Hilfsprojekt am Bwindi Nationalpark

Ruhija – idyllisch auf einem Hügel gelegen

Am 31. Oktober 2009 war es endlich soweit! Mit rund 100 Kilo „zusätzlichem!“ Gepäck flogen wir zu sechst (u. a. drei Mitglieder des Mondberge-Fotografenteams) von Brüssel nach Entebbe in Uganda. Unser Ziel war Ruhija, ein kleines Dorf am Bwindi Nationalpark. Acht Stunden Flug und 10 Stunden Autofahrt später erreichten wir den Ort ohne Probleme und checkten in einer der drei brandneuen Lodges, wunderschön auf der Kuppe eines Hügels gelegen, für 3 Nächte ein.

Ruhija

Ruhija ist auf rund 2.500 Metern der höchstgelegendste Ort am Bwindi-Wald – von hier hatten wir (leider nur am ersten Abend) einen wunderschönen Blick auf die weiter südlich gelegene Virunga-Vulkankette.

Berggorillas der Bitukura-Gruppe

Erst vor circa einem dreiviertel Jahr ist hier die Bitukura- Berggorilla-Gruppe neu habituiert worden und kann nun auch von Touristen besucht werden. Permits werden im Moment allerdings immer erst drei Monate im Voraus von der UWA (Uganda Wildlife Authority) verkauft. Anders als z. B. in Buhoma (wo es schon seit vielen Jahren drei habituierte Gorillagruppen gibt), existiert in Ruhija so gut wie keine touristische Infrastruktur. Erst vor wenigen Wochen haben die ersten drei Lodges fast zeitgleich eröffnet. Wirklich ohne Ausnahme sind wir von den Menschen dort freundlich und interessiert aufgenommen worden. Weiterhin ist Ruhija Stützpunkt der ITFC (Institute of Tropical Forest Conservation) und vier Monate im Jahr die Heimat von Martha Robbins.

Martha Robbins

Übergabe der Displays und aller anderen Hilfsgüter am ersten Abend an Martha Robbins.

Schon seit elf Jahren erforscht Martha im Auftrag des Max Planck Instituts Leipzig das Leben und Verhalten von Berggorillas. Siehe auch: http://www.eva.mpg.de/primat/staff/robbins/cv.htm. Wir hatten im Vorfeld der Reise viele Wochen lang einen intensiven E-Mail-Kontakt und Martha hat freundlicherweise – in Abstimmung mit dem B&RD – das neue Hilfsprojekt mit dem ITFC vorbereitet. Nur vier Monate nach dem Erscheinen unseres Buches „Perle Afrikas“ standen bereits über 3.000 Euro für verschiedene Maßnahmen zur Verfügung. Wir trafen Martha am ersten Tag kurz vor unserem Gorilla-Tracking und haben uns für abends verabredet. Den nächsten Tag hat sie sich netterweise freigehalten und komplett mit uns in und um Ruhija verbracht.

Bitukura Gorilla-Tracking

Drei Gorillas der Bitukura-Gruppe

Natürlich wollten wir uns die Gelegenheit nicht entgehen lassen – und auch ein Gorilla-Tracking durchführen. Für uns war es richtig spannend diesmal zu Berggorillas zu gehen, die noch nicht lange habituiert sind und noch sehr selten von Touristen besucht werden. Werden die Tiere sich anders verhalten? Nach einem wirklich guten Briefing durch Chris, unseren Guide, marschierten wir mit unseren Stöcken und Kameras gegen 9 Uhr los. Die Sonne strahlte vom Himmel (trotz Regenzeit) und Martha hatte uns schon beruhigt, dass es vermutlich nicht lange dauern wird, die Gorillas zu finden. Der Wald ist hier etwas dichter und sehr viel steiler als wir es aus Buhoma kannten. Wir gingen fast die ganze Zeit bergab. Und tatsächlich: schon nach einer Stunde und fünf Minuten trafen wir die Bitukura-Gruppe. Sie besteht im Moment aus 15 Mitgliedern, davon sind allerdings sage und schreibe vier (4!) Silberrücken. Es haben sich uns nicht alle Tiere gezeigt, aber teilweise dafür umso länger und „fotogener“ – bei schönstem Licht saßen z. B. drei Silberrücken minutenlang gleichzeitig auf einem Waldweg. Jedes Gorilla-Tracking ist anders, jedes ist ein besonderes Erlebnis!

