Ungestrafte Wilderei in Deutschland

Ob Luchs, Wolf, Eule, Uhu, Habicht oder Geier … in deutschen Schutzgebieten wird weit häufiger gewildert, als allgemein bekannt.

Luchs_Mondberge-Artenschutzkalender © Marko König

Luchs_Mondberge-Artenschutzkalender 2016 © Marko König

Wilderei, also die illegale Tötung wilder Tiere, ist heutzutage jedem bekannt. Zunächst assoziiert man diesen Begriff allerdings mit fernen Ländern in Afrika oder Asien. Nicht ohne Grund kritisieren wir die dortigen Behörden und erwarten ein striktes Vorgehen gegen Wilderer, aber hier in Deutschland entkommen die Täter fast immer. Insbesondere Raubtiere und Greifvögel werden häufig vergiftet, abgeschossen, mitsamt ihrem Nachwuchs ertränkt oder unauffindbar verscharrt. Abgetrennte Gliedmaßen und ähnliche Funde zeugen von den grausamen Taten gegen die streng geschützten Arten. Im Frühling dieses Jahres wurden beispielsweise Beine von verschiedenen Luchsen gefunden. Untersuchungen belegten später sogar, dass eines der Tiere einige Monate vor seinem Tod bereits angeschossen worden war. Auch mit ausgelegten Ködern, die mit offiziell längst verbotenen Nervengiften verseucht werden, töten Wilderer Tiere in unseren Nationalparks. Herumstreunende Waisen sind ein weiterer, trauriger Beleg für viele illegale Tötungen. Die Jungtiere können allein nicht überleben und verhungern, sofern sie nicht von Menschen gefunden und versorgt werden.

Wolf_Mondberge-Artenschutzkalender 2014 © Bollmann
Wolf_Mondberge-Artenschutzkalender 2014 © Bollmann

Wölfe sind ebenfalls ein häufiges Ziel der Wilderer. Schon mehrmals wurden ihnen die Köpfe abgetrennt, und auch ihre Nachkommen kämpfen ums Überleben.

Eulen, Uhus und andere Greifvögel verenden an den wohl für Raubtiere bestimmten vergifteten Ködern, aber sie werden auch ganz gezielt getötet, und zwar in beträchtlichem Maße. In den Jahren 2004 bis 2014 erfasste man 680 Fälle, wobei mindestens 1.130 Vögel gefangen, verletzt oder umgebracht wurden, auch ihr Nachwuchs blieb nicht verschont. Offiziellen Schätzungen zufolge kommen 90 % der Tötungen gar nicht ans Licht.

Steinkauz © Bernd Liedke
Steinkauz_Mondberge-Artenschutzkalender 2012 © Liedke

Als Motiv für die gewissenlosen Taten kommen meistens nur Herrschsucht und Engstirnigkeit in Betracht, in manchen Fällen die Trophäenjagd. Geld kann kaum der Grund sein: Für die getöteten Tiere gibt es so gut wie keinen Absatzmarkt, die Ertragschancen sind also sehr gering. Und werden Haustiere gerissen, erhalten die Besitzer häufig Entschädigungen. Vieles lässt den Schluss zu, dass die Täter die Natur kontrollieren und gegen den Naturschutz vorgehen wollen. Die Erschließung neuer sowie der Erhalt bestehender Schutzgebiete stoßen bedauerlicherweise nach wie vor vielerorts auf Protest und Widerstand.

Die Ermittlungsarbeiten gestalten sich schwierig. In den meisten Bundesländern ist die örtliche Polizeidienststelle, die nicht genügend Personal und Mittel zur Verfügung hat, zuständig. Nur in Sachsen hat seit Anfang letzten Jahres das Landeskriminalamt übernommen.

Neben dem Verlust für die Umwelt wird auch der materielle Schaden im Allgemeinen unterschätzt. Die Pflege, Auf- und Nachzucht von bedrohten Arten kostet Geld und erfordert einen langfristigen, umfänglichen Arbeitseinsatz. Zahlreiche Naturschutzorganisationen wie z. B. der BUND fordern daher eine Bekämpfung und Strafverfolgung auf Bundes- oder zumindest Landesebene mit klaren Zuständigkeiten. In Spanien gibt es bereits erfolgreiche Kooperationen zwischen Schutzverbänden und der Regierung. Umwelt- und Wildtierkriminalität fällt dort eindeutig in das Aufgabengebiet einer Spezialeinheit der Guardia Civil. Naturschützer schulen die Polizisten, damit diese die Glaubwürdigkeit von Zeugenaussagen besser einschätzen und Spuren analysieren können. Darüber hinaus tragen unter anderem die von Naturschützern installierten Kamerafallen zur Strafverfolgung bei. Die konsequente Zusammenarbeit trägt Früchte, die Wilderei wurde fast gänzlich unterbunden.

Wie können wir international für Artenschutz argumentieren und weiträumige Schutzgebiete fordern, wenn wir in Deutschland trotz organisierter Behörden unseren eigenen kleinen Wildtierbestand nicht schützen können?

Der BUND sammelt derzeit Stimmen zur Rettung des Luchses im Bayerischen Wald. Helfen Sie mit:
https://www.bund-naturschutz.de/aktionen/stoppt-die-wilderer-rettet-den-luchs.html

Einen ausführlichen Bericht zum Thema finden Sie unter
http://www.spektrum.de/news/wilderei-bedroht-geschuetzte-arten-in-deutschland/1371839