Harte Zeiten für Koalas

Der Verlust des Lebensraums und verheerende Infektionen lassen dem kleinen Beuteltier nur wenige Überlebenschancen. Inzwischen hat Australien sein Markenzeichen zur bedrohten Tierart erklärt.

Koala – Mondberge-Artenschutzkalender 2014 © Paul Kornacker
Koala – Mondberge-Artenschutzkalender 2014 © Paul Kornacker

Vor rund 15 Jahren wurden Koalas auf die offizielle australische Liste regionaler Schädlinge gesetzt. Weibchen wurden Verhütungsmittel verabreicht und viele kranke oder schwache Tiere wurden getötet, damit die übrigen genug Nahrung finden. In Cape Otway, im südöstlich gelegenen Bundesstaat Victoria, wurden innerhalb von zwei Jahren beispielsweise 700 Koalas getötet, womit etwa 1000 Tiere verblieben; 40 hatte man umgesiedelt. Nach Behördenangaben war dieses Vorgehen notwendig, da sich die Tiere zu schnell vermehren und ihre Futterquellen nicht genügen. Angesichts der Buschfeuer und massiven Waldrodungen, die sich allein im Bundesstaat Queensland laut WWF pro Tag auf eine Fläche von vergleichsweise 1.300 Einfamilienhäusern zzgl. Garten beläuft, scheint diese Argumentation allerdings etwas fragwürdig. Zudem werden die sich auffällig langsam bewegenden Tiere häufig überfahren.

Inzwischen geht die Zahl der Koalas in den meisten Regionen des Kontinents so stark zurück, dass Australien um den Bestand seines Wappentieres fürchtet. Insbesondere um die ständig wachsenden, sich flächenmäßig ausbreitenden Großstädte wie Sydney oder Brisbane wird immer mehr natürlicher Lebensraum vernichtet. Ganz zu schweigen von den steigenden CO2-Werten, die für weniger Nährstoffe in den für die Tiere ohnehin kaum noch ausreichenden Eukalyptuspflanzen sorgen. Und als wären diese Entwicklungen nicht dramatisch genug, verbreitet sich unter den Tieren nun auch noch eine hoch ansteckende Krankheit, mit sehr schmerzhaftem Verlauf und verheerenden Folgen: Laut einem Professor des Burnet Institute in Melbourne ist bereits die Hälfte der gesamten australischen Koala-Population infiziert. Während man versucht, einen geeigneten Impfstoff zu entwickeln, sprechen andere davon, einen Großteil der erkrankten Tiere zu töten, um die Verbreitung einzudämmen.

Fazit: Die Schlinge um die süßen, teddyähnlichen, baumumarmenden, Eukalyptus mampfenden Lieblinge zieht sich zu. Was vor wenigen Jahren als Scherz gegolten hätte, ist nun traurige Realität: Will man in Australien Koalas sehen, muss man in den Zoo gehen.

Weitere Informationen finden Sie unter
http://www.sueddeutsche.de/panorama/artenschutz-raubbau-bedroht-australiens-koalas-1.2871289
http://www.spiegel.de/wissenschaft/natur/australien-koalas-werden-von-behoerden-getoetet-a-1054190.html
http://www.bbc.com/earth/story/20160211-half-of-australias-koalas-now-have-chlamydia