IUCN fordert nationales Handelsverbot für Elfenbein

Auf internationaler Ebene ist der Handel mit Elefantenstoßzähnen bereits seit Langem untersagt. Legale Binnenmärkte begünstigen jedoch immer noch die Geschäfte von Schmugglern.

Waldelefanten in der Zentralafrikanischen Republik © Andreas Klotz
Waldelefanten in der Zentralafrikanischen Republik © Andreas Klotz

Tagelang konferierten die über 1.300 Mitglieder der Internationalen Naturschutzunion (IUCN) auf Hawaii, doch schließlich konnte trotz der Widerstände seitens Namibia, Kanada, Japan und Südafrika unter anderem eine vielversprechende Resolution gegen den Elfenbeinhandel verabschiedet werden. Auf der Weltartenschutzkonferenz in Südafrika soll das strikte nationale Handelsverbot bis Anfang Oktober nun endgültig beschlossen werden.

Eine Zählung, die erstmalig fast alle Länder Afrikas einbezog, ergab zuletzt, dass optimistische Schätzungen, die von ca. 630.000 Tieren ausgingen, mit einem tatsächlichen Bestand von gut 350.000 afrikanischen Elefanten drastisch zu reduzieren sind. Der unerwartet dramatische Rückgang ist hauptsächlich auf Wilderei zurückzuführen. Zehntausende Elefanten fallen ihr jährlich zum Opfer.

Afrikanischer Elefant © Michael Matschuck
Elefant in Uganda © Michael Matschuck

Wie aufwendig der Schutz der Dickhäuter und der unermüdliche Kampf gegen Wilderer in den Weiten Afrikas ist, verdeutlicht die folgende Pressemitteilung der AGA e.V.:

 

Im Einsatz gegen Schlingfallen und Wilderei der Elefanten

Seit Januar 2016 finanziert die AGA Wildhüter im kenianischen Tsavo-East-Nationalpark: das sechsköpfige Mtito-Team. Eine Bilanz des ersten halben Jahres.

Korntal-Münchingen, 16.09.2016

Mehrtägige Einsätze im kenianischen Busch, unzählige Kilometer querfeldein, zu Fuß und im Geländewagen, gerettete Elefanten, aufgespürte Tierfallen und gestellte Wilderer: Im Resümee wird deutlich, welche Leistung die sechs Wildhüter des Mtito-Teams über die letzten Monate vollbracht haben. Seit Anfang des Jahres finanziert die Aktionsgemeinschaft Artenschutz (AGA) das sechsköpfige Team im Tsavo-East-Nationalpark. Die Wildhüter sind Teil des David Sheldrick Wildlife Trust (DSWT); die Partnerorganisation der AGA koordiniert insgesamt acht Wildhüter-Teams in Kenias größtem Nationalpark.

Wildhueter zerstoeren Camp von festgenommenen Wilderern © AGA_Birgit Braun
Wildhueter zerstoeren Camp von festgenommenen Wilderern © AGA_Birgit Braun

Die Aufgaben der Männer sind aufregend und vielseitig, aber auch beschwerlich und riskant. Bei ihrem Einsatz am 20. Februar dieses Jahres beispielsweise ist es ein Dorn im Fuß, der das Mtito-Team auf die Probe stellt. Denn so ein Dorn bremst selbst den stärksten Kerl ganz ungemein – und muss dringend raus. Was tun allerdings, wenn der Kerl über drei Meter hoch ist und fünf Tonnen schwer, wenn er zwei armlange Stoßzähne hat und ziemlich schlechte Laune vor lauter Schmerzen? Keine leichte Aufgabe für die Wildhüter des Mtito-Teams, als sie bei ihrer Patrouille auf den humpelnden Elefantenbullen stoßen. Zusammen mit den mobilen Tierärzten des DSWT können sie den lahmenden Riesen schließlich behandeln und ihm den faustgroßen, massiven Dorn aus dem Elefantenfuß ziehen. Der Bulle zieht von dannen, erleichtert – genau wie die Wildhüter.

