Der Stör-Fall

Kaviar vs. Fisch

Der Stör ist ein echtes Urvieh und lebt bereits seit ca. 250 Millionen Jahren auf der Erde, er ist älter als die Dinosaurier. Vor rund 100 Jahren ist er in Deutschland ausgestorben. Doch nun soll es hier eine neue Heimat für diesen besonderen Wanderfisch geben.

Grundsätzlich lebt der Stör im Meer, wo ihm bereits Schwierigkeiten wie Umweltverschmutzung und teilweise äußerst fragwürdige Fangmethoden zusetzen. Zum Laichen schwimmt er dann in Flussläufe, deren ökologischer Zustand sich in manchen Fällen durchaus mit dem Wort deprimierend beschreiben lässt: der sinkende Wasserspiegel, Wasserkraftwerke, Staudämme, Umleitungen, Begradigungen, Verschmutzung und Verbauung der Flussläufe und Ufer kappen die altbekannten Wege des Störs. Hinzu kommen auch hier rigorose Fangtechniken, wie weiträumig ausgelegte Hakenleinen auf dem Grund der (seichten) Flüsse, und die anhaltende Nachfrage nach dem begehrten Kaviar. Für Beluga-Kaviar wird in der EU, den USA, den VAE sowie in Moskau immer noch der Spitzenpreis von 6.500 Euro erreicht. Laut UNEP beläuft sich der Handelsumsatz mit den geschützten Tieren auf 50 bis 150 Mrd. Dollar, die illegale Fischerei erreicht weitere 23 Mrd.

Um der regelrechten Kaviar-Mafia und der Wilderei entgegenzuwirken, wurde in Jülich mit dem Aufbau eines Kaviarkatasters begonnen. Das staatliche Institut für Fischzucht und Ozeanologie in Moskau weist sogar mithilfe einer der weltgrößten Gen-Datenbanken (ca. 10.000 DNA-Muster) die Herkunft von Kaviarproben nach. Doch auch wenn der deutsche Markt aufgrund von Kontrollen und erfolgreichen Strafermittlungen größtenteils sauber ist und die russische Regierung Exportware streng überwacht bleibt ein florierender Schwarzmarkt sowie der weniger kontrollierte innerrussische Handel.

Ein Projekt zum Schutz des Störs verfolgt die deutsche „Gesellschaft zur Rettung des Störs“: Über einen Zeitraum von fast 20 Jahren wurden etwa ½ Million Jungfische in Oder und Elbe angesiedelt. Zukünftig soll ihnen durch die Zusammenarbeit mit Anglervereinen, Berufsfischern und den Fischereibehörden der Ostsee-Anrainerstaaten wieder die freie Wanderschaft ermöglicht werden. Es ist ein Langzeit-Projekt, aber die bisherigen Ergebnisse sind gut und die Erfolge motivieren.

Eine Alternative bietet auch die künstliche Aufzucht der Tiere. Dies dürfte jedoch höchstens das Problem der Kaviar-Nachfrage lösen, denn um das Überleben des Störs und die Erhaltung eines breiten Genpools zu sichern, ist wohl in erster Linie sein natürlicher Lebensraum zu schützen.

Einen detaillierten Bericht finden Sie hier:
http://www.faz.net/aktuell/wissen/natur/artenschutz-hoffnung-fuer-einen-fisch-13571420-p3.html?printPagedArticle=true#pageIndex_3