Seit den neunziger Jahren hat sich in Ostafrika eine Konkurrenz zu Kenia’s Tierparadiesen etabliert:
Bernhard Grzimek hatte die Savanne in Tansania mit seinem Film „Serengeti darf nicht sterben“ schon berühmt gemacht, jetzt wurde sie auch in Pauschalreisen erreichbar. Das Standardprogramm umfasste einen Blick auf die gewaltigen Vulkane Meru und Kilimandscharo – damals auch noch mit viel Eis auf dem Gipfel – und den Besuch im Arusha Nationalpark zur Akklimatisierung. Dann ging es über grausame Schotterpisten, das war ein zusätzlicher Eintrittspreis, zu den Tierparadiesen Serengeti NP und Ngorongoro Crater. Zusätzlich wurden noch die „Baumlöwen“ im Lake Manyara NP besucht. Das System Serengeti mit dem gleichnamigen Nationalpark, der Ngorongoro Conservation Area, den Schutzgebieten wie Loliondo oder Grumeti und der Masai Mara in Kenia beherbergt auf seinen 30.000qkm eines der größten Naturschauspiele der Welt: „The great Migration“.

Über eine Million Streifengnus und etwa 200.000 Zebras wandern während des Jahres dem frischen Gras folgend in einem großen Zirkel durch das Gebiet. Entsprechend den wachsenden Besucherzahlen wuchsen auch die Anzahl der Lodges und deren Bettenkapazität. Wer außer den imposanten Tiersichtungen auch noch das nächtliche Afrika mit seiner Geräuschkulisse und Magie erleben will, der muss noch mal tiefer in die Tasche greifen!

Saisonale Zeltcamps mit großen Zelten, richtigen Betten und en-suite-Badezimmern bieten Intimität und gleichzeitig Naturnähe. Wer mag, kann sich diese Art des Reisens und der Unterkünfte z.B. auf der Website eines Schweizer Spezialanbieters genauer anschauen: www.flycat.com

Ein Blick auf die nebenstehende Karte zeigt im Norden Tansanias noch den durchaus sehenswerten Tarangire-NP.
Außerdem sind aber weitere riesige Gebiete grün markiert – Schutzgebiete wie Selous oder Nationalparks wie Ruaha.

Zu den Größenordnungen:
Ruaha-NP: 10.000qkm, vglb. Kärnten
Serengeti-NP: 15.000qkm, vglb. Schleswig-Holstein
Selous-Reservat: 50.000qkm, vglb. Niedersachsen

Serengeti:
mehr als 2.500 Löwen
mehr als 8.000 Hyänen
mehr als 200.000 Zebras
mehr als 1.000.000 Gnus
mehr als 500 Vogelarten

Diese Karte bot die Verlockung, neue Regionen zu sehen und das Versprechen, sich nicht bei jedem besonderen Ereignis mit zig Minibussen um die beste Sicht streiten zu müssen.
Die Lösung hieß: Verbinde Altes und Neues, also Wiederholung eines Besuches in dem Serengeti-NP, dann in den Mahale NP am Tanganjika-See, weiter zum abgelegenen Katavi-NP und Abschluss in den Ruaha NP. Das Ganze mit einer Art Charterflug (es gibt zweimal in der Woche einen „Rundflug“ mit festen Zeiten zu den Nationalparks), um die riesigen Entfernungen zu überwinden.

Anreise

Auch wenn das sehr wenig mit Tierbeobachtungen und Fotografieren zu tun hat, sie muss nun mal sein. Also buchte ich mir bereits im Mai zu meiner Pauschalreise im Juli ab Dar-es-salam einen Flug per Internet. Als ich dann frohgemut am Schalter stand, hatte man keinen Platz für mich – ich hatte bei der Eingabe schlicht und einfach die Hinreise für Juni gebucht; kleiner Buchstabentausch mit großer Wirkung! Dank der Kulanz der Fluggesellschaft und einiger Umstellungen durch den Reiseveranstalter bin ich dann noch mit einem halben Tag Verspätung im Zeltcamp angekommen und hatte nur den Aufenthalt in Arusha verpasst – ich hatte zwischendurch leicht erhöhten Blutdruck…

