Geier in Gefahr

Selbst in Nationalparks verenden die Aasfresser in Massen.

Kapgeier_Mondberge-Artenschutzkalender 2015 © Winfried Wisniewski
Kapgeier_Mondberge-Artenschutzkalender 2015 © Winfried Wisniewski

Im Auftrag der Weltnaturschutzunion IUCN erstellte eine Expertengruppe um die renommierte Wissenschaftlerin Darcy Ogada eine Studie, deren Ergebnisse durchaus als alarmierend bezeichnet werden können: Vor allem im Westen und Süden Afrikas ist der Geierbestand beträchtlich zurückgegangen. Zu häufig werden Körperteile der Tiere von traditionellen Heilern zur Behandlung von physischen und, aufgrund der aktuellen Krisensituation, auch immer häufiger von psychischen Erkrankungen verwendet.

Obwohl der traditionellen Medizin Unmengen der Vögel zum Opfer fallen, stellt sie nicht die größte Bedrohung dar. Die Studie ergab, dass von 7.819 toten Geiern 61 % vergiftet wurden.

Die meisten Geier sterben an gezielten Vergiftungen. Wilderer vergiften die vorab verstümmelten Kadaver von Elefanten, Nashörnern etc., um nicht durch kreisende Geier verraten zu werden. Ein Geier entdeckt einen Elefantenkadaver bereits nach etwa 30 Minuten, während der Wilderer ca. 60 Minuten benötigt, um die Stoßzähne abzutrennen. Darüber hinaus versuchen Bauern mithilfe vergifteter Köder, Wildtiere von ihrem Vieh fernzuhalten. Auch die in diesem Zusammenhang an Pestiziden verendeten Löwen, Schakale und Hyänen übertrugen im Endeffekt das Gift an die Geier.

Geier_Serengeti © Isabel Würdig
Geier_Serengeti © Isabel Würdig

Schockierend ist tatsächlich, dass der Geierbestand selbst in den Nationalparks massiv zurückgegangen ist. Laut der Studie verringerte sich die Gesamtzahl der Geier innerhalb von nur drei Generationen um 62 %, und zwar bei acht der neun untersuchten afrikanischen Arten. Bei sieben Arten belief sich der Bestandsrückgang sogar auf rund 80 %.

Dass das Aussterben der Geier de facto auch negative Auswirkungen auf die Gesundheit der Menschen hat, ist keine Neuigkeit. Das massenweise Verenden der Geier Ende der 90er Jahre führte beispielsweise in Indien bereits dazu, dass seitdem die Kadaver zumeist von freilebenden, streunenden Hunde gefressen wurden. Da diese häufig das für den Menschen lebensgefährliche Tollwutvirus tragen, stiegen die Erkrankungsfälle in der Bevölkerung drastisch an. Das Massensterben der Vögel war damals eindeutig auf den umfänglichen Einsatz des Medikaments Diclofenac in der Nutzviehhaltung zurückzuführen. In Asien starben damals über 90 % der Geier.

Einen umfassenden Bericht finden Sie unter
http://www.tagesspiegel.de/weltspiegel/artenschutz-geier-vor-sturzflug/12275416.html

Die Ergebnisse der Studie wurden im Fachmagazin „Conservation letter“ veröffentlicht:
http://onlinelibrary.wiley.com/doi/10.1111/conl.12182/full (englisch)