Oder: Die ungeliebte Verschlagwortung nach der Foto-Safari.

Welch blöde Frage wird sich mancher denken und vielleicht noch mehr über die Antwort überrascht sein: Sie sind es auch! (allerdings ist auch die Frage wissenschaftlich nicht ganz korrekt formuliert).

Fotosafari in Afrika

Kob mit Grashalm

Leider sind die Safaritage viel zu schnell vorbeigegangen und der Adrenalinspiegel wird wieder durch ganz andere Dinge (keine Big Five) bestimmt, da hat der leidenschaftliche (auch Hobby-)Fotograf die meistens viel unangenehmeren Aufgaben zu stemmen:

Sortieren, Bearbeiten und Benennen.
Meine persönliche Abneigung steigt in genau der Reihenfolge der Nennung!
Es ist doch auch viel schöner – mit Hilfe eines Guide – Tiere in großer Vielfalt zu entdecken und hoffentlich technisch einwandfrei sowie aussagekräftig abzulichten!! Womit aber schon ein Problem genannt sein kann: Die meisten Guides kennen alle Tiere mit den englischen Namen und können einem auch noch in Büchern weitere Details, auch den lateinischen, wissenschaftlichen Namen nennen. Wer schreibt sich das aber schon sorgfältig und strukturiert auf, wenn doch wieder ein herrliches Motiv lockt??

Katalogisierung

Eines meiner Probleme sind die „Falschen Freunde“: „buck“ ist nicht immer „Bock“ oder ein „beeeater“ heißt nicht immer „Bienenfresser“, sondern kann auch zum „Spint“ werden …Zurück zu den Wasserböcken unserer letzten Safari in Uganda. Häufig gesichtet und fotografiert wurden Wasserbock und Grasantilope. Bei genauerem Hinsehen ist das nicht präzise, weil Wasserbock gleichzeitig für die Gattung >lat. Kobus< (also eine Stufe höher in Richtung Hornträger) gebraucht wird. Der Wasserbock als Artbegriff muss also in diesem Fall um einen Vorsatz erweitert werden. Es gibt im südlichen Afrika auch noch den Ellipsen-Wasserbock >lat. Kobus ellipsiprymnus<, dessen Spiegel aber nicht vollständig mit weißer Farbe ausgefüllt ist, wie beim gesichteten Defassa-Wasserbock >K. e. defassa<.

Gruppe Ellipsen-Wasserböcke

Defassa-Wasserbock
Unter dem Begriff Kobus gibt es noch eine weitere Reihe von Arten und Unterarten.
Einmal >K. megacorus<, zu Deutsch – und hier wird die Verwirrung deutlich – „Weißnacken-Moorantilope“ oder „Frau Grays Wasserbock“. Siehe oben: Sie sind es auch!
Zum andern gibt es noch >K. vardonii<, den oder das „Puku“ und den >K. kob<, den „Uganda Kob“ und den >K. leche<, „Rote Moorantilope<.

 

 

 

 

Rote Moorantilope
Puku
 

Uganda Kob

Soweit die Gattung >Kobus<. Zusammen mit den >Redunca<, „Riedböcke“ bildet sie als nächst höhere Stufe die Unterfamilie der >Reduncinae< und darüber haben wir dann die mächtige Familie der >Bovidae<, der „Hornträger“.

Einfach gesagt, Wasserbock allein steht für eine höhere Stufe und es bedarf eines Zusatzes zu diesem Namen, um die fotografierte Antilope (genau) zu beschreiben!
Man kann aber in Afrika nicht viel verkehrt machen, wenn man erst mal alles was Gras frisst und nicht nach Affe, Flusspferd, Nashorn oder Elefant aussieht mit Hornträger bezeichnet!!!

Impala
Wie passen aber nun die „Antilopen“in diese Systematik? So ein Impala, „Schwarzfersenantilope“ sieht einem Kob oder Puku doch sehr ähnlich! Wo bleiben letztendlich die Gazellen?

 

 

 

 

Hier kann ich mich der Meinung von Markus Kappeler anschließen, dass der Begriff „Antilope“ eine Gruppierung innerhalb der Hornträger ist, die etwas quer zu den wissenschaftlichen Einordnungen liegt, die aber auch ständig Änderungen unterworfen sind.

Für uns Fotografen würde ich das so beschreiben, dass wir ein zusätzliches Tag vergeben können/dürfen. Meine Interpretation ist, dass man eine Sortierung nach „haustiernahen“ und „frei lebenden“ Hornträgern versucht hat, also Rinder, Ziegen und Schafe ausschloss.
Als Beispiel mag, aus der Systematik nach Wilson & Reeder, die Unterfamilie >Bovinae<, zu Deutsch „Waldböcke und Rinder“, herhalten.

Großer Kudu
Lässt man nämlich die Gattung >Bos< gleich „Rinder“ und auch >Syncerus< gleich „Afrikanischer Büffel“ und ähnliche weg, so gelangt man zur Gruppierung „Drehhorn-Antilope“ nach Kappeler. Der kleine Trick dabei ist die (Rück-)Übersetzung des englischen „Spiraling horns antelope“ und die Gleichbedeutung mit dem älteren deutschen Wort „Waldböcke“, weil diese Antilopen stärker als viele andere Arten sich eben im Wald aufhalten.

 

 

 

 

Zur Abrundung, unter den „Gazellenartigen“ werden dann die Giraffen-Gazelle, der Springbock und die Schwarzfersen-Antilope (siehe oben) aufgeführt.

Fazit für Katalogisierung von Tierbildern aus Afrika

Mein Plädoyer für uns Fotografen lautet: lasst uns die gebräuchliche, vielleicht nicht ganz so wissenschaftlich exakte, Bezeichnung* für unsere hoffentlich phantastischen Bilder wunderschöner Tiere in atemberaubender Natur benutzen!! Wie lieben unsere Antilopen!

*siehe: http://afrikareisen.info/afrikanische-wild-tiere/antilopen.htm