Serengeti NP – Bolongonja

Während der jährlichen Wanderung bewegen sich die Gnus von den südlichen Ebenen um Ndutu, wo im Frühjahr (Februar/März) hunderttausende von Kälbern geboren werden, langsam ab etwa Mai nach Norden. Das ist nicht ein gerader zügiger Weg, sondern ein Bilden von Gruppen, die sich manchmal wieder teilen und dann auch mal rückwärts oder seitwärts bewegen. Wenn das Gras saftig genug ist wird auch länger an einem Platz geblieben, so dass keine genaue Vorhersage des Standpunktes und der Marschgeschwindigkeit der großen Masse möglich ist. Normalerweise erreichen die meisten der mehr als 1Mio auf Wanderschaft befindlichen Gnus im Juni/Juli die nördlichen Gebiete des Serengeti NP, bevor es dann über die Grenze – auch mit den spektakulären Flussüberquerungen – nach Kenia in die Masai Mara geht. Deswegen war also das mobile Camp im Bologonja-Gebiet aufgebaut, nahe der Grenze am Sand-River. Wir hatten Glück, es hatte geregnet und so war der Zug langsam gewesen und wir befanden uns für ein paar Tage mitten drin, mitten in der großen Wanderung! Es ist einfach faszinierend, diese schiere Masse an Grasfressern mit einer unerklärlichen Systematik für Bildung von Marschreihen, die sich auch im Kreis bewegen, die Kolonne verlassen und sich anschließend wieder in kleinen oder großen Herden sammeln, zu beobachten. Dazu kommt eine monotone Geräuschkulisse, ein Laut wie „gnuu“, der wohl den Tieren den Namen gab, denn all die Mütter und Kälber bleiben so in Verbindung.

Die Löwen in der Gegend hatten ein reichliches Angebot an Beutetieren und nutzten es auch.

 

Mahale NP (Tanganjika-See)

Mahale ist einer der kleineren und auch abgeschiedenen Nationalparks in Tansania. Er ist im Südwesten des Landes, direkt am Tanganjika-See, gelegen und umfasst etwa 1.600qkm in einer Bergwelt mit Höhen bis zu 2.400mtr. Der Park ist praktisch nur per Flugzeug zu erreichen und die Camps werden dann mit dem Boot angesteuert. Es gibt auch keine Game Drives, mangels Wegen, und somit wird der Hauptattraktion des Parks, den Schimpansen, zu Fuß nachgespürt! Hier leben etwa 800 -1000 Östliche Schimpansen (Pan troglodytes schweinfurthii), die seit den sechziger Jahren von japanischen Forschern beobachtet werden. Dadurch ist eine Gruppe von rund 60 Mitgliedern habituiert und kann nun auch von Touristen besucht werden. Dafür gelten strenge Regeln: nur in Begleitung von Parkrangern, maximal 6 Personen, eine Stunde Aufenthalt bei den Tieren – mit Mundschutz – und wenn man Pech hat ist gerade eine andere Besuchergruppe kurz vorher angekommen. Dann heißt es warten und hoffen! Es geht allerdings zu christlicher Zeit los – unsere Verwandten sind keine Frühaufsteher und so reicht es für langes Schlafen und ein gemütliches Frühstück bevor man startet. Das Gelände ist steil, ab und zu kann man Trampelpfaden folgen, aber oft geht es auch durchs Dickicht und das ist bei der hohen Luftfeuchtig-keit leicht schweißtreibend. Mit dem Rucksack auf dem Rücken muss man sich noch tiefer unter Ästen bücken – für körperliche Ertüchtigung ist gesorgt. Geben schließlich die Ranger ein Signal, sie haben nämlich etwas gehört, dann wird auch noch das Tempo beschleunigt und leicht außer Atem darf man in 20mtr hohen Wipfeln schwarze Knäuel bestaunen.

Der Alptraum eines Fotografen: Schwarzes Objekt vor dunkelgrünem Hintergrund umrahmt von grellem Licht!! Also wird das Tele aufgesetzt und mit hohen ISO-Werten versucht, nur einen Ausschnitt abzulichten.

Aber sofort wurde mir die nicht gestellte Frage beantwortet, was heißt eigentlich „affenartige Geschwindigkeit“? In Sekunden kam mein Modell den Baum runter, um unter brutaler Verletzung der Abstandsregel und ohne mich auch nur eines Blickes zu würdigen an mir vorbei im Dickicht zu verschwinden… Der Rest der Gruppe folgte, halb laufend, im dichten Gestrüpp. Resultat: höchst beeindruckend, aber ohne brauchbare Bilder! Also hieß es zusammenpacken und Rückweg – plötzlich sitzen unsere Schimpansen mitten auf einem Pfad (natürlich im Gegenlicht!) und beobachten, ob wir unsere Kameras schnell startklar machen können!

Aber sofort wurde mir die nicht gestellte Frage beantwortet, was heißt eigentlich „affenartige Geschwindigkeit“? In Sekunden kam mein Modell den Baum runter, um unter brutaler Verletzung der Abstandsregel und ohne mich auch nur eines Blickes zu würdigen an mir vorbei im Dickicht zu verschwinden… Der Rest der Gruppe folgte, halb laufend, im dichten Gestrüpp. Resultat: höchst beeindruckend, aber ohne brauchbare Bilder! Also hieß es zusammenpacken und Rückweg – plötzlich sitzen unsere Schimpansen mitten auf einem Pfad (natürlich im Gegenlicht!) und beobachten, ob wir unsere Kameras schnell startklar machen können!

