Unsere Lodge mit ihren kleinen Chalets am Hang bot nicht nur einen wunderschönen Fernblick, sondern auch einen guten Übergang von der Zivilisation zur Natur: es gab noch Strom, fließendes Wasser und ein richtiges Bett. Beim Abendessen wurde am Nachbartisch über „Sichtungen“ und „Distanzen“ gesprochen. Was erwartete uns? Was werden wir zu Gesicht – und vor allem – vor die Linse bekommen? An den ersten Tagen waren verschiedene „Gamedrives“, also Fahrten mit einem Geländewagen mit aufstellbarem Dach, angesagt. Nach kurzem Schlaf – um 6.30 Uhr war es noch dunkel und sehr kalt – gab es Kaffee, ein Minifrühstück, und dann ging es endlich los. Werden wir Safariglück – und für uns Fotografen auch noch das richtige Licht – haben?

Unser Fahrer Jason sah regelmäßig, trotz seiner Konzentration auf die Pisten, alle Tiere viel früher als wir. „Wie macht der das?“ Wir waren ihm trotzdem dankbar für jedes gute Motiv. Die Sonne stieg, schnell wurde es sehr heiß, aber wir bewegten uns nun mal nicht in einem Zoo von Gehege zu Gehege. Abwechslung brachte ein Baum mit Pavianen, gleich neben der Piste, und eine Büffelherde, die beim Näherkommen unseres Fahrzeugs eine Phalanx bildete: hinten die jüngeren und schwächeren Tiere. Die massigen Körper mit den imposanten Hörnern wirkten sehr wehrhaft, ja sogar aggressiv – dann aber liefen sie doch fort. Darauf sollte man jedoch – vor allem bei alten, einsamen Bullen – nicht wetten!

Am späten Nachmittag folgte eine weitere Pirschfahrt, diesmal musste die Glücksgöttin um Beistand gebeten werden. Vielleicht half auch der Blick nach den kleineren Dingen zur Ablenkung … die Artenvielfalt der Vögel und ihre Farbenpracht ist phänomenal – aber es war schweiß-treibend und fordernd, die kleinen flinken Gesellen format-füllend vor die Linse zu bekommen (als Daumenwert, es gibt etwa fünfmal so viel Arten wie in Europa!).

Natürlich wurde auch ab und zu unsere Geduld strapaziert, aber alles war vergessen – und die Auslöser der Kameras liefen heiß, als im letzten Licht des Tages eine Elefantenherde (tembo) die Straße kreuzte und sich nicht stören ließ. Mit Blick auf uns gingen vereinzelt Rüssel hoch, Vorderbeine stampften auf, und die imposant schlagenden Ohren ließen die Bilder noch eindrucksvoller werden. War nicht im Reiseführer das dünne Rinnsal aus den Schläfendrüsen als Zeichen der Hitze und damit erhöhter Aggressivität beschrieben worden? Folgt jetzt gleich eine Attacke? Jason blieb ruhig – und die Elefanten machten ihrem Ruf, friedliche Tiere zu sein, alle Ehre, auch wenn sie einige Zeit auf ihrem Vorfahrtsrecht beharrten, die Straße blockierten, so dass unser Abendessen länger auf uns warten musste! Erst im Dunkeln waren wir zurück an der Lodge.