Elefantenherde Tsavo-East-Nationalpark © AGA_Birgit Braun
Elefantenherde Tsavo-East-Nationalpark © AGA_Birgit Braun

Seit Januar 2016 hat die AGA die Finanzierung des sechsköpfigen Mtito-Wildhüterteams übernommen. Zuvor drohte dem Team das Aus wegen Geldmangels. „Die Notverarztung von Elefantenfüßen steht allerdings nicht auf der Tagesordnung der Männer“, erklärt Birgit Braun, Geschäftsführerin der AGA, „Hauptaufgabe der Wildhüter im sogenannten „De-Snaring Project“ ist es, von Wilderern gelegte Tierfallen aufzuspüren und zu zerstören.“ Auch gehen die Männer gegen wilde Abholzung und illegale Beweidung in der Buschsavanne des Nationalparks vor, sie stellen Wilderer und demontieren deren Schießstände, leiten Rettungsaktionen und tierärztliche Einsätze. Die Männer patrouillieren zu Fuß oder im Geländewagen durch das Buschland, stets begleitet von bewaffneten Rangern des staatlichen Kenya Wildlife Service.

Der unermüdliche Einsatz kostet nicht nur Kraft und Nerven, sondern auch viel Geld – neben den Gehältern muss auch die Ausrüstung bezahlt werden. Campingutensilien, Funkgeräte, Kameras und GPS-Empfänger helfen den Männern bei der Arbeit. Das Geld ist gut angelegt, wie ein Auszug aus der Halbjahresbilanz zeigt: Unter anderem entdeckte und zerstörte das Team in den ersten sechs Monaten der Kooperation ganze 129 Schlingfallen; gemeinsam mit den Rangern des Kenya Wildlife Service verbuchen die Wildhüter zudem 47 Festnahmen, etwa wegen Wilderei, Abholzung oder illegaler Beweidung; die Männer entdeckten zudem 14 wilde Köhlereien, in denen illegal geschlagenes Holz geköhlert wurde; sie zerlegten zwölf Ansitze wildernder Heckenschützen und konfiszierten 15 Waffen. Und zusätzlich zu dem dorngeplagten Bullen behandelten die Wildhüter drei weitere Elefanten.

Mtito Team unterstützt den Tierarzt bei der Behandlung eines Elefanten © DSWT
Mtito Team unterstützt den Tierarzt bei der Behandlung eines Elefanten © DSWT

Mit knapp 12 000 Quadratkilometern ist der Tsavo-East der größte Nationalpark des Landes und bietet in seiner steppen- und savannenartigen Landschaft Lebensraum für eine Vielfalt großer Tierarten: Elefanten und verschiedene Gazellen- und Antilopenarten etwa, Nilkrokodile und Flusspferde, Spitzmaulnashörner und Kaffernbüffel, Geparden, Löwen und Leoparden. Seit einigen Jahren beobachten die Wildhüter einen deutlichen Anstieg der Wilderei mit Tierfallen. Ein geschützter Platz, eine stabile Drahtschlinge und etwas Geschick ist alles was es braucht, um die heimtückischen Anlagen aufzubauen. Schlingfallen sind simpel, billig – und äußerst effektiv: Jahr für Jahr fallen ihnen tausende Tiere zum Opfer, darunter Antilopen, Zebras, Meerkatzen und sogar Nashörner und Elefanten. Besonders in den Trockenzeiten ist die Nachfrage hoch nach sogenanntem „Bushmeat“, der illegalen Fleischbeilage aus dem Busch.

Mtito Wildhueterteam © AGA_Matthias-Alexander Braun
Mtito Wildhueterteam © AGA_Matthias-Alexander Braun

Dank des verstärkten Einsatzes von Wildhütern, einer mobilen Tierarzteinheit sowie der großflächigen Luftüberwachung ist nun eine Trendwende im Tsavo-East-Nationalpark erkennbar. Die Wilderei von Elefanten ist dort laut Angaben des DSWT im Vergleich zum Jahr 2012 um etwa 50 Prozent zurückgegangen. Ein großer Erfolg für die Wildhüter und wichtige Bestätigung im unermüdlichen Einsatz für die Tiere des Tsavo-East-Nationalparks.

Aktionsgemeinschaft Artenschutz (AGA) e.V.  Rathausgasse 5 70825 Korntal-Münchingen Tel:  +49 (0) 71 50 – 92 22 10 E-Mail: info@aga-artenschutz.de Internet: www.aga-artenschutz.de

 

Weitere Information zum Thema finden Sie unter
http://www.spiegel.de/wissenschaft/natur/elefanten-konferenz-bannt-nationalen-elfenbeinhandel-a-1111919.html
http://www.heute.de/guter-tag-fuer-elefanten-weltnaturschutzkongress-auf-hawaii-bannt-elfenbeinhandel-45175310.html