Besuche im „Kgalagadi Transfrontier Park“ und „Madikwe Game Reserve“

Nach etlichen Trips in den späten Achtzigern im damaligen „Kalahari Gemsbock Park“ und 2000 im brandneuen „Madikwe Game Reserve“ kribbelte es bei mir, ein kleines „Up Date“ zu machen – allerdings mit dem Beschränken oder besser Konzentrieren auf das Fotografieren. Damals gehörte das Fahren und alles andere Infrastrukturelle auch noch zum täglichen Handeln…

Fakten*

Kgalagadi

Zusammenlegung des früheren „Kalahari Gemsbock Parks“, Südafrika, mit dem „Gemsbock National Park“, Botswana, zu einem grenzübergreifenden Park. Daher auch der Name „Transfrontier“. Kgalagadi kommt von „Mkgadigadi“, was so viel wie der „Grosse Durst“ bedeutet – heute für eine grosse Salzpfanne gebraucht. Der durchschnittliche Niederschlag beträgt auch nur 200mm pro Jahr und die beiden Flußbette führen auch nur ganz selten Wasser. Der Park mit seinen etwa 36.000qkm, davon ein Viertel in SA und somit touristisch etwas weiter erschlossen, ist Teil eines fast 900.000qkm großen Sandfeldes! Dennoch beherbergt er eine reiche Tierwelt, von den bekannten afrikanischen Großtieren fehlen insbesondere Elefant und Büffel, dafür beleben etwa 4000 Springböcke, sowie Spießböcke und Rote Kuhantilopen in ähnlicher Zahl das Bild. Charakteristisch sind die roten Dünen, die aber seit Jahrhunderten fest sind und somit auch schon relativ hoch bewachsen sind.

Madikwe

Im direkten Vergleich ist Madikwe richtig klein, gerade mal so 700qkm. Dennoch ist es Heimat von 66 Säugetierarten, darunter auch die „Big Five“, mit beiden Nashornarten, oder auch die höchst gefährdeten „Wilden Hunde“. Begonnen hat es 1991 mit der Renaturisierung von Farmland und der Wiederansiedlung der Wildtiere in der bis 97 andauernden „Operation Phoenix“. Genau genommen liegt das Reservat am Rande des Kalahari-Beckens. Es hat auch mit 600mm durchschnittlichem Niederschlag mehr Wasser und demzufolge auch einen dichteren Bewuchs, bis hin zu Wäldern. Charakteristisch sind die Inselberge mit Granitbrocken.

* Alle Zahlen sind nach bestem Wissen und sorgfältig ermittelt, erheben aber keinen Anspruch auf aktuelle wissenschaftliche Genauigkeit!

Reise

Als Reisezeit hatte ich mir die Trockenzeit, Ende des dortigen Winters, ausgesucht. Dann sollte das Wild sich an den Wasserstellen konzentrieren und auch der Bewuchs nicht so dicht sein, so dass das Aufspüren und das freie Fotografieren einfacher würden. Für die 10 Tage im Kgalagadi hatte ich einen Spezialisten für das Gebiet mit dem Focus für Fotografen ausgesucht, dessen Angebot mit zwei Passagieren im Land Rover und drei Standorten mir auch ausgesprochen zusagte. Ein lokaler Guide sollte uns fahren und sich um alles kümmern. Solche Überlegungen braucht man für Madikwe nicht anzustellen, man kann nur in eine der (Luxus-)Lodges einbuchen und dann deren Programm mitmachen. Daraus entstand die Reisezeit von Ende August bis knapp Mitte September.

Zunächst ging es per Flieger bis nach Upington, wo wir von unserem Guide erwartet wurden. Der Rest des Tages wurde für aklimatisieren, essen und einkaufen (Proviant und sonstiges!!) für die nächsten 10 Tage genutzt. Am Tag 2 in SA ging es dann los – auf wunderbarer Teerstrasse dauerten die 300km von Upington bis zur Parkgrenze gerade mal 3,5 Std. Was hatten wir uns früher durch Sandpassagen im trockenen Flussbett des Molopo (etwa parallel zur Grenze mit Namibia) oder später über Schotterstrassen quer über die Dünen – also rauf und runter – gequält! So waren wir diesmal schnell am Eingang des Parks, in Twee Revieren. Dieses Camp bietet sehr viel Komfort und beherbergt auch Grenzpolizei sowie die Parkverwaltung, ist also sehr zivilisiert. Beeindruckend das neue Eingangsgebäude, welches Ausgänge in die beiden Staaten Botswana und Südafrika bietet.

