Altertum

Nil

Mit der Vereinigung von Ober- und Unterägypten etwa 3100v.Ch. beginnt die Zeit der 30 Dynastien. Im mittleren Reich (etwa 200 – 1700v. Ch.) wird Unternubien (1. bis 2. Nilkatarakt) erstmals erobert, geht aber bald wieder verloren. Es entwickelt sich das nubische Königreich von Kerma (etwa 1700 – 1500v.Ch.), gelegen am 3. Katarakt. Nach einer erneuten Eroberung durch Ägypten während des Neuen Reiches (etwa 1550 – 1080v.Ch.) war Nubien bis zum 4.Katarakt eine ägyptische Provinz mit dem Namen Kusch und einem Vizekönig als Herrscher. Um 750v.Ch. kommt es dann zu einer erneuten nubischen Staatsbildung mit dem Namen Kusch in Napata, bis etwa 300v.Ch.. Während einer kurzen Zeit (25. Dynastie) herrschen die nubischen Könige auch als „Schwarze Pharaonen“ über Ägypten, werden aber 660v.Ch. von den Assyrern vertrieben. Nach 300v.Ch. wird Meroe (zwischen dem 5. und 6. Katarakt) Zentrum des Reiches von Kusch und muss sich 25v.Ch. eines Angriffes der Römer unter Kaiser Augustus erwehren. Nach dem 4. Jh n.Ch. zerfiel das Reich in drei kleinere christliche Königreiche Nobotia, Makuria und Alwa. Diese südlichste der drei Reiche wurde wahrscheinlich Ende des 15.Jh von den islamischen Fung erobert.

Horn von Afrika

Man nimmt an, dass im 1.Jh. n.Ch. die Stadt Aksum als Handelszentrum größere Bedeutung erlangte und ihre Macht auch Richtung Rotes Meer und Südarabien ausdehnte. Mitte des 4.Jh konvertierte der König zum Christentum und vergrößerte durch militärische Erfolge seinen Einflussbereich. Ab dem 7.Jh begann aber der Niedergang, wahrscheinlich unter dem Druck des an den Grenzen erstarkenden Islam.

Mittelalter

Nordafrika
Sahelzone

Zwischen 750 und 1080 dominierte das Königreich Ghana eine Region des heutigen Senegals und Mauretaniens. Mali im Süden und Songhai im Osten waren damals noch unbedeutend. Nach dem Zusammenbruch von Ghana aufgrund einer Almoraviden-Invasion gab es bis zum Aufstieg von Mali ab dem Jahr 1235 nur einige kleinere Staaten. Mali umfasste 1350 auf dem Höhepunkt seiner Macht ein Gebiet der heutigen Staaten Niger und Mali. Das größte, aber auch das kurzlebigste dieser Sahel-Königreiche war das Songhai-Reich nach König Sonni Ali (1460). Im Jahr 1500 erstreckte es sich von Kamerun bis zum Maghreb, erlag aber schon 1591 einem marokkanischen Angriff.

Horn von Afrika

Als Nachfolger (vor allem aus religiöser Sicht) des aksumitischen Reiches mit einer Konzentration auf das Hochland entstand im 12. Jahrhundert das Königreich Äthiopien, welches bis 1974 Bestand hatte, bevor es von einer Militär-Revolte gestürzt wurde.

Grosse Seen in Afrika

Die mündliche Überlieferung aus dem Gebiet zwischen Viktoriasee und dem zentralafrikanischen Graben erzählt von dem mächtigen Reich Kitara im 14. und 15.Jh. Die Herrscher waren die Bachwezi (oder auch Chwezi), Halbgötter, die zwar als Menschen geboren wurden, danach aber unsterblich wurden und nach ihrer Zeit einfach verschwanden.

Dieses Reich sei aber einfach zu groß gewesen und somit im 16.Jh im Zuge mehrerer Wellen von Luo-Einwanderungen aus dem Norden in mehrere kleinere Nachfolger zerfallen. Eines dieser Reiche ist das Königreich Bunyoro-Kitara, in dessen Namen es weiterlebt.

