Amazonien, Bildband Mittel- und Südamerika ® Beate u. Michael Schneider
Amazonien, Bildband Mittel- und Südamerika ® Beate u. Michael Schneider

Auf Druck mächtiger Lobbyverbände, die den weiteren Ausbau der exportstarken Agrarbranche vorantreiben wollen, sollte das recht fortschrittliche Waldschutzgesetz Brasiliens aufgeweicht werden. Geplant waren Amnestien für illegale Kahlschläge, die Verkleinerung von Schutzzonen entlang von Flüssen, die von Rodungen ausgespart werden müssen und Grundbesitzer sollten auf ihrem Land statt 80 Prozent nun nur noch 50 Prozent als Wald stehen lassen müssen. Die Umsetzung dieser Pläne, in einem Gebiet, in dem bereits ein Fünftel Waldfläche als zerstört oder schwer beschädigt gilt, könnte die ökologische Integrität des Ökosystems zusammenbrechen lassen.

Parlament und Senat hatten diesen Änderungen bereits zugestimmt. Im Vorfeld der großen UN-Konferenz für nachhaltige Entwicklung kurz „RIO+20“ die vom 20.-22. Juni in Rio de Janeiro stattfinden wird, hat die Präsidentin Brasiliens dieses Vorhaben jedoch mit ihrem Veto blockiert.

RIO+20 ist die symbolträchtige Folgekonferenz zum Erdgipfel von 1992, der ebenfalls in Rio de Janeiro stattfand. Dort hatte sich die internationale Staatengemeinschaft erstmals zum Leitbild der Nachhaltigen Entwicklung bekannt und das Aktionsprogramm „Agenda 21“ verabschiedet. Durch ihr Veto hat Brasiliens Präsidentin es nach Meinung vieler Beobachter geschafft, Brasiliens Gesicht vor dem großen Gipfel zu wahren. Es bleibt nun zu hoffen, dass auch aufgrund des Augenmerks, dass nun auf Brasilien gerichtet ist, die Abgeordneten nicht von ihrer Möglichkeit Gebrauch machen, das Veto von Brasiliens Präsidentin wieder zu überstimmen.

Details und Hintergründe zu den Gesetzesvorhaben in Brasilien erhalten Sie im Artikel von Daniel Lingenhöhl auf spektrum.de: Atempause für Amazonien