräume
  • – Tiere
  • – Pflanzen

Mit beiden Schulen haben wir außerdem Theaterstücke erarbeitet, Auf diese Weise können die Kinder ihr Wissen über Umweltschutz und Gorillas ‚kunstvoll‘ verinnerlichen, ihre Fähigkeiten herausbilden, Sicherheit im Auftreten vor Publikum / Zuhörern gewinnen und die Tradition regionaler Tänze fortführen.

Zukünftige Aktivitäten:

  • – Fortsetzen des Bildungsunterrichts für Umwelterhaltung in beiden Schulen
  • – Erweiterung um eine dritte Schule in der Gemeinde
  • – Entwicklung eines auf dem Lehrplan basierenden Schulbuches
  • – ‚Filmnächte‘ – Dokumentarfilmvorführungen für Kinder und Gemeindemitglieder von Ruhija

Unterrichtsplanung: die Erde

  1. 1. Definition der Erde: die Erde ist der drittnächste Planet zur Sonne, sie ist der dichteste und der fünftgrößte Planet in unserem Sonnensystem. Außerdem ist sie der größte der vier terrestrischen Planeten im Sonnensystem. Manchmal nennt man sie die Welt oder den Blauen Planeten.
  2. 2. Male ein Bild des Planeten Erde.
  3. 3. Erkläre, wie sich die Erde formte und wie sie in zwei Teile eingeteilt wurde.
  4. 4. Nenne alle neun Planeten und ihre Funktionen.
  5. 5. Die Schüler sollen nun die fünf Kontinente und die jeweiligen heimischen Lebewesen aufzählen.
  6. 6. Die Schüler bilden Gruppen und benennen die Länder der Kontinente; und sie sollen zeigen, wo Uganda liegt.
  7. 7. Erkläre, warum Afrika der einzige Kontinent ist, auf dem außergewöhnliche Tiere wie Gorillas leben.
  8. 8. Erläutere, inwiefern sich die Erde als einziger lebensfreundlicher Planet von den anderen unterscheidet.

Unterrichtsplanung: Naturschutz im Überblick

Umwelt-Wörterbuch:

  • – Naturschutz
  • – Natürliche Ressourcen
  • – Nachhaltigkeit
  • – Lebensraum
  • – Bevölkerung
  • – Wiederverwertung und Recycling
  • – Umweltschadstoffe
  • – Umweltzerstörung
  • – Artenvielfalt
  1. 1. Definition von Naturschutz: Schutz, Erhalt, Erholungsprozess und der Umgang mit der wilden Tierwelt und natürlichen Ressourcen wie Wälder, Erdreich und Wasser.
  2. 2. Einführung: Alle Pflanzen und Tiere sind in ihrer Umwelt miteinander verbunden. Male ein Bild an die Tafel, das die Rollen von Tieren und Pflanzen in ihrer natürlichen Umgebung darstellt. Es gibt drei Hauptaufgaben die Pflanzen und Tiere in ihrer Umgebung erfüllen. Erkläre sie. Erzeuger: Grünpflanzen und Bäume helfen, die Tiere zu ernähren. Verbraucher: ein Tier, das sich von Pflanzen oder anderen Tieren ernährt. Zersetzer: ein Organismus, der tote Materie in seine Bestandteile zerlegt und dem Erdreich wieder Nährstoffe zuführt
  3. 3. Aktivität, die es den Schülern hilft, die Bedeutung von Naturschutz zu verstehen. Es werden Zeichnungen der verschiedenen Pflanzen und Tiere im Bwindi Nationalpark an die Schüler verteilt. Die Abbildungen verdeutlichen, ob die Pflanze bzw. das Tier ein Erzeuger, Verbraucher oder Zersetzer ist.

