„Diese Monds-Berge reichen in dem mitternächtigen Teil Monomotapa von weitem hervor, und sind deren Spitzen stets mit Schnee und Eiß bedeckt. Es sind einige der Meinung gewesen, dass der Nil unten am Fuße des Berges entspringe; es sind nun aber diese Berge wegen der gefährlichen Thiere, so sich auf denenselben auffhalten, als Drachen und Schlangen, noch nicht allerdings wohlbekannt.“ Dieser Artikel stammt aus „Des Herrn Allain Manesson Mallets Beschreibung des gantzen Welt-Kreises“ und wurde 1719 geschrieben.

Nun, wir haben weder Schlangen noch Drachen entdeckt, oder aber die Drachen haben während der letzten 290 Jahre erheblich an Größe verloren und kommen nur noch als Chamäleone vor, wer weiß?

Die Rede ist selbstverständlich von den Mondbergen, dem rätselhaften Ruwenzori-Gebirge. Zugegeben, in dieser mystisch-märchenhaften, stets in silbrigem Nebelgewand gehüllten Gegend könnte man so manche Fabelwesen vermuten; und falls ein Drache plötzlich den Weg versperrt hätte – wir wären nicht überrascht gewesen!

Es gibt eine Frage, die mir immer wieder gestellt wird: warum geht „frau“ neun Tage auf eine Trekkingtour in eine Berglandschaft, mitten in Afrika, bis zur 5.000 m hoch, ohne Wege, über Stock und Stein, durch Sümpfe, ohne vernünftige Unterkünfte, ohne Dusche und jeglichen Komfort?

Nun: weil es ABENTEUER ist!

Dieses Abenteuer durfte ich im Januar erleben und ich kann euch sagen: wir hatten keine Dusche, wir hatten keine Fünf-Sterne-Hotels, wir hatten keinen Fernseher und kein Radio, keinen Strom und der Nebel kroch zwischen den Holzbrettern der wackligen Hüttenwände in unsere Schlafsäcke, aber wir hatten einen Riesenspaß und Wildnis pur!

Die Ruwenzoris haben sich uns gegenüber gnädig erwiesen, es regnete nur selten, nämlich ungefähr vier Tage von neun. Das grenzt schon an wüstenartige Trockenheit, denn der Name ist Programm: „Ruwenzori“ entstammt der Begriff ‚Rwenjura‘ in der Sprache der Batoro und heißt in etwa „Regenmacher“.

Hier leben die Bakojo. Nach ihrem Glauben sind sie der einzige Stamm, der die Berge besteigen kann. Traditionell verehrt der Stamm zwei Götter, den männlichen Gott Kitasamba der vier Frauen hat und dessen erste Frau Nyabiyae, die Göttin des Glücks. Die Götter wohnen in den Bergen und da die Frauen Kitasamba fürchten, ist Bergsteigen Männersache. Der Aberglaube besagt, wenn eine Frau den Berg besteigt, bringt das Unglück und sie könnte keine Kinder mehr gebären. Da bin ich – als zweifache Mutter – wirklich froh, meine Kinder schon lange vor dieser Tour auf die Welt gebracht zu haben!

So gingen wir los, begleitet von einer Menge Guides, Träger, zwei Köchen und allerlei Equipment. Und wie überall auf der Welt, während wir uns langsam hochschleppten, liefen die Träger singend und pfeiffend mit bis zur 20 kg Gepäck am Rücken, scheinbar mühelos an uns vorbei, um auf der nächsten Hütte ihren Kartenspiel fortzusetzen.

Ob unsere Begleiter unser seltsames Verhalten – nicht nur scheinbar grundlos neun Tage lang bei einfachsten Bedingungen in den Bergen herumzumarschieren sondern auch noch ein schweres technisches Equipment mitzutragen und dauernd die „Legs“ (so wurden die Stative bezeichnet) auf- und abzubauen – nachvollziehen konnten, ist ungeklärt. Zumindest haben sie immer freundlich gelächelt und ließen sich nichts anmerken …

Unsere Guides leisteten hervorragende Dienste und als ich an der Bujuku-Hut (3900m) schwächelte und mit Kopfschmerzen und Nasenbluten fortan zu kämpfen hatte, hat sich mein Guide Daniel geradezu väterlich um mich gesorgt und gekümmert (once again: thanks a lot, Daniel!)

Insgesamt war das eine ziemlich anstrengende Tour, im nachhinein ist man aber doch immer stolz, dass man (auch frau!) es geschafft hat!

Wer war schon einmal in Ruwenzori oder anderen afrikanischen Bergen und kann berichten? Wann und wo? Wie lange? Oder: wer hat zum Trekking in Ruwenzori Fragen? Ich freue mich auf euere Rückmeldung!