Eine allgegenwärtige und doch unsichtbare Gefahr für Gorillas, ihre Lebensräume sowie für zahlreiche andere Arten ist der stetig wachsende Energiebedarf der Menschheit und seiner Folgen für die Artenvielfalt.

Die Produktion von Holzkohle ist vielerorts eine der größten Bedrohungen für den Lebensraum der Gorillas. Betroffen sind insbesondere die Berggorillas im Virunga Nationalpark der Demokratischen Republik Kongo. Der stärkere Einsatz von Solarkochern, effizienteren Öfen und Wiederaufforstungsmaßnahmen sind dringend notwendig, um diese Entwicklung aufzuhalten. Das Jahr des Gorillas (YoG2009) unterstützt ein Projekt im Gebiet der Berggorillas, das der lokalen Bevölkerung ermöglicht, günstig effizientere Öfen zu erwerben. Diese verbrauchen bis zu 70% weniger Holz und Holzkohle aus den umliegenden Wäldern, in denen Gorillas beheimatet sind.

Fossile Energieträger stellen ein weiteres Problem dar. Die Ölexploration im Petit Loango Feuchtgebiet in Gabun bedrohte zuletzt die dort lebenden Westlichen Flachlandgorillas, wurde jedoch aufgrund zu geringer Vorkommen eingestellt. Die Suche nach nuklearen Brennstoffen kann ähnliche Auswirkungen haben.

Robert Hepworth, Exekutivsekretär des Übereinkommens zum Erhalt der wandernden, wildlebenden Tierarten (Bonner Konvention, UNEP/CMS) erklärte: „Die Übernutzung von natürlichen Ressourcen muss gestoppt werden. Dies ist das Kernelement einer jeden Nachhaltigkeitsstrategie. Die Erhaltung der afrikanischen Regenwälder kann die Auswirkungen des Klimawandels abmildern. Der internationale Emissionshandel sollte dahin gehend genutzt werden, Länder für den Schutz ihrer Gorillas und der Lebensräume zu honorieren.“

Eine weitere dramatische Entwicklung ist die Verpachtung großer Flächen in Ländern mit Gorillapopulationen an internationale Investoren, die dort Lebensmittel, aber auch Biokraftstoffpflanzen anbauen. Die daraus resultierende Schädigung und Zerstörung der Wälder bedroht zahllose Tier- und Pflanzenarten. Darüber hinaus hat Palmöl als ein wichtiger Bestandteil der Nahrungsproduktion und Biokraftstoff aufgrund der dadurch verursachten Waldzerstörung eine negativere Co2-Bilanz als die fossilen Kraftstoffe, die es ersetzen soll.

Neben den unmittelbaren Auswirkungen ziehen solche Industrien auch relativ gutbezahlte Arbeiter an, die mit ihrer Nachfrage den Buschfleischhandel und die Jagd auf Wildtiere verstärken. Dies hatte bereits 2000-2001 beim Coltanboom in der Demokratischen Republik Kongo viele Gorillas das Leben gekostet.

Menschenaffen und andere große Säugetiere sind Schlüsselarten in ihren Ökosystemen und verteilen Milliarden Pflanzensamen durch die Darmpassage, die überlebensfähiger sind als einfach zu Boden gefallene Samen. Ian Redmond, Botschafter des Jahres des Gorillas, betonte: „Ich bin stolz, Botschafter für das Jahr des Gorillas zu sein. Neben ihrer faszinierenden Ähnlichkeit zu uns Menschen ist es vor allem ihre ökologische Schlüsselrolle, die Gorillas so besonders macht. Nur Elefanten verteilen noch mehr Pflanzensamen als diese Gärtner des Urwalds. Sie stehen symbolisch für das Überleben des Regenwaldes und damit auch für die Stabilität des Weltklimas. Rettet die Gorillas um die Welt zu retten!“

Zerstörung und Schädigung von tropischen Wäldern fördern in erheblichem Maße den Klimawandel. Nahezu ein Fünftel (4,8 Milliarden Tonnen) des weltweit aus fossilen Brennstoffen freigesetzten Co2 wird von tropischen Wäldern reabsorbiert. Die afrikanischen Wälder spielen hierbei mit 1,2 Milliarden Tonnen Co2 eine wichtige Rolle.

Angela Meder von der deutschen Gorillaschutzorganisation Berggorilla & Regenwald Direkthilfe e. V. fügte hinzu: „Wir feiern in diesem Jahr unser 25-jähriges Bestehen. Unsere Organisation unterstützt Projekte zum Schutz von Gorillas durch schnelle, unbürokratische Hilfe. Daher fördern wir die Wiederaufforstung einer Bergwaldfläche am Rand der Virunga-Nationalparks in der Demokratischen Republik Kongo.“

Gorillas sind zahlreichen anderen Gefahren ausgesetzt, insbesondere sind dabei Verlust und Schädigung von Lebensraum, Bejagung und Buschfleischhandel, Krankheiten und Epidemien, weitere Rohstoffförderung sowie die Folgen bewaffneter Konflikte zu nennen. Deshalb haben das Übereinkommen zum Erhalt wandernder wildlebender Tierarten (UNEP/CMS), die UNEP/UNESCO Partnerschaft für das Überleben der Menschenaffen (GRASP) und der Weltverband der Zoos und Aquarien (WAZA) 2009 gemeinsam zum Jahr des Gorillas erklärt.