Unterrichtsplanung: Lebensraum

  1. 1. Was ist ein Lebensraum?
  2. 2. Warum ist der Lebensraum in unserer Umwelt von Bedeutung?
  3. 3. Auflistung verschiedener Lebensräume.
  4. 4. Was brauchen Lebewesen, um zu überleben? Luft: Sauerstoff, Zufluchtsort zum Schutz, Wasser: alle Lebewesen benötigen flüssiges Wasser, Nahrung: alle Lebewesen brauchen Nahrung zur Energiegewinnung
  5. 5. Auflistung verschiedener Tier- und Pflanzenarten, die in afrikanischen Bergwäldern wie Bwindi leben. – Welche Lebensweise bevorzugen diese verschiedenen Tiere, und wie schaffen sie sich in den unterschiedlichen Bereichen des Waldes ein Zuhause?

Unterrichtsplanung: Tiere

I Klassifizierung der Tierarten

Wirbeltiere

Warmblüter:

  • – Säugetiere: (im Bwindi Nationalpark: Buschbock, Sitatunga-Antilope, Sumpfmanguste, Palmensegler, Ginsterkatze, afrikanische Goldkatze, Honigdachs, Rieseneichhörnchen, Westafrikanischer Quastenstachler, Pinselschwein, Streifenschakal, Riesenratte, Waldelefant, Galagos, Diademmeerkatze, Rotschwanzaffe, Vollbartmeerkatzen, Mantelaffe, Anubispavian, Schimpanse, Gorilla; in der Savanne: Giraffe, Impala, afrikanischer Elefant, Nilpferd, Zebra, Leopard, Warzenschwein, ugandische Moorantilope, Büffel, Hyäne, Gepard, Elenantilope)
  • – Vögel: (Schuhschnabel, Kräuselhauben-Perlhuhn Riesenturako, Kronenkranich, Nektarvogel, Webervogel, Würgadler)

Wähle ein Tier und beantworte die folgenden Fragen:

  • – Beschreibe, wie das Tier aussieht.
  • – Lebt Dein Tier im Wald? In welchem Teil des Waldes wohnt Dein Tier?
  • – Zeigt es sich am Tag oder in der Nacht?
  • – Was isst Dein Tier gern?
  • – Welche Tiere essen Dein Tier gern? (Wer sind seine Feinde?)
  • – Wie schützt Dein Tier sich?
  • – Beschreibe, inwiefern Dein Tier vom Menschen bedroht wird?

Kaltblüter:

  • – Fische (Bunt-/Viktoriabarsch, Nilbarsch)
  • – Amphibien (Salamander, Frosch)
  • – Reptilien (Schlange, Krokodil, Eidechse)

Wirbellose (5 Hauptgruppen, aber wir nehmen nur 3 Gruppen in dieser Stunde durch)

  • – Weichtiere (Schnecke)
  • – Würmer (Regenwürmer)
  • – Gliederfüßer: Insekten (Biene, Käfer, Termite, Moskito, Fliege); Spinnentiere (Spinnen); etc.

II. Nenne einige Haupteigenschaften von Wirbeltieren und Wirbellosen. Gib jeweils ein Beispiel (möglichst in Uganda lebende Tiere!). Male diese Tiere.

III. Erkläre kurz den Unterschied zwischen Tieren und Pflanzen. Was verbindet sie in ihrer Umwelt?

IV. Sortiere Tiere nach ihrer Ernährung (Fleischfresser, Pflanzenfresser, Allesfresser, Zersetzer) – Ordne die Tiere, die Du gemalt hast den richtigen Kategorien zu. – Es steht ein Poster der Uganda Wildlife Authority zur Verfügung. Wir nutzen Karten mit den oben genannten Kategorien. Lege die Karte zu dem Bild des richtigen Tieres.

