Frankfurt, 10. Juni: „Am Beispiel des Gorillas wird deutlich, wie komplex unsere Lebensräume sind. Gorillaschutz ist nicht nur Artenschutz, sondern auch Klimaschutz und vor allem ein Beitrag zur Armutsbekämpfung in Zentralafrika“, so Bundeskanzlerin Angela Merkel in ihrem Grußwort zum internationalen Gorillaschutz-Symposium im Zoo Frankfurt.

Unter dem Titel „Sanfte Riesen in Not“ kamen dort vom 9.-10. Juni erstmalig rund 200 Regierungsvertreter/innen, Naturschützer/innen, und Experten/innen aus mehr als 20 Ländern zusammen, um anlässlich des UN-Jahres des Gorillas über die Gefährdung und Wege eines besseren Schutzes dieser Menschenaffen zu diskutieren. In der „Frankfurter Erklärung“ riefen die Teilnehmer/innen des Symposiums dazu auf, sich aktiv gegen die Zerstörung der Regenwälder, Wilderei und unkontrollierten Rohstoffabbau einzusetzen. Hier stehen vor allem dauerhafte Maßnahmen, wie die Friedenssicherung in den Bürgerkriegsregionen an erster Stelle.

Für den Erhalt der faszinierenden Primaten ziehen Bundesumweltministerium (BMU) und Bundesentwicklungsministerium (BMZ) an einem Strang. „Im Jahr des Gorillas verstärkt die Bundesregierung ihr vielfältiges Engagement in Afrika zugunsten von Artenschutz und Armutsbekämpfung, denn die Zerstörung des Waldes und der Gorilla-Lebensräume gefährdet auch die Lebensgrundlage der Menschen vor Ort.“, sagte BMU-Staatssekretärin Astrid Klug stellvertretend für beide Ministerien. So hat sich der Ökotourismus in den afrikanischen Nationalparks zu einer entscheidenden Einkommensquelle entwickelt. Ein Gorilla kann im Laufe seines Lebens indirekt 4 Mio. US $ durch sanften Tourismus „erwirtschaften“. Darüber hinaus sichern die Gorilla-Wälder auch die Lebensgrundlage der Menschen vor Ort. Für die lokale Bevölkerung spenden diese Wälder Wasser, Energie, Nahrung und Heilpflanzen, weltweit leisten die Regenwälder Zentralafrikas einen unverzichtbaren Beitrag zum Klimaschutz.

Robert Hepworth, Exekutivsekretär des vom UN-Umweltprogramm verwalteten Sekretariats der Bonner Konvention erklärte: „Wir müssen alle Mittel einsetzen, um die Gefahren für Gorillas zu mindern. Dazu gehört der Schutz von Wäldern zur Absorbierung von Kohlendyoxid und der Einsatz von Wildhütern durch Einkünfte aus dem Gorilla Tourismus. Ein Bündnis aus Regierungen und NGOs hat die Berggorillas in den letzten 20 Jahren erfolgreich geschützt. Wir müssen dieses Konzept auch bei den Flachlandgorillas und anderen bedrohten wandernden Tierarten anwenden.“

Gorillas gehören zu unseren nächsten Verwandten, trotzdem sind alle vier Unterarten bedroht. Die Abholzung der Wälder, Wilderei, illegaler Handel, kriegerische Konflikte, Seuchen wie Ebola, und der ungeregelte Abbau von Bodenschätzen sind die größten Bedrohungsfaktoren. Sogar die Nationalparks sind von der raschen Zerstörung nicht ausgenommen. Beispielhaft dafür stehen die letzten Berggorillas im Osten der Demokratischen Republik Kongo. Nur etwa 700 Tiere gibt es noch von dieser Art, und sie alle leben im Dreiländereck DR Kongo, Uganda und Ruanda. Bürgerkriege erschüttern die Region seit Jahrzehnten und hier gilt es vor allem auch die katastrophale humanitäre Situation zu entschärfen. Mehr Sicherheit in der Region und eine nachhaltige Bewirtschaftung der natürlichen Ressourcen öffnen Chancen für die Menschen und für die Tierwelt.

Unterstützt vom Umweltprogramm der Vereinten Nationen hat die Bonner Konvention den rechtlichen Rahmen für Schutzmaßnahmen von Gorillas und ihrer Lebensräume geschaffen. Besonders wichtig ist hierbei das Engagement staatlicher Stellen und privater Naturschutzorganisationen, wie das der Zoologischen Gesellschaft Frankfurt, die Bernhard Grzimeks Engagement auch heute noch, zusammen mit zahlreichen anderen Organisationen fortführt. Ohne die Nationalpark-Ranger, die überall in Afrika unter schwierigsten Bedingungen und oft unter Lebensgefahr ihren Dienst tun, wären die Weltnaturschätze längst verloren.

BMZ und BMU verfolgen in den Gorillaregionen einen Ausgleich suchenden Naturschutz, der besonders die Entwicklungsinteressen der lokalen Bevölkerung berücksichtigt. Gerade in Krisenzeiten sind intakte Ökosysteme für die notleidende Bevölkerung überlebenswichtig. Naturerhaltung für die Menschen ist nur mit den Menschen möglich. Aufgrund des zunehmenden Drucks auf die Regenwälder Zentralafrikas sind Ansätze notwendig, die nicht nur versuchen biologische Vielfalt zu erhalten, sondern auch die dazu notwendigen ökonomischen und politischinstitutionellen Rahmenbedingungen schaffen. Dafür setzt sich die deutsche Entwicklungszusammenarbeit ein.

Veranstaltet wurde das Symposium im Rahmen des UN-Jahres des Gorillas und des 30. Jahrestages der Bonner Konvention zum Schutz wandernder, wild lebender Tierarten in Zusammenarbeit mit Organisationen und Institutionen unter Federführung des Bundesumweltministeriums. Die Veranstaltung fand im Zoo Frankfurt statt, dessen ehemaliger Direktor Prof. Dr. Bernhard Grzimek im April seinen 100. Geburtstag gefeiert hätte und der sich bereits vor mehr als 50 Jahren für die Berggorillas im Osten des Kongos stark gemacht hatte.