Nebenbei, man trifft eigentlich immer nur auf eine Untergruppe von 5 – 10 Tieren, also nicht etwa auf die gesamte Gruppe M mit ihren 60 Mitgliedern.

Andere Aktivitäten sind Schnorcheln, der See ist klar und warm und hat eine reiche Vielfalt an Buntbarschen.
Es gibt also einen ausreichenden Anteil für Entspannung!

Katavi NP

Der drittgrößte Nationalpark Tansanias (4.500qkm) ist wohl der abgelegenste und sehr selten besucht. Vom Ufer des Tanganjikasees aus betrachtet liegt er sozusagen „ hinter“ den Mahale-Bergen, aber mir war der knapp einstündige Flug nach Osten die willkommene Alternative. Es gibt keine ganzjährigen Unterkünfte sondern nur saisonale Zeltcamps, da während der Regenzeit die „Strassen“ unpassierbar sind. Lebensader für eine große Zahl an Wildtieren ist der Katuma-Fluß, der aber in der Trockenzeit zu einem Rinnsal und einigen Tümpeln verkümmert. In diesen sammeln sich dann auf engstem Raum bis zu 200 Flusspferde – die Enge führt immer wieder zu Aggressionen und blutigen Revierkämpfen. Katavi hat die dichteste Population von Flusspferden in Tansania.

Mit den Hippos teilen sich große Krokodile die letzten Wasserreste im Fluss, was die ausgesprochne Vorsicht der Grasfresser beim Trinken nachhaltig erklärt. An den beiden Seen Katavi und Chada, die aber mehr Sümpfen ähneln, sammeln sich große Herden von Elefanten und Büffeln, aber auch andere Antilopen und natürlich Raubtiere sind reichlich vertreten – ganz im Gegensatz zu Safarifahrzeugen.

Für mich war es zusammen mit dem Kafue NP in Sambia der Park mit dem höchsten Ursprünglichkeitsgrad Afrikas! Oder kam das von den in beiden Parks stellenweise dicht vertretenen Tsetsefliegen???

 

Ruaha NP

Auch der zweitgrößte Nationalpark Tansanias (10.00qkm, etwas größer als Kärnten) ist nicht so überlaufen.
(Anmerkung: Bei diesen Aussagen zur Größe habe ich mich ausschließlich auf Nationalparks bezogen, Wildschutzgebiete sind nicht betrachtet oder mitgerechnet worden…)

Der Park ist über 130km Schotterpiste mit dem Auto von Iringa aus zu erreichen, bequemer und schneller geht es per Flugzeug von „Dar“ – der schon erwähnte Kreisel. Die Landepiste ist beim Hauptquartier und von da ist man schnell im „erschlossenen“ südlichen Teil des Parks. Gemessen an der Gesamtgröße ist nur ein recht kleiner Teil mit Strassen ausgebaut. Lebensader des Parks, insbesondere für eine große Elefantenpopulation ist der „Great Ruaha River“, zur Regenzeit sehr mächtig, in der Trockenzeit aber nur noch eine Kette von Wassertümpeln. Seine Nebenflüsse verkümmern dann zu Palmen gesäumten Sandbändern, der häufig vorkommende Name „XXX Sand River“ lässt es ahnen. Diese Elefanten stehen auch schon mal auf den Wegen im Camp und ersparen den Heckenschnitt – allerdings heißt es dann auch warten bis der Weg zum Abendessen wieder frei wird.

Ruaha liegt in Zentraltansania und damit in einer Übergangszone zwischen der Akaziensavanne Ostafrikas und dem Miombowald des südlichen Afrika. Dies erklärt auch das Überschneiden von Lebensräumen. Beispielsweise sieht man hier die südlichsten Vorkommen der Grant-Gazelle, dem typischen Partner der Thompson-Gazellen. Beide sind weit verbreitet in Kenia und Nordtansania. Umgekehrt leben hier die nördlichsten Herden von Pferde- und Rappen-Antilopen. Ähnliche Beispiele gibt es auch in der Vogelwelt.

Fast selbstverständlich wird auch noch ein Klischee bedient, riesige Affenbrotbäume mit ihren an Wurzeln erinnernden Ästen rücken ganz schnell die Größenverhältnisse zu den Tieren wieder zurecht. Außerdem eignen sie sich perfekt als Scherenschnitt vor der kitschig untergehenden Sonne – dann schmeckt der traditionelle Sundowner noch mal so gut.

„Karibu – Auf Wiedersehen“