V. Schau Dir das Poster und die gemalten Tiere an und versuche, ein paar Beispiele für die Eigenschaften der Tiere zu nennen, die sie zum Überleben oder zur besseren Anpassung an ihre Umwelt entwickelt haben. (z.B. Raubvögel, die mit ihren scharfen Krallen und Greiffüßen ihre Beute fangen und töten können; Chamäleons, die ihre Farbe an ihre Umwelt anpassen, um nicht entdeckt zu werden, Löwen und Leoparden, die mit scharfen Zähnen ihre Beute töten und das Fleisch von ihr reißen können, etc.)

VI. Nenne Beispiele für wichtige Aufgaben, die die Tiere im Wald erfüllen. Bestäubung, Samenverbreitung, Walderhalt, Nahrungsnetz, etc.

VII. Was verbindet diese vier Tierarten (Fleisch-, Pflanzenfresser etc.)? Nenne ein einfaches Beispiel einer Nahrungskette, in der Tiere vorkommen

VIII. Sich überschneidende Nahrungsketten bilden ein komplexeres Nahrungsnetz. Mehrere Schülergruppen zeichnen jeweils ein Nahrungsnetz. Wir wählen ein oder zwei aus und diskutieren sie an der Tafel (mithilfe der zuvor gemalten Tierbilder), Wir diskutieren alle Punkte mit Bezug zum Nahrungsnetz, z.B. ‚Was passiert, wenn eine oder mehrere der Tierarten im Nahrungsnetz wegfallen? ‘ etc.

Unterrichtsplanung: Pflanzen

Der Unterricht findet draußen statt und beinhaltet Aktivitäten im freien Gelände.

1. Was sind Pflanzen? Definition.

2. Welches sind die einzelnen Teile der Pflanzen, ihre Eigenschaften und Funktionen?

  • – Samen: Wie werden sie verteilt? > Durch Wind, von Tieren etc. (mit Beispielen!)
  • – Wurzeln: verschiedene Wurzelsysteme, mit Beispielen
  • – Stiele / Stängel: Welche Aufgabe erfüllen sie?
  • – Blätter: Suche verschiedene Blätter (oval, gegenüberliegend etc.)
  • – Auf meinem Weg sammle ich verschiedene Pflanzen(verschiedene Blätter, Epiphyten, Blumen), nehme sie mit in die Schule und stelle bestimmte Teile und Typen von Pflanzen vor.
  • – Ich suche eine Blume in der Umgebung aus und erkläre den Kindern den Lebenszyklus eines Samens, der eine Blume mit Blüten in sich trägt. Wir sprechen über Bestäubung und die bedeutende Rolle, die Tiere beim Bestäubungsprozess spielen.

3. Die Schüler werden in kleinere Gruppen eingeteilt. Ihre Aufgabe ist es, verschiedene Pflanzen zu suchen. Lebende Pflanzen dürfen dabei nicht aus dem Boden gezogen werden! Im Anschluss bleibt Zeit, die ‚Fundstücke‘ zu zeichnen.

4. Was weißt Du über Bäume? Zähle einige der in Uganda verbreiteten Bäume auf! Wozu kann man sie gebrauchen? Welche Auswirkungen hat ihre Nutzung auf natürliche Wälder?

5. Die Schüler werden in kleinere Gruppen eingeteilt. Sie bekommen Karten, von denen jeweils zwei zusammen gehören. Ich gehe zu jeder Gruppe, schaue mir an, welche Paare gebildet wurden und bitte sie, die Einteilung zu erklären (es gibt z.B. eine Karte mit einer Ananas und eine weitere mit Ananasblättern, Bohnen und Bohnenpflanzen mit typischen Pfahlwurzeln und herzförmigen Blättern oder eine Blume und ein Nektarvogel, der sie bestäubt; Wald und Tiere, Bäume und Brennholz, Waldrodung und ein trauriger Gorilla etc.).

6. Ich beende die Stunde mit der Auflösung und der Frage nach dem Zusammenhang von drei der Kartenpärchen; Wald und Tiere, Bäume und Brennholz, Waldrodung und ein trauriger Gorilla.