Nach zwei Nächten ging es dann nach Norden, Richtung Dreiländer-Eck, dem so genannten „Union’s End“. Wir blieben aber 130km südlicher im Camp Nossob, immer noch sehr zivilisiert und komplett umzäunt. Nach einigen hundert Auslösungen des Kameraverschlusses auf Streifengnus und Spießböcke (Oryx) und vielen Kilometern zwischen den Wasserlöchern, unterbrochen von gutem und reichlichem Essen und Trinken, ging es dann in ein „Wilderness Camp“ im Westen, nahe Mata Mata, wo auch ein Grenzübergang nach Namibia ist.

Wilderness soll niemanden erschrecken, eher im Gegenteil: die wenigen Unterkünfte sind sehr komfortabel, aber es gibt keine Läden und auch keine Zäune. Man kann also tatsächlich die Geräusche der Natur wahrnehmen oder den Sternenhimmel geniessen!! Leider wurden wir bereits nach einer Nacht aus diesem Paradies vertrieben und mussten wieder nach Twee Revieren, es hatte wohl Probleme bei der Buchung gegeben. Das hat uns etwas verstimmt, zumal wir es nur so nebenbei erfuhren und auch in der kurzen Zeit dort höchst ergiebige und besondere Sichtungen hatten, beispielsweise die seltene und nachtaktive Schabrackenhyäne oder die Afrikanische Wildkatze, dazu über einige Zeit einen Kalahari Mähnenlöwen, der nicht nur schlafend herumlag! In Twee Revieren war es schon Routine, die aber Dank unseres Guides durchbrochen wurde. Statt einfach vor dem Schild „Durchfahrt verboten“ (die Strasse wurde repariert) zu kapitulieren, fand er einen Weg über die kleinen Pfade – wofür hat man auch einen 4×4?! – auf der Botswanaseite, so dass wir nicht die einzige Strasse zum x-ten Mal befahren mussten, sondern auch noch ausgiebig ein Löwenrudel beobachten konnten. Besonders interessant war das Verhalten zwischen den erwachsenen Löwinnen und zwei etwa vier Jahre alten Brüdern, die wohl vor der Vertreibung standen.

Derweil sorgte ihr Vater ein paar Kilometer entfernt mit einer anderen Dame des Harems unter viel Knurren und Zähnefletschen für kleine Löwen. Die Rückfahrt nach Upington zeigte aber nochmals deutlich, warum diese Provinz, Northern Cape; eine so geringe Bevölkerungsdichte hat. In unserem Quartier wurde dann noch ein bisschen Statistik betrieben: Wir sind im Park etwas 2.200km gefahren; wir haben p.P. pro Tag etwa 3ltr Wasser getrunken und für die Essenszubereitung gebraucht (es ging um den Geschmack, nicht die Sauberkeit des Leitungswassers); zusätzlich ist ein weiterer Liter an Säften, Bier oder Wein getrunken worden (gesund gelebt!) und wir haben pro Tag und Person etwa 500g an Fleisch verzehrt (nicht so gesund, aber sehr schmackhaft!) und schließlich haben wir rund 8.000 Bilder gemacht!! Wegen des Geschmacks des gebotenen Bieres hatten wir zwischenzeitlich natürlich eine Blind-Verkostung gemacht und waren mal wieder vom Deutschen Reinheitsgebot begeistert.

In Upington war dann auch Ende der ersten Runde, es hieß Abschied nehmen von meinem Reisepartner und die etwa 750km zum nächsten Ziel unter die Räder nehmen. Die erste Hälfte bis Vryburg habe ich noch als Beifahrer von unserem Guide erlebt, aber dann musste ich den Mietwagen übernehmen und selbst ans Steuer. Das verzögerte sich etwas, weil der vorgesehene Wagen einen Unfall hatte und somit Ersatz herbei musste. Hier hat sich die Hilfe des bisherigen Führers bewährt, und sei es als Dolmetscher – es war eigentlich die Fortsetzung einer rund um gelungenen Leistung. Vielen Dank noch mal!
Dann ging es los. Irritierend waren nur die Umbenennungen der Straßenbezeichnungen, aber ich war rechtzeitig in der Lodge, um noch am nachmittäglichen Gamedrive teilnehmen zu können. Während der vier Tage gab es schöne Sichtungen von „Wilden Hunden“ (aufgrund deren Seltenheit und auch riesigen Streifzüge keine Selbstverständlichkeit), von Breitmaul-Nashörnern, Mähnenlöwen, aber auch kleineren Objekten wie dem „Binden-Nektarvogel“. Außerdem war es sehr bequem von der Veranda des Chalets, die zum Trinken und Baden vorbeikommenden Tiere zu beobachten – selbst wenn dies auf Kosten der Siesta ging. Junge Elefanten sind immer wieder lohnende Objekte.

