Berggorillas – vom Aussterben bedroht aber lebend eine lukrative Einnahmequelle
Die letzten Berggorillas findet man in Uganda, Ruanda und in der Demokratischen Republik Kongo. In den letzten Jahren ist ihre Popularität durch vielfältige Aktionen, insbesondere das Jahr des Gorilla 2009 der UNO, deutlich gestiegen. Das Interesse am Erhalt unserer nächsten Verwandten und deren Lebensraum wächst stetig weiter.
Hinzukommt, dass die Habituierung von Berggorillas einen Gorilla-Tourismus in Gang gesetzt hat, durch den die Möglichkeit eröffnet wurde, Berggorillas in ihrem natürlichen Lebensraum beobachten zu können.
Dian Fossey war die Erste, die große Fortschritte bei der Beobachtung und Erforschung der Lebens- und Verhaltensweise dieser Menschenaffen gemacht hat. Sie setzte sich für den Erhalt der Berggorillas und gegen deren Abschlachtung durch Wilderer ein. Hierzu gründete sie im September 1967 in Ruanda, in den Virunga Mountains die Karisoke-Forschungsstation. In diese Region, 3.000 Meter über dem Meeresspiegel, hatten sich die bedrohten Berggorillas zurückgezogen. Dort begann Fossey mit der Beobachtung der scheuen Berggorillas. 1970 gelang es ihr dann erstmals, sich den Tieren bis auf 45 Metern zu nähern. Sie wurde schließlich sogar von einer Gorillagruppe akzeptiert und die Berggorillas duldeten, dass sie als Gruppenmitglied mit ihnen lebte.
Heute nimmt die Habituierung von Berggorilla-Gruppen immer weiter zu. In Uganda sind bereits 50%, in Ruanda 70% der Berggorillas an die Anwesenheit von Menschen gewöhnt. Allerdings wird diese Habituierung der ursprünglich sehr scheuen Tiere auch kontrovers diskutiert.
Befürworter stellen in den Vordergrund, dass diese Habituierung zum Schutz der Berggorillas beiträgt, insbesondere da das Verhalten der Berggorillas besser verstanden wird und diese nicht mehr – so wie früher - als Monster betrachtet werden.
Gegner der Habituierung sehen die Gefahren: Die Tiere flüchten nicht mehr vor Wilderern und können diesen somit leichter zum Opfer fallen, außerdem plündern sie öfter Felder der örtlichen Bauern. Da Berggorillas und Menschen sich genetisch sehr ähnlich sind, sind auch menschliche Krankheiten für die Tiere sehr gefährlich. Durch den engen Kontakt können diese Krankheiten leichter auf die Tiere übertragen werden.
Um diese Gefahren für die Berggorillas zu minimieren gelten feste Regeln, die bei einem Gorilla-Trekking zwingend eingehalten werden müssen. So sind pro Tag pro Gorillagruppe maximal 8 Personen für eine Stunde erlaubt, das Mindestalter der Besucher ist 15 Jahre. Es muss ein Mindestabstand von 5 bis 7 Metern eingehalten werden, auch wenn der Gorilla sich ab und an nicht daran hält, und die Tiere dürfen keinesfalls berührt werden. Ein Besuch der Gorillas ist bei einer Erkältung oder einer anderen Infektionskrankheit nicht gestattet. Essen, Trinken oder gar Rauchen ist während des Besuchs nicht erlaubt, auch Fotografieren mit Blitzlicht ist untersagt. Es wird Wert darauf gelegt, dass Besucher in der Gruppe bleiben, die Gorillas nicht umstellen, sich ruhig verhalten und sich nicht unterhalten. Die Anweisungen der Guides sind stets zu befolgen. Und selbstverständlich darf kein Müll hinterlassen werden. Wer sich an diese Regeln hält, den erwartet ein beeindruckendes Erlebnis. Einem Silberrücken wenige Meter gegenüberzustehen oder hautnah zu erleben, wie eine Mutter sich um ihren Nachwuchs kümmert, ist für viele Menschen ein Traum und für die, die es erleben durften, unvergesslich.
Trotz der hohen Kosten für ein Gorilla-Trekking von derzeit ca. 500 US-Dollar steigt die Nachfrage stetig und da zum Schutz der Tiere die Anzahl der Besuche und der Besucher beschränkt ist, sind die Trekkings in Uganda und Ruanda bereits viele Monate im Voraus ausgebucht.
Geht man davon aus, dass eine Gorilla-Gruppe im Durchschnitt ca. 250mal pro Jahr von jeweils 8 Personen besucht wird, dann erwirtschaftet diese Berggorilla-Gruppe pro Jahr ca. 1 Million US-Dollar. In Uganda beispielsweise gibt es laut Uganda Wildlife Authority (UWA) derzeit 5 Gruppen, die pro Besuchertag von insgesamt maximal 32 Personen besucht werden können, was also ca. 4 Millionen US-Dollar pro Jahr einbringt.
Gorilla-Tourismus ist demnach eine lukrative und vor allem nachhaltige Einnahmequelle. Ein lebender Berggorilla kann mehrmals besucht werden während er tot nur einmal (und dann – wenn überhaupt - deutlich weniger) Geld einbringt. Dies wird auch für die Bevölkerung immer fühlbarer und so greifen die Schutzmaßnahmen für die Tiere und ihren Lebensraum immer besser. Auch dies ist sicher ein Argument der Befürworter der Habituierung.
Anders sieht es derzeit im Kriegsgebiet der Demokratischen Republik Kongo aus. Aufgrund des Bürgerkriegs dort bleiben die Touristen der Region fern und demnach bleiben auch die Einnahmen aus Gorilla-Trekkings aus. Ein Ende des Krieges ist nicht absehbar. Und dessen Finanzierung haben sich die Kriegsparteien und Rebellen gesichert, indem sie auf die großen Coltan-Vorkommen zurückgreifen. Sie bauen das Erz, das zur Produktion von Akkus in Handys und Laptops benötigt wird, in großen Mengen ab. Dabei zerstören die Minenarbeiten den Lebensraum der Tiere und auch für die Fleischversorgung der Arbeiter werden die Menschenaffen in großem Stil gewildert, wie Pro Wildlife berichtet.
Im Interesse der Menschen im Kongo bleibt zu hoffen, dass es trotz dieses Raubbaus gelingt, auch in der Demokratischen Republik Kongo die Berggorillas und deren Lebensraum zu schützen, unsere nächsten Verwandten vor dem Aussterben zu bewahren – und wie der Naturtourismus in Uganda und Ruanda zeigt, zahlen sie uns dies vielfach zurück …