Schimpanse Ngamba Island © Michael Matschuck
Schimpanse Ngamba Island © Michael Matschuck

Eine kürzlich im Fachblatt „Biology Letters“ veröffentlichte Studie von Wissenschaftlern der Universität Heidelberg und vom Max-Planck-Institut für evolutionäre Anthropologie in Leipzig hat ergeben, dass Schimpansen und Bonobos kein Gespür für Fairness besitzen und Ungerechtigkeit von ihnen nicht geahndet wird. In diesem Punkt reagieren die Tiere, trotz ihrer nahen Verwandtschaft zum Menschen ganz anders als Menschen. Die Forscher gehen daher davon aus, dass dieser Sinn für Fairness sich beim Menschen erst entwickelt hat, nachdem sich die Stammeslinien von Menschen und Bonobos und Schimpansen getrennt haben.

Die Forscher haben mit Experimenten, dem sogenannten „Ultimatum-Spiel“ festgestellt, dass Menschen oftmals sensibel auf unfaire Angebote reagieren. Das Spiel ist so aufgebaut, dass ein Akteur eine bestimmte Menge Geld zwischen sich und einer weiteren Person aufteilen soll. Wie viel er abgibt, bleibt ihm selber überlassen. Allerdings besagen die Regeln auch, dass keiner etwas bekommt, wenn die zweite Person das Angebot ablehnt. Die Ergebnisse zeigten nun, dass die zweite Person, wenn sie sich unfair behandelt fühlte, oftmals nicht auf das Angebot einging. Menschen nehmen also lieber Kosten in Kauf und verzichten selber komplett auf etwas, um ein unfaires Angebot abzustrafen.

Ganz anders Schimpansen und Bonobos. In dem Experiment mit den Menschenaffen verwendeten die Forscher Weintrauben – eine bei den Tieren sehr beliebte Leckerei. Hier zeigte sich, dass die Affen zufrieden waren, auch wenn sie nur einen kleinen Anteil erhielten. Unfaires Verhalten wurde von ihnen nicht geahndet. Im Gegensatz zu den Versuchen mit Menschen war keines der Tiere bereit, auf die Weintrauben zu verzichten, um das unfaire Angebot abzustrafen.

So ähnlich sich Menschenaffen und Menschen in vielen anderen Bereichen sind, so unterschiedlich reagieren sie hier.