Drei Köche sorgten währenddessen für ein reichliches und köstliches Angebot, nahezu rund um die Uhr. Sehr gefährlich für das Hüftmaß! Aber auch das ging zu Ende, jetzt musste ich nur noch pünktlich zum Flughafen nach Johannesburg kommen. Dies gelang, trotz Freitagnachmittag, trotz Mautabschnitten auf der Autobahn, neuen Straßenführungen und Unmengen von Baustellen, insbesondere auf dem Flughafenzubringer zwischen Pretoria und Joburg. Wie schon öfters erlebt war der Rückflug mit LH kein reines Vergnügen: Verspätung; Stewardessen, die sich nur über Substantive verständigen wollten und ein Frühstück, das aus einem halbgaren Rührei mit Pilz-Sauce auf einem völlig durchweichten Toast bestand…Da wollte man glatt wieder zurück in den Urlaub!!

Vergleich der Besuchten Regionen

Kgalagadi Transfrontier Park

Die Aussagen beziehen sich hauptsächlich auf den südafrikanischen Teil des Parks, der unter der (öffentlichen) Verwaltung der SA NP (South African National Parks) steht. Dementsprechend sind auch die Parkregeln:
– strenge Zeiten für Ein- bzw Ausfahrt aus dem Camp, die durch die Tore geregelt werden,
– striktes Verbot des Verlassens der vier Strassen, was auch durch Ranger kontrolliert wird (siehe die Bilder in einer
„Wall of Shame“) in Nossob,
– ebenso ist es verboten, bis auf wenige markierte Stellen, das Auto zu verlassen,
– es sind auch nur geschlossene Fahrzeuge(kein Schibe- oder Hubdach) zugelassen,
– viele „kleinere“ Strassen sind nur für die Verwaltung bzw mit besonderer Erlaubnis als 4×4-Wege gegen weitere
Gebühr buchbar – das „Durchfahrt verboten Schild“ ist sehr häufig,
Die Einrichtungen der normalen Camps sind auf die Bedürfnisse der Einwohner von SA zugeschnitten, d.h. einfache, praktische, saubere, preisgünstige Anlagen, die für einen Urlaub/Camping in der Natur geeignet sind. Als Beispiel die mit Klimagerät ausgestatteten Häuser in Twee Revieren, wo in der Küche noch zwei einzelne Betten stehen, dafür aber der Esstisch im Schlafzimmer gelandet ist.
Etwas luxuriöser sind die kleineren, teureren „Wilderness Camps“, für die aber die gleichen Regeln gelten und die häufig von Naturliebhabern schon ein Jahr voraus gebucht werden.
Dazu gibt es noch eine (von mir nicht besuchte) Lodge, die in einem den Ureinwohnern – San- und Mier-Völkern – zurückgegebenen Gebiet des südafrikanischen Teils liegt.
Ebenso kann keine Aussage über die Camps auf der Botswana-Seite gemacht werden; die dort besuchten Campingplätze machten allerdings einen guten Eindruck, sind aber nur für absolute Selbstversorger.

Madikwe Game Reserve

Weil das Reservat nicht nur staatlich bewirtschaftet wird gelten ganz andere Regeln. Das „North Western Parks Board“ ist für die Infrastruktur und die allgemeinen Regeln verantwortlich. Weiterhin vergibt es Konzessionen an private Investoren zum Bauen und Betreiben von Lodges, wobei dabei die örtlichen Gemeinschaften eingebunden sind. Auffallend ist natürlich, dass hier die Gamedrives mit offenen Fahrzeugen, vielleicht mit Sonnensegel, durchgeführt werden. Auch können die Fahrten in die Nacht ausgedehnt werden und es ist erlaubt, auch mal die Pfade zu verlassen, um den Passagieren eine bessere Sicht zu ermöglichen. Dafür müssen aber Tagesbesucher über eine Lodge buchen, eigenes Herumfahren ist nicht gestattet –ausgenommen An- und Abreise.