Anmerkung 1

Nach neuerer Auffassung (siehe Jean-Pierre Chretien) wird diese Darstellung als ein Mythos eingestuft. Wahrscheinlich ist die Ableitung einer Abstammung aus einer Dynastie von Halbgöttern für die jetzigen Herrscherfamilien (Babiito-Dynastie) ein probates Mittel zur Festigung der eigenen Machtansprüche. Andrerseits mag für die eingesessene Bevölkerung die Stilisierung ihrer Vorfahren zu Halbgöttern eine Art religiöse Opposition gewesen sein.

Anmerkung 2

Diese Konstellation mit einer kleineren Oberschicht (geprägt durch Viehbesitz und oftmals?? aus dem nördlichen Afrika stammend) und einer ärmeren, größeren Gruppe von Bauern (länger ansässige Bantuvölker) hat bis heute zu Spannungen geführt. Die blutigsten Fehden, ja Genozide waren in den Staaten Burundi und Ruanda zwischen Tutsi und Hutu in den letzten 40 Jahren. Es muss aber erwähnt werden, dass diese Unterschiede durch Verwaltungseingriffe aufgrund der von den europäischen Kolonialmächten vertretenen Hamitentheorie(siehe auch J. Speke) verstärkt, wenn nicht gar geschaffen wurden.

Neuzeit (von der Kolonisierung bis heute)

Westafrika

Von 1040 bis 1910 existierte in Nigeria ein Reich, welches besonders unter machtpolitischem Blinkwinkel Interesse verdient, die herrschende Priesterkaste kam ohne Militär aus. Ganz anders eine Reihe anderer Reiche, die mit ihren Armeen am Sklavenhandel teilnahmen und ihren Wohlstand darauf aufbauten. Sie alle endeten im späten 19. Jh, beispielsweise die Oyo, Benin und Ara, auch die mächtigen Asanti.

Nil

Das „Schwarze“ Sultanat von Sannar, oder auch Reich der Fung genannt, ein im Norden des heutigen Sudan gelegene eher unbedeutender Nachfolger der nubischen Reiche von von Kerma und Kusch, lebte rund 300 Jahre, ehe es 1821 von Ägypten, das damals unter türkischer Herrschaft stand, erobert wurde. Dies war der Einstieg in die spätere Provinz Äquatoria.

Grosse Seen in Afrika (Schwerpunkt heutiges Uganda)

