Schimpanse Ngamba Island © Michael Matschuck

Kulturelle Eigenheiten sind typisch menschlich. Inwieweit kulturelles Wissen auch im Tierreich eine Rolle spielt, war bislang umstritten. Untersuchungen wurden zumeist nur bei räumlich voneinander entfernt lebenden Populationen durchgeführt. Hier herrschten unterschiedliche äußere Bedingungen, die ebenfalls Gründe für die Ergebnisse darstellen konnten.

Forscher des Max-Planck-Instituts für evolutionäre Anthropologie haben nun erstmals im Rahmen einer Studie bei benachbarten Schimpansengruppen Untersuchungen hinsichtlich kultureller Unterschiede durchgeführt. Die Schimpansengruppen im Taï- Nationalpark an der westafrikanischen Elfenbeinküste leben unter ähnlichen ökologischen Bedingungen und unterscheiden sich auch genetisch kaum voneinander. Dennoch konnten die Forscher feststellen, dass die Schimpansen dreier benachbarter Gruppen unterschiedliche Werkzeuge zum Nüsseknacken verwendeten. Bei zwei der drei Gruppen wechselte innerhalb der Saison zudem die Art der verwendeten Werkzeuge. Sie stellten in Abhängigkeit der Härte der Nüsse von Stein- auf Holzhämmer um und auch die Größe der Werkzeuge variierte. Dies zeigt nach Aussagen der Forscher, dass Schimpansen ähnlich wie Menschen kulturelles Wissen abrufen können. Sie finden verschiedene Lösungen für bestimmte ökologische Herausforderungen und geben diese an die nächste Generation weiter.

Details zur Studie:
Max-Planck-Institut für evolutionäre Anthropologie: Werkzeug-Gebrauch bei Schimpansen: Eine Frage der Kultur

Das Max-Planck-Institut hat zwei Videos zur Studie erstellt, die die Unterschiede dokumentieren:
Nüsseknacken mit einem Steinhammer Quelle Max-Planck-Institut für evolutionäre Anthropologie
Nüsseknacken mit einem Holzhammer Quelle Max-Planck-Institut für evolutionäre Anthropologie