Heimat vs. Nationalpark

Um unersetzliche Ökosysteme und ihre Tiere zu erhalten, werden weltweit Schutzgebiete eingerichtet. Soweit so gut. Häufig verschwinden im Zuge dieser Maßnahmen jedoch auch die dort lebenden Stämme und Völker, und mit ihnen ihre ebenso einzigartigen Kulturen.

Uganda_2012-29 Foto: Andreas Klotz
Ranger und Berggorilla im Bwindi Nationalpark © Mondberge.com/Andreas Klotz
Uganda ® Detlef Neufang
Traditioneller Medizinmann_Uganda © mondberge.com/Detlef Neufang

So genannte Naturschutz-Flüchtlinge werden zugunsten der Natur aus ihrer Heimat vertrieben, ohne Aussicht auf Rückkehr. Gerade diese Menschen sind jedoch meistens sehr eng mit ihrem Lebensraum verbunden und identifizieren sich maßgeblich mit ihm. Zudem nutzten sie bestimmte Pflanzen, um grundlegende Erzeugnisse wie Körbe, Tragen oder Medikamente herzustellen. Nach ihrer Vertreibung werden sie an den Rand der Schutzzonen gedrängt und sind oft nicht gewillt, diese oder weitere Schutzprojekte zu unterstützen. Zugleich ist die Mithilfe der direkten angrenzenden Gemeinden für die jeweiligen Naturschutzprojekte und ihre Nachhaltigkeit besonders wichtig.

Bisher ging man davon aus, den Verlust der betroffenen Menschen durch materielle Entschädigungen und neue Beschäftigungen ausgleichen zu können, aber die Erfahrung zeigt, dass diese Maßnahmen ohne den Erhalt der spirituellen Bindung nicht ausreichen.

Ruwenzori © Mondberge.com/Frank Hanel
Ruwenzori © Mondberge.com/Frank Hanel

Die Organisation Fauna & Flora International (FFI) setzt sich für eine Kooperation zwischen den Vertriebenen und den Parkverwaltungen ein. Sie informieren sich eingehend über die Kulturen und ihre heiligen Orte: Stätten, an denen Rituale oder Zeremonien abgehalten wurden, Gräber oder auch mystische Orte. Im und am Rande des Rwenzori Mountains Nationalpark in Uganda gibt es bereits erste Erfolge. Vereinzelt und nach schriftlicher, anlassbezogener Erlaubnis wird den ehemaligen Bewohnern der Zutritt zu Ihrem Heimatland wieder gewährt, allerdings nur für einen Tag. Hohe bürokratische Auflagen lassen den Annäherungsprozess träge erscheinen und erwecken den Eindruck eines Machtkampfes. Grund zur Hoffnung bietet hingegen die Tatsache, dass sowohl die Naturschutzflüchtlinge als auch die Wärter der Nationalparks in vielerlei Hinsicht am gleichen Strang ziehen: Flora und Fauna müssen geschützt werden – zum Erhalt der Biodiversität oder, weil sie das Blut der Ahnen in sich tragen.

Einen ausführlichen Bericht finden Sie unter http://www.dw.com/de/naturschutzfl%C3%BCchtlinge-als-nat%C3%BCrliche-verb%C3%BCndete/a-18901447

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In einer Mischung von Fiktion und Wirklichkeit bietet der Afrika-Thriller Mondberge Gelegenheit, in die mystische Welt des Ruwenzori-Gebirges einzutauchen. Manche der Legenden der Mondberge sind heute noch bei den Bakonjo, der rund um das Ruwenzori-Gebirge lebenden Volksgruppe, präsent.

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