Fotografieren

Kgalagadi Transfrontier Park

Die Empfehlung unseres Spezial-Reiseveranstalters hieß möglichst viel Brennweite (400mm und mehr) und Benutzung eines von ihm gestellten Scheibenstativs. Im Prinzip kann ich das verstehen, ich finde es aber wenig praktikabel.
Die lange Brennweite braucht man wegen der Gebundenheit an die Strassen und natürlich auch wegen der Vögel. Schwierig ist es aber mit den Platzverhältnissen auf dem Vordersitz, dort wird es bei etwas mehr Equipment einfach eng und dauernd den Hintermann fragen ist auch keine Lösung – der will schließlich fotografieren! Natürlich könnte man sagen, dann muß eben ein Wagen mit drei Sitzreihen her, das birgt aber wieder den Nachteil, dass dann das Fahrzeug noch sperriger wird. Die letzte Aussage gewinnt ihre Bedeutung aus den Strassen. Weil die Verwaltung des Parks die vier (Haupt-)Strassen monatlich pflegt, sind diese in einem vergleichsweise guten Zustand, liegen aber teilweise 50cm tief unter der Oberfläche. Hinzu kommt dann noch eine aufgeschüttete Schulter von auch 30 -50cm. Das hat positive und negative Effekte: Durch die Troglage werden die Autos am Verlassen der Strasse gehindert, was bei der empfindlichen Oberfläche dem Erhalt des Parkes dient. Durch die Tieflage des Autos wird zum Fotografieren eine andere Perspektive eingenommen, der überhöhte Standpunkt wird vermieden. Andrerseits behindert die tiefe Position die Sichtung, dies insbesondere dann, wenn auf der Schulter auch noch Gräser oder gar Büsche wachsen. Dann wird es sogar schwierig eine Stelle zu finden, die beiden Fotografen ein freies Schussfeld erlaubt. Wenn aber auch noch die Objekte der Foto-Begierde sich auf der Fahrerseite befinden und der Wagen gewendet werden muss, dann erklärt sich der Verzicht auf ein längeres Fahrzeug von selbst – es ist so schon eine zeitraubende Kurbelei und oftmals sieht man anschließend nur noch die Hinterteile der Tiere.
Mein Fazit:
Ein Scheibenstativ ist vielleicht bei längerem Warten am Wasserloch eine angesagte Lösung, insbesondere auch in Verbindung mit Köpfen wie dem „Gimbal“ oder „King Cobra“. Es bedarf aber an Stauplatz und Rüstzeit und besonders für den Vordermann immer der Hilfe. (Diese Konstellationen sind nur theoretisch und nicht von mir erprobt worden)
Die 500er Tüte (oder noch mehr) ist toll, aber weil man auch kürzere Brennweiten braucht für den Vordersitz nicht wirklich praktikabel, weil dann die eigenen Beine zu viel sind. Ein Einbeinstativ kann hilfreich sein.
Anmerkung:
Vielleicht ist es günstiger sich einen örtlichen Veranstalter zu suchen und mit diesem eine individuelle Vereinbarung für eine Kleinstgruppe zu treffen, als eine Spezialreise für Fotografen zu buchen, bei der die beworbene fototechnische Beratung mangels Anwesenheit eines Experten vor Ort dann einfach ausfällt.

Madikwe Game Reserve

Die ganz lange Brennweite ist wegen der größeren Freiheit für das Fahrzeug nicht so nötig, eigentlich auch gar nicht einsetzbar, weil keine Auflagen möglich sind und im Schlechtfall auch schlicht die Bewegungsfreiheit bei voller Besetzung der Sitzreihen fehlt. Bei genügend Kleingeld kann man allerdings „Private Safaris“ mieten, für zusätzlich etwa 500,-$ pro Tag hat man dann einen Wagen für sich….Leider sind die „normalen“ Ansprüche oft auch schon erfüllt, wenn die Tiere zu sehen sind – für solche Details wie störende Zweige oder auch eine bessere Position zur Sonne muss man als Fotograf schon insistieren. Selbst für das Abstellen des Motors musss extra gefragt werden, die Fahrer sind darauf nicht eingestellt. Die höhere Niederschlagsmenge sorgt für dichteren Bewuchs, was wiederum den Tieren ein Verstecken erlaubt oder anders rum das Fotografieren, inkl. Fokussieren, erschwert. Zusätzlich „springen“ dann noch Errungenschaften der Zivilisation – die allerdings den Komfort in den Lodges unterstützen – wie Strommasten plötzlich ins Bild.
Mein Fazit:
Ein recht lichtstarkes kürzeres Objektiv und vielleicht ein Einbein-Stativ sind ein praktikabler Kompromiss für den Einsatz im Normalprogramm, auch weil die Fahrten ja in die Nacht gehen. Da kann dann ein Blitz noch unterstützen.

Zusammenfassung

Anmerkung:
An den sogenannten „Big Five“ (Elefant, Nashorn, Büffel, Löwe und Leopard) muss doch etwas dran sein, schließlich hab ich Ihnen etwa ein Drittel der Aufnahmen gewidmet! Auch das Wort „Löwenanteil“ zeigt sich mir in völlig neuem Licht, denn knapp ein Viertel meiner Bilder entfällt auf die Kalahari-Löwen, große und kleine.

Ich hatte eine gute Erholung, habe die Tage „im Busch“ wieder genossen. Das Foto des Jahres muss noch warten, aber ich habe einige wunderschöne Erinnerungen – auch abgelichtet.