Auf unserer Reise durch Uganda machten wir nach der Ankunft in Entebbe am zweiten Tag in Fort Portal Halt. Diese – für ugandische Verhältnisse – große Stadt, mit über 42.000 Einwohnern, liegt im Westen Ugandas, nahe des Ruwenzorigebirges. Fort Portal hat einen ansehnlichen Wochenmarkt, hier füllten wir unsere Vorräte auf. Die Marktleute – obwohl anfangs gegenüber uns weißen, mit allerhand technischem und optischem Gerät ausgestatteten Fremden etwas misstrauisch – entwickelten eine regelrechte Begeisterung für das kleine „Gucktheater“ an unseren Kameramonitoren. Als wir versprachen, einige der Bilder auch zuzusenden, wurde selbst der zunächst dem Fotografieren absolut abgeneigte Metzger weich. Seine Postanschrift für die Übersendung der Bilder lautet übrigens „Butcher No. 44, Fort Portal“.

Jede Menge Erstaunliches gibt es zu lernen. So benutzen die traditionellen Heiler zum Beispiel große Ameisen als Klammern für Schnittwunden: Die Ameise wird einfach mit ihren Mundwerkzeugen an die Wunde gehalten, und wenn sie klammert, wird der Körper vom Kopf abgetrennt, so hält die Wunde bis zur Heilung schön zusammen …

Die Männer der Bakonjo (und vereinzelt sogar Frauen) bieten ihre Dienste als Träger an und sammeln sich jeden Morgen beim Rwenzori Mountaineering Service (RMS) in Nyakalengija. Allerdings kann man sich nicht einfach einen oder mehrere Träger seiner Wahl aussuchen. Nein: hier unterliegt die Auswahl einem strengen, für den Besucher völlig undurchschaubarem Prozedere, und richtet sich gerne auch nach dem Verwandtschaftsgrad der Anwesenden. So marschierten wir los, begleitet von drei Führern, einer Menge Trägern, einem Koch und allerlei Gerätschaften. Und wie überall auf der Welt: während wir uns langsam hoch in die Berge schleppten, liefen die Träger singend und pfeifend mit mehr als 20 kg Gepäck auf dem Rücken – scheinbar mühelos – an uns vorbei, um auf der nächsten Hütte ihr Kartenspiel fortzusetzen. Ob unsere Begleiter unser „seltsames Verhalten“ – scheinbar grundlos neun Tage lang unter widrigsten Bedingungen in den Bergen herumzulaufen, dabei auch noch „schweres technisches Equipment“ mitzutragen, und dauernd die „Legs“ (eine geläufige Bezeichnung für Stative) auf- und abzubauen – nachvollziehen konnten, ist bis heute ungeklärt.

In der Kultur der Bakonjo spielen Tanz und Musik eine große Rolle. Das galt auch für unsere Begleiter: Ihre Hauptinstrumente sind insbesondere Trommeln. Und wenn einmal keine zur Hand ist, wird einfach ein Eimer umgedreht und darauf getrommelt. So geschah es auch, nachdem wir die letzte Schlüsselstelle im Ruwenzori passiert hatten – zur Feier des Tages bekamen wir eine Tanz- und Gesangsvorstellung erster Güte frei Haus.

One Coke, please! So gut hatte eine Cola noch nie geschmeckt, wie in der ersten Bar nach unserem Ruwenzori-Trekking! Die Träger wurden entlohnt, verabschiedet, und unsere Reise ging weiter. Zwischendurch kauften wir Vorräte an Märkten, überall begegneten wir freundlichen Menschen – und vor allem Scharen von Kindern, die den größten Spaß dabei hatten, vor unseren Kameras zu posieren, um anschließend die Bilder von sich auf dem Kameramonitor zu betrachten. In einem Ort wurden Kinderrollerähnliche Gefährte aus Holz gebaut: Für eine Dose Cola durften wir – zum größten Vergnügen der Einwohner – mit diesem „Vehikel“ eine Runde drehen und unser Geschick zur Schau stellen. Es besteht kein Zweifel, dass das Dorf heute noch darüber lacht … Es gab aber auch Ortschaften, da durfte kein einziges Foto gemacht werden. Ein Aberglaube besagt, man ziehe mit der Kamera die Seele des Menschen oder Tieres heraus. Ein absolutes Fotografierverbot herrscht zum Beispiel bei dem Volk der Bahima, das in der Region des Lake MBuro National Parks lebt. Diese Viehzüchter der langhörnigen Ankole-Rinder akzeptieren kein einziges Foto. Nicht von sich selbst und schon gar nicht von ihren Rindern!

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