Displays zur Aufklärung

Nagelbeschaffung ohne „OBI“

Die erste konkrete Maßnahme des Mondberge-Hilfsprojekts war die Produktion von sieben verschiedenen Displays im Großformat von 1 x 1,80 Meter. Mit Texten von Martha Robbins und Fotos aus dem Mondberge-Projekt wurden sie von uns gestaltet und produziert. Von jedem Motiv wurden vier Stück gedruckt und wir haben sie nach Uganda mitgenommen. Die Displays werden in Ruhija, Buhoma, Nkuringo und Rushaga aufgehängt und eingesetzt. Wir mussten gleich die Ärmel hochkrempeln und die ersten sieben in Ruhija selbst anbringen. Haken? Nägel? Kabelbinder? Alles gute Ideen, doch keiner hatte dran gedacht etwas mitzunehmen. Also folgte die „afrikanische Lösung“: aus einem Stapel alter Bretter wurden krumme, verrostete Nägel herausgezogen, einigermaßen geradegehämmert – und nach kurzer Zeit hingen die sieben Displays und wurden sogleich von uns, den UWA-Mitarbeitern vor Ort, und ein paar zufällig vorbeikommenden Touristen bestaunt.

Erleichterung nach dem Aufhängen der sieben Displays in Ruhija.

Sie sollen dazu beitragen Touristen UND Einheimische unübersehbar groß, deutlich und einfach über Gorillas aufzuklären, damit für größeres Verständnis sorgen und eine bessere Einhaltung der Regeln gewährleisten. Martha hat sich sehr darüber gefreut und wird die restlichen rund um den Bwindi-Nationalpark verteilen.

Nächste Maßnahmen

Ein etwa anderthalbstündiger „Nature-Trail“ soll als weiteres alternatives touristisches Angebot in Ruhija etabliert werden. Frauen aus der Dorfgemeinschaft werden ihn demnächst als geführte Tour anbieten. Damit können direkt für die „Community“ in Ruhija zusätzliche Einnahmen erzielt werden. Wir haben vor, einen kleinen gedruckten „Nature-Trail-Guide“ zu produzieren, den sie dann noch zusätzlich an Touristen verkaufen können.

Nach dem Besuch einer Grundschule ist nun auch ein „Gorilla-Buch“ in englisch und in der Landessprache geplant. Sobald wir Texte aus Uganda bekommen, werden wir damit beginnen. Wir hatten auf Wunsch Kreide, Buntstifte, Kugelschreiber und Landkarten mitgebracht – die Kinder haben sich sehr gefreut und uns gleich mehrere Tanz- und Gesangsvorführungen geboten.

Eine Schulklasse mit über 100 Kindern

Ausblick

Das von uns initiierte „Mondberge-Hilfsprojekt“ soll im Kern der Schulung, Ausbildung und Aufklärung der einheimischen Bevölkerung am Bwindi Nationalpark – und damit dem langfristigen Schutz des Waldes und der Berggorillas – dienen. Damit erfüllt es auch eins der erklärten Ziele der Vereinten Nationen im „Jahr des Gorillas 2009“. Davon konnte sich Veronika Lenarz von der UNEP/CMS überzeugen, die auf dieser Reise mit uns in Ruhija gewesen ist.

Schauen Sie ab und zu auf unsere Webseite www.mondberge.com – oder tragen Sie sich dort einfach für den kostenlosen, 1 x monatlich erscheinenden Newsletter ein – so bleiben Sie auf dem Laufenden … und dem Mondberge-Projekt verbunden.

Andreas Klotz, im November 2009