Oftmals wird von den 4 Königreichen Ugandas gesprochen. Damit sind meistens die großen Reiche, die z.Z. der Einflussnahme der Briten existierten, gemeint: Bunyoro-Kitara im Westen, Nkore (auch Ankole genannt) im Südwesten, Buganda im Norden des Viktoria-Sees und Busoga im Osten. Andere Quellen nennen das Reich Toro anstelle Busoga. Es ist aber zu beachten, dass Toro erst durch britische Unterstützung wieder seine Unabhängigkeit von Bunyoro erlangte, mit dem es eine gleiche Königsfamilie hat, die Babiito-Dynastie.
– Bunyoro: westlich des Albertsees gelegen ist als Staat mit einer ausgeprägten Monarchie im 15.Jh entstanden, als eine kleine Welle von Luo, „Menschen aus den Sümpfen“ ihr Siedlungsgebiet an Weißer Nil und Bahr el Gazal verließen und sich mit den Bantu mischten. Sie übernahmen deren Sprache und intensivierten den Ackerbau, gründeten andrerseits aber die Babiito-Dynastie. Ihr König Kabarega widersetzte sich dem britischen Machtanspruch, denn 1872 erklärt S.Baker Bunyoro zu einem Teil des Sudan, ohne es besetzen zu können. Eine erste Schwächung geschah, als in Folge des Mahdi-Aufstandes Emin Pascha seinen Hauptsitz Wadelai aufgeben muß und die Madhisten im Norden Einfluß gewinnen. Kabarega verlor den Kampf 1898, wurde gefangen genommen und musste die eigenständige Existenz des Reiches Toro und die Abtretung einiger Gebiete an Buganda erleben. Bunyoro wurde britisches Protektorat und verlor 1967 unter Milton Obote seinen Status als Königreich – wie alle anderen Reiche auch. Erst 1993 erfolgte die kulturelle Wiederanerkennung durch Y. Museveni.
– Nkore (seit britischer Zeit Ankole genannt): südwestlich des Alert-Sees gelegen hat eine Bunyoro sehr ähnliche Geschichte. Auch hier eine Einwanderungswelle und eine Assimilation an die Bantu-Kultur und die Ausprägung einer herrschenden Kaste, der Bahima, mit dem äußeren Zeichen des Viehbesitzes. 1901 wurde das Reich dem britischen Protektorat einverleibt, 1967 aufgelöst. Im Gegensatz zu den anderen Königreichen ist Ankole aber noch nicht wiederhergestellt. Als ein möglicher Grund wird angenommen, dass eine Situation wie in Ruanda befürchtet wird.
– Busoga: im Osten Ugandas gelegen ist sicherlich das „schwächste“ dieser vier Königreiche gewesen. Weil aber viele de europäischen Entdecker ihren Weg durch dieses Gebiet nahmen, ist es früh bekannt geworden. Wahrscheinlich ist im 16.Jh ein Prinzen-Clan aus Bunyoro eingewandert und hat ein erstes Reich gegründet. Später regierten einige Clan-Chefs oder auch Häuptlinge aus Buganda. Verschärft wurde die Situation, als Anfang des 20. Jh verschiedene Epidemien die Bevölkerung drastisch verminderten. Die Briten initiierten einen Rat, der einen Präsidenten wählte und der später einen Titel, gleich einem König, bekam.
– Buganda: Das Königreich Buganda liegt im Herzen von Uganda, am Ufer des Viktoria-Sees und reicht im Norden bis zum Viktoria-Nil. Buganda wurde Anfang des 15.Jh von einer Gruppe Auswanderer aus Bunyoro gegründet. Da die Gegend wenig für Viehhaltung geeignet war sind auch die Strukturen der Bantu-Clans stärker erhalten geblieben. Am deutlichsten ist dies in der Thronfolge. Weil matriarchalische Elemente berücksichtigt werden, wird der jeweilige König mit dem Clan seiner Mutter identifiziert und somit ist statt eines einzigen königlichen Geschlechts jeder Clan, der dem König eine Braut präsentiert, in einer Art Lotterie. Buganda konnte danach seine Armee ausbauen , sogar eine Flotte auf dem Viktoria-See, und demzufolge seinen Machtanspruch immer weiter ausdehnen, hauptsächlich zu Lasten Bunyoros. 1967 aufgelöst ist das Königreich 1993 wieder etabliert worden, z.Z. (2009) gibt es sogar Spannungen mit der Zentralregierung
Im Jahr 1925 etablierten die Briten einen Rat der Könige, dem der Kyabazinga von Busoga, der Kabaka von Buganda, die Omukama von Buyoro und Toro sowie der Omugabe von Ankole angehörten.
Andere Völker wie beispielsweise die Acholi aus der ethnischen Gruppe der Luo übernahmen zwar einige Formen des bugandischen Königtums wie die königliche Trommel, bildeten aber nur einige kleinere Fürstentümer ohne räumliche Bedeutung.
Eine bemerkenswerte Entwicklung gab es in neuerer Zeit, als sich 1962 das Königreich Rwenzururu von Toro loslöste und für unabhängig erklärte (frühere Versuche während der Kolonialzeit waren fehlgeschlagen). 2008 wurde das neue Königreich von dem Kabinett Ugandas anerkannt und 2009 folgte dann die Inthronisierung des Königs. Interessant ist die Tatsache, das von den rund 6Mio Angehörigen des Bakonzo/Banande-Stammes (Bevölkerung um das Ruwenzori-Gebirge) etwa 5Mio auf dem Gebiet des Kongo leben. Andere Stämme wie die Bamba im Semliki-Gebiet fallen kaum ins Gewicht. Entsteht da eine neue Machtkonstellation?