Tiger ® Martin Ruhnke
Tiger ® Martin Ruhnke

In Indien herrscht derzeit große Besorgnis aufgrund einer Entscheidung des Obersten Gerichtshofs, den Tourismus aus den Kernzonen der Tigerreservate zu verbannen. Hintergrund dieses Urteils ist eine Initiative von einigen Umwelt- und Tierschützern, die durch diese Einschränkung des Tourismus die Ausrottung der vom Aussterben bedrohten Tiger verhindern möchten.

Eine Vielzahl von Artenschützern und Tigeraktivisten sieht dieses Urteil jedoch mehr als kritisch. Auch das Umwelt- und Waldministerium Indiens hat reagiert und eine schriftliche Anfrage beim Obersten Gerichtshof eingereicht, mit der Bitte, die Entscheidung wegen der zu befürchtenden negativen Folgen für die Tiger und die Menschen zu überdenken: Der Tigertourismus hat bereits dazu beigetragen, dass den Menschen klar ist, dass ein lebender Tiger weitaus lukrativer ist als ein toter Tiger. Während mit einem toten Tiger nur einmal Geld zu verdienen ist, bringen lebende Tiere durch Touristen bei jedem Besuch wieder Einnahmen. Diese aus dem Tourismus gewonnen Einkünfte werden direkt zur Erweiterung der Schutzgebiete verwendet. Zudem schafft der Tourismus Einkommen für die Menschen vor Ort. Gehen diese Einnahmen durch sinkende Touristenzahlen zurück, sind die Menschen zur Sicherung ihres Überlebens wieder gezwungen stärker den Wald zu nutzen, was zu Schäden an Flora und Fauna führt. Dies wiederum begünstigt das Aussterben der Tiger.

Ein weiteres Argument für den Tiger-Tourismus ist nach Aussage von Befürwortern die Tatsache, dass die Anzahl an Tigern in den am meisten besuchten Tigerreservaten am höchsten ist. Demnach kann ein kompletter Bann nicht gerechtfertigt sein. Vielmehr sollte der Focus auf ein effizientes Parkmanagement sowie eine ausgewogene Nutzung der Nationalparks ausgerichtet sein. Ein guter und erfolgreicher Maßstab für das zukünftige Vorgehen könnte der Gorilla-Tourismus sein, der bereits seit einigen Jahren sehr erfolgreich für Tier und Mensch funktioniert.
Für Indien bleibt nun abzuwarten, welchen Argumenten das Oberste Gericht folgen und wie die endgültige Entscheidung zum Wohle der letzten Tiger in Indien ausfallen wird.

Weitere Informationen auf Indien Aktuell: Madhya Pradesh: Besorgnis wegen Verbannung der Touristen